Rund sieben Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Mitarbeiters in einem Regionalzug hat die Deutsche Bahn ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Sicherheit vorgestellt. Am heutigen Freitag, dem bundesweiten „Tag des Respekts“, erinnerten Vertreter des Unternehmens und der Bundespolitik zudem an das Opfer der Gewalttat. Im Beisein von Familienangehörigen, Freunden, Bahn-Chefin Evelyn Palla sowie Bundesverkehrsminister Steffen Bilger wurde am Mannheimer Hauptbahnhof eine Gedenktafel für den getöteten Serkan Çalar enthüllt. Der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Martin Seiler, äußerte sich anlässlich des Gedenkens zu den Vorfällen und den daraus resultierenden Konsequenzen: „Die Nachricht vom Tod Serkans hat uns alle tief erschüttert. Sein Tod darf nicht vergessen werden. Er verpflichtet uns, unsere Mitarbeitenden und Fahrgäste bestmöglich zu schützen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben uns gesagt, wie sehr sie dieses Ereignis bewegt. Wir hören ihnen genau zu, nehmen ihre Sorgen ernst und arbeiten konsequent daran, die Sicherheit vor Ort weiter zu stärken – das zeigen die zahlreichen Maßnahmen, die wir auf den Weg gebracht haben.“
Technische Aufrüstung und verstärkter Selbstschutz für das Personal
Um die Beschäftigten im direkten Kundenkontakt besser zu schützen, setzt der Konzern künftig verstärkt auf Ausrüstung und Ausbildung. Nach Angaben des Unternehmens haben bereits mehr als neunzig Prozent der Angestellten im Regionalverkehr eine Schulung für den Einsatz von Körperkameras erhalten. Im vergangenen Sommer wurde dieses System zudem im Fernverkehr sowie an den Personenbahnhöfen eingeführt. Die Regionalsparte Mitte plant darüber hinaus, ab dem 5. Oktober die Aufzeichnung von Tonmaterial bei diesen Bodycams zu testen, um diese Funktion zeitnah im gesamten Konzern etablieren zu können. Ergänzend dazu erproben Kundenbetreuer bei DB Regio seit Juli das Tragen von stichhemmenden Westen, die unter der Dienstkleidung verborgen bleiben. Für die sogenannte Mobile Unterstützungsgruppe, die bei besonderen Gefahrenlagen auf Bahnhöfen und in Zügen zum Einsatz kommt, läuft bis Ende des Jahres 2026 ein Testlauf mit speziellen Schutzhelmen. Neben der Ausrüstung sind Schulungen zur Deeskalation für alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt nun verpflichtend vorgeschrieben und werden durch spezifische Trainings zur Selbstbehauptung und zum Selbstschutz in den verschiedenen Geschäftsbereichen ergänzt.
Bundesweites Alkoholverbot und veränderte Kontrollstrukturen in Zügen
Zusätzlich zur persönlichen Schutzausrüstung passt die Bahn auch die strukturellen Rahmenbedingungen auf ihren Anlagen an. Bis zum 15. Oktober 2026 wird an bundesweit 5.400 Bahnhöfen schrittweise ein striktes Verbot von Alkoholkonsum eingeführt, da Modellprojekte laut Unternehmensangaben einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verbot und einem Rückgang von Gewaltkriminalität gezeigt hatten. Im Regionalverkehr erprobt die Bahn bis Ende 2026 den Einsatz von Doppelbesetzungen, bei denen Kundenbetreuer entweder zu zweit oder in Begleitung einer Sicherheitskraft agieren. Für umfassende Fahrkartenkontrollen werden zudem spezielle Prüfgruppen mit sechs bis acht Angestellten gebildet, die gemeinsam in den Zügen patrouillieren.
Um die Beweissicherung nach Straftaten zu beschleunigen, erhält die Bundespolizei über eine neue Cloud-Lösung einen einheitlichen digitalen Zugriff auf Live-Bilder und Videomaterial aus ausgewählten Regionalzügen. Die Mitarbeiter der Bahn können sich zudem ab dem heutigen Freitag über eine interne Smartphone-Anwendung freiwillig vernetzen, um Kollegen in Konfliktsituationen bis zum Eintreffen der Sicherheitskräfte beizustehen. Flankiert werden all diese Maßnahmen von der Forderung des Unternehmens nach strengeren strafrechtlichen Konsequenzen bei Übergriffen auf das Personal sowie einer bereits im Mai gestarteten bundesweiten Aufklärungskampagne für mehr Respekt im öffentlichen Verkehr.
















