Nach 26 Jahren bei der Kläranlage Dietzenbach verabschiedet sich Betriebsleiter Andreas Reitmeier Ende Juni in den Ruhestand. Seit 2015 leitete er die Anlage an der Limesstraße, zuvor hatte er sich dort über viele Jahre vom Quereinsteiger zum Fachmann für Abwassertechnik entwickelt.
Als Reitmeier im September 2000 bei den Stadtwerken Dietzenbach anfing, hatte er nach eigenen Worten zum ersten Mal überhaupt eine Kläranlage von innen gesehen. Der gelernte Elektroinstallateur brachte jedoch eine frühe Begeisterung für naturwissenschaftliche Themen mit. In der Arbeit auf der Anlage fand er das Zusammenspiel von Physik, Chemie und Technik wieder und entschied sich für eine fachliche Weiterqualifizierung. 2002 begann er die Weiterbildung zum Abwassermeister, die er 2005 abschloss.
Vom Einstieg bis zur Betriebsleitung
Die Betriebsleitung übernahm Reitmeier zehn Jahre später. In dieser Funktion war er für einen Bereich verantwortlich, der rund um die Uhr überwacht werden muss. Nach seiner Schilderung gehörten Bereitschaftsdienste, Wochenendarbeit und ständige Kontrollen zum Alltag. Die Arbeit sei gerade deshalb besonders gewesen, weil kein Tag dem anderen geglichen habe.
Sein Berufsleben in Dietzenbach sei aber nicht nur von Technik geprägt gewesen, sondern vor allem vom Miteinander im Team. Auch deshalb blieb Reitmeier über mehr als zwei Jahrzehnte am Standort. Der Arbeitstag begann für ihn und seine Kollegen regelmäßig um 7 Uhr mit einer gemeinsamen Besprechung, in der die Nacht ausgewertet, Schwerpunkte festgelegt und Aufgaben verteilt wurden. Danach folgten Probenahmen und Laboranalysen.
Mikroorganismen als Herzstück der Anlage
Reitmeier macht deutlich, dass der Betrieb einer Kläranlage weit mehr ist als sichtbare Technik. „Viele denken bei einer Kläranlage an Technik – aber das Herzstück sind Mikroorganismen“, erklärt er. „Wir sorgen dafür, dass sie sich wohlfühlen. Denn nur dann leisten sie ihre Arbeit.“ Täglich würden dafür unter anderem Ammonium, Nitrat, Phosphat, pH-Wert und Temperatur überprüft.
Aus seiner Sicht bleibt vieles von dem, was in der Abwasserreinigung geschieht, für die Öffentlichkeit unsichtbar. Das gilt auch für Probleme, die durch falsche Nutzung entstehen. Besonders Feuchttücher und Fett belasten nach seinen Angaben die Anlagen. „Feuchttücher und Fett sind ein großes Problem“, sagt Reitmeier. „Sie gehören nicht in die Toilette und können massive Schäden verursachen.“ Die Tücher bestünden meist aus reißfestem Vlies und lösten sich im Wasser nicht auf. In der Anlage entstünden daraus verfilzte Stränge, die Rechen und Pumpen blockieren könnten. Sein Rat ist eindeutig: „In die Toilette gehören nur das kleine und das große Geschäft sowie Toilettenpapier.“
Großer Umbau als prägender Abschnitt
Ein wichtiger Abschnitt seiner Laufbahn war die umfassende Modernisierung der biologischen Reinigungsstufe in den vergangenen Jahren. Mit dem Umbau wurde die Reinigungsleistung der Anlage insbesondere bei der Entfernung von Phosphor und Stickstoff verbessert. Das Land Hessen förderte das Projekt mit rund 2,8 Millionen Euro.
Für Stadtwerke-Geschäftsführer Guido Schick hat Reitmeier die Anlage über viele Jahre hinweg entscheidend geprägt. „Andreas Reitmeier hat die Kläranlage über viele Jahre mit großem Engagement und fachlicher Kompetenz geprägt. Sein Einsatz – oft auch im Hintergrund – war entscheidend für den zuverlässigen Betrieb und die Weiterentwicklung der Anlage“, sagt er.
Auch Jannis Wirth, Bereichsleiter Technischer Betrieb, hebt neben der fachlichen Leistung besonders die Rolle Reitmeiers für das Team hervor. „Andreas Reitmeier war für uns weit mehr als nur ein fachlicher Experte. Er hat über Jahrzehnte ein Team geformt, das durch einen enormen Zusammenhalt und tiefes Vertrauen geprägt ist. Dabei war er nicht nur eine herausragende Führungspersönlichkeit, sondern auch Mentor und Vorbild für die jüngeren Mitarbeiter. Er hinterlässt ein Team, das für die Zukunft bestens aufgestellt ist. Wir werden seine ruhige und lösungsorientierte Art sehr vermissen.“
Abschied nach einem langen Berufsleben
Reitmeier selbst blickt mit gemischten Gefühlen auf seinen Abschied. „Am meisten Spaß gemacht hat mir immer die Zusammenarbeit im Team – und die Abwechslung zwischen Büro, Labor und Außeneinsatz“, sagt er. Der Abschied falle ihm nach so vielen Jahren nicht leicht. Vor allem die Kolleginnen und Kollegen würden ihm fehlen.
Gemeinsam mit seiner Frau, die am selben Tag in den Ruhestand geht, will er nun mehr Zeit zum Reisen und für einen neuen Alltag nutzen. „Einfach in den Tag hineinleben – das ist jetzt der Plan.“ Für die Kläranlage endet damit eine lange Phase unter seiner Verantwortung. Seine Nachfolger übernehmen einen modernisierten Betrieb und ein eingespieltes Team.
















