Dem Zoll ist ein umfangreicher Schlag gegen eine mutmaßlich organisierte Struktur des illegalen Zigarettenhandels gelungen. Bereits am 20., 21. und 22. Mai hatten Einsatzkräfte bei einem groß angelegten Zugriff eine illegale Zigarettenfabrik, fast 20 Millionen unversteuerte Zigaretten, mehr als 16 Tonnen Tabak sowie große Mengen an Vorprodukten für die Herstellung sichergestellt. Veröffentlicht wurden die Informationen erst jetzt, wie der Zoll mitteilte, aus ermittlungstaktischen Gründen.
Für die Region besonders relevant: Festnahmen erfolgten auch in Offenbach und Maintal. Die weiteren Zugriffe fanden in Ahlen und Salzkotten statt. Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Zoll um vier Männer im Alter zwischen 25 und 54 Jahren mit rumänischer und moldawischer Staatsangehörigkeit. Gegen alle vier ordnete das Amtsgericht Bielefeld inzwischen Untersuchungshaft an. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft ihnen vor, für Herstellung und Vertrieb der unversteuerten Zigaretten verantwortlich gewesen zu sein.
Illegale Produktion in ehemaligem Fabrikgelände
Im Zentrum der Ermittlungen stand ein ehemaliges Fabrikgelände in Staudt in Rheinland-Pfalz. Dort entdeckten die Einsatzkräfte eine illegale Produktionsanlage für Zigaretten. Allein an diesem Ort wurden nach Angaben des Zolls mehr als 16 Tonnen Tabak sichergestellt, die mutmaßlich zur Herstellung weiterer Zigaretten bestimmt waren.
Weitere Funde machten die Ermittler in einer Lagerhalle in Ahlen in Nordrhein-Westfalen, wo rund zehn Millionen unversteuerte Zigaretten lagerten, sowie auf einem landwirtschaftlichen Anwesen bei Rüsselsheim in Hessen mit weiteren rund neun Millionen Zigaretten. Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz 13 Lagerhallen und Wohnungen durchsucht.
Neben Zigaretten und Tabak stellten die Fahnder rund 75.000 Euro Bargeld, zahlreiche Smartphones und weitere elektronische Beweismittel sicher. Im Zuge von Vermögensermittlungen wurde außerdem eine Immobilie gesichert.
Steuerschaden in Millionenhöhe
Den Steuerschaden beziffert der Zoll allein für die mutmaßlich gefälschten Zigaretten auf 3,9 Millionen Euro. Für den an der Produktionsanlage beschlagnahmten Tabakfeinschnitt kommen weitere rund 1,5 Millionen Euro hinzu. Insgesamt geht es damit um einen Schaden von 5,4 Millionen Euro.
Die Ermittlungen des Zollfahndungsamts Hannover, Dienstsitz Bielefeld, richteten sich zunächst gegen mehrere Personen aus dem Raum Frankfurt/Main wegen des Verdachts des Handels mit unversteuerten Zigaretten. Mit zunehmendem Erkenntnisstand wurde das Verfahren ausgeweitet. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass die Beschuldigten bis zu ihrer Festnahme bundesweit mehr als 80 Millionen Zigaretten umgesetzt haben könnten. Ein Teil davon soll aus der nun entdeckten Produktionsanlage stammen.
Professionell abgeschirmte Anlage
Nach Darstellung des Zolls war die für die Herstellung genutzte Immobilie aufwendig ausgebaut worden. Um die Produktion vor Anwohnern und Behörden zu verbergen, sei unter anderem eine professionelle Schalldämmung eingebaut worden. Außerdem verfügte das Gelände über eine Videoüberwachungsanlage.
Besonders schwer wiegt auch der Verdacht, dass die dort eingesetzten Arbeiter über längere Zeit unter fragwürdigen Bedingungen in den Räumen eingeschlossen waren. Mindestens elf Personen sollen nach bisherigen Erkenntnissen in der Anlage gearbeitet haben, ohne im Umfeld Aufmerksamkeit zu erregen.
Sichergestellt wurden in der Halle neben Produktions- und Verpackungsmaschinen auch eine kleinere Menge fertig produzierter Zigaretten sowie große Mengen an Filtermaterial, Papierhülsen, bedruckten Kartonzuschnitten für Schachteln und Verpackungsfolien.
Zoll spricht von zerschlagener Struktur
Dr. Tino Igelmann, Leiter des Zollkriminalamts, sieht in dem Zugriff einen Erfolg umfangreicher Ermittlungen. „Aufgrund beharrlicher und sorgfältiger Ermittlungsarbeit ist es dem Zoll in diesem Fall gelungen, die gesamte Lieferkette der unversteuerten Zigaretten vom verbotenen Kleinhandel bis hin zur illegalen Produktion im industriellen Ausmaß aufzudecken. Der immense logistische Aufwand und das professionelle Agieren auf der Täterseite zeugen von einer organisierten kriminellen Struktur, die im Zuge der durchgeführten Einsatzmaßnahmen erfolgreich zerschlagen werden konnte“, sagte er.
An den Maßnahmen waren über drei Tage hinweg mehr als 120 Kräfte beteiligt. Unterstützt wurden die Ermittler des Zollfahndungsamts Hannover unter anderem vom Zollfahndungsamt Frankfurt, von Spezialeinheiten des Zolls, den Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie vom Technischen Hilfswerk aus Montabaur und Rüsselsheim.
Die Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld dauern weiter an.
















