Die Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 abermals deutlich mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Nach vorläufigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes beläuft sich das bundesweite Finanzierungsdefizit auf 20,1 Milliarden Euro. Damit bleibt der Fehlbetrag exakt auf dem Höchststand, der bereits im gleichen Vorjahreszeitraum gemessen wurde. Einen höheren negativen Saldo für die erste Jahreshälfte gab es seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 noch nie. Die Datenerhebung, welche die Stadtstaaten nicht berücksichtigt, zeigt zudem, dass die Unterdeckung fast ausschließlich aus den sogenannten Kernhaushalten der Kommunen resultiert. Diese schlossen mit einem Minus von 20 Milliarden Euro ab, während die ausgelagerten Extrahaushalte lediglich ein Defizit von 100 Millionen Euro verbuchten.
Kommunale Investitionen sinken bei gleichzeitig steigenden Personalausgaben
Insgesamt hat sich die Ausgabendynamik der öffentlichen Hand auf lokaler Ebene im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit etwas abgeschwächt. Die bereinigten Aufwendungen wuchsen gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 2,7 Prozent auf eine Gesamtsumme von 204,1 Milliarden Euro an, nachdem der Anstieg ein Jahr zuvor noch bei knapp sieben Prozent gelegen hatte. Ein genauer Blick auf die Haushaltsposten zeigt jedoch deutliche Verschiebungen in den kommunalen Bilanzen. So mussten die Verwaltungen mehr Geld für ihr Personal aufwenden; hier stiegen die Kosten um 5,2 Prozent auf 54,7 Milliarden Euro. Auch die laufenden Sachaufwendungen, die Ausgaben für soziale Leistungen sowie Zuweisungen an freie Träger wie beispielsweise Kindertagesstätten verzeichneten Zuwächse zwischen knapp vier und gut fünf Prozent. Den stärksten relativen Sprung machten die Zinsausgaben der Kommunen, die um über 13 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro kletterten. Um diese finanziellen Belastungen abzufedern, traten die Gemeinden bei ihren eigenen Vorhaben auf die Bremse. Die Ausgaben für Sachinvestitionen gingen um 4,5 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro zurück, das finanzielle Volumen für Baumaßnahmen schrumpfte um 2,4 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro.
Rückläufige Erträge bei der Gewerbesteuer werden anderweitig kompensiert
Auf der Einnahmenseite verbuchten die Kommunen ein moderates Wachstum von drei Prozent auf nunmehr 184 Milliarden Euro. Die reinen Steuereinnahmen legten dabei allerdings nur minimal um knapp ein Prozent auf 57,3 Milliarden Euro zu. Ausschlaggebend für diese Stagnation war ein spürbarer Rückgang bei der Gewerbesteuer, die um zwei Prozent auf 30,8 Milliarden Euro absackte. Dass die Steuereinnahmen insgesamt dennoch leicht im Plus landeten, ist höheren Erträgen in anderen Bereichen zu verdanken. So profitierten die Kommunen von Zuwächsen bei der Grundsteuer sowie bei ihren Anteilen an der Umsatz- und Einkommensteuer. Darüber hinaus erhöhten sich auch die Zuweisungen der Bundesländer. Neben einem leichten Plus bei den allgemeinen Schlüsselzuweisungen flossen insbesondere mehr zweckgebundene Mittel und Investitionshilfen der Länder in die städtischen Kassen. Ein weiteres finanzielles Standbein bildeten die Gebühren für Verwaltung und die Benutzung kommunaler Einrichtungen. Hier verzeichneten die Statistiker einen Anstieg um 5,7 Prozent auf insgesamt 26,5 Milliarden Euro, wobei das Gebührenwachstum in den Extrahaushalten deutlich stärker ausfiel als in den Kernhaushalten.
















