Der Stadtelternbeirat Offenbach macht Druck gegen geplante Einschnitte bei sogenannten Differenzierungsstunden und beim Sozialindex. Am Dienstag, 10. März 2026, übergaben Vertreterinnen und Vertreter des Gremiums in der Aula der Rudolf-Koch-Schule eine Petition an Offenbacher Landtagsabgeordnete.
Zum Zeitpunkt der Übergabe waren nach Angaben des Stadtelternbeirats 17.801 Unterschriften gesammelt. Später sprach das Gremium von „Mehr als 20.000 Menschen“, die bereits unterschrieben hätten.
Unterschriftenübergabe in der Rudolf-Koch-Schule
Entgegengenommen wurde die Petition von Andreas Ewald (Grüne), Nadine Gersberg (SPD) und Oliver Stirböck (FDP). Bei der Übergabe war aus der FDP auch der Offenbacher Stadtverordnete Dominic Leiendecker anwesend. Die CDU war laut Stadtelternbeirat eingeladen, sei aber nicht erschienen und habe auch nicht reagiert.
Inhaltlich richtet sich die Kritik des Stadtelternbeirats gegen Kürzungen, die aus Sicht der Elternvertretung besonders Städte mit sozialen Herausforderungen treffen würden. Der Sozialindex sei ein Instrument, um Schulen dort zusätzliche Unterstützung zu geben, wo Kinder besondere Förderung benötigen.
Elternbeirat warnt vor Folgen
Stefan Marx, Vorsitzender des Stadtelternbeirats, sagt: „Der Sozialindex sorgt dafür, dass Schulen zusätzliche Unterstützung genau dort bekommen, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Für eine Stadt wie Offenbach ist das kein Zusatzangebot, sondern eine notwendige Grundlage für funktionierende Schulen. Wenn diese Unterstützung gekürzt wird, müssen Lehrkräfte und pädagogisches Personal die Folgen auffangen. Das geht am Ende auf Kosten der Unterrichtsqualität und damit auf Kosten unserer Kinder.“
Jörg Schwarzwälder, zweiter Vorsitzender, stellt die Debatte in einen größeren Zusammenhang und sagt: „Investitionen in Bildung zahlen sich immer aus. Jede zusätzliche Unterstützung für Schülerinnen und Schüler bedeutet langfristig bessere Bildungsabschlüsse, bessere Chancen im Berufsleben und weniger soziale Folgekosten. Wenn heute bei Bildung gespart wird, zahlen wir morgen an anderer Stelle deutlich mehr. Hinter jeder Kürzung stehen konkrete Biografien von Kindern und Jugendlichen. Gute Bildung ermöglicht ein selbstbestimmtes und würdiges Leben. Genau deshalb darf hier nicht gespart werden,“
Auch integrierte Gesamtschulen nimmt der Stadtelternbeirat in den Blick. Gina Seidel-Girgis, dritte Vorsitzende, sagt: „Integrierte Gesamtschulen stehen für gemeinsames Lernen und echte Chancengerechtigkeit. Kinder lernen dort zusammen, unabhängig von Herkunft oder Leistungsstand, und werden dennoch individuell gefördert. Eine Rückkehr zu einer stärkeren Trennung im Schulsystem wäre ein bildungspolitischer Rückschritt ins vergangene Jahrhundert. Eine moderne Gesellschaft braucht Schulen, die Zusammenhalt und gleiche Chancen fördern.“
FDP kündigt Landtagsdebatte an
FDP-Abgeordneter Oliver Stirböck bekräftigte bei der Übergabe die Kritik seiner Fraktion an den Plänen. Er sagte: „Die große Zahl an Unterschriften zeigt, wie groß die Sorge vieler Menschen ist. Wer ausgerechnet bei den Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen kürzt, gefährdet Bildungschancen.“
Der Sozialindex sorge seit 2013 dafür, dass Schulen mit schwierigen sozialen Rahmenbedingungen zusätzliche Lehrerstellen erhalten, so Stirböck. „Wenn hier Stellen gestrichen werden, trifft das die falschen Schulen – und am Ende die Kinder, die besonders auf Unterstützung angewiesen sind.“
Die FDP-Landtagsfraktion will das Thema nach eigenen Angaben in der kommenden Woche im Hessischen Landtag auf die Tagesordnung setzen. Stirböck sagte: „Wir haben für den kommenden Mittwoch den FDP-Setzpunkt zu diesem Thema beantragt. Dann haben auch alle Offenbacher Abgeordneten die Möglichkeit, öffentlich zu zeigen, wo ihr bildungspolitischer Kompass steht“.
Grüne attackieren Regierungspläne
In einer Stellungnahme kritisieren die Landtagsabgeordneten Andreas Ewald und Katy Walther (Grüne) die Landesregierung aus CDU und SPD scharf. Walther sagte: „Die Kürzungen von CDU und SPD sind damit nicht weniger als ein Kahlschlag bei der Bildungsgerechtigkeit in Hessen.“
Ewald erklärte: „Wir GRÜNEN wollen keine Kürzungen in der Bildung. Wir wollen gezielt dort investieren, wo die Herausforderungen an unseren Schulen am größten sind.“ Er verwies auf Änderungsanträge zum Landeshaushalt und forderte Abgeordnete aus SPD und CDU auf, diesen zuzustimmen, „um die Kürzungen an Schulen im Landkreis und der Stadt Offenbach noch abzuwenden.“
Der Stadtelternbeirat kündigte an, weiter politischen Druck aufzubauen. Die Entscheidungen im Landtag hätten direkte Auswirkungen auf Schulen, Familien und Kinder in Offenbach, heißt es aus der Elternvertretung.















