Die Einrichtung der zweiten Fahrradstraße in Dreieich wird ein äußerst kostspieliges Unterfangen für die Kommune. Wenn die Stadtverordnetenversammlung am 28. September voraussichtlich grünes Licht für die vorgelegte Ausführungsplanung gibt, geht dies mit erheblichen finanziellen Belastungen einher. Um das Verkehrsprojekt auf der Achse zwischen Philipp-Holzmann-Straße und Neurothweg überhaupt beauftragen zu können, fordert der Magistrat in seiner Beschlussvorlage die Aufhebung eines Sperrvermerks in Höhe von satten 330.000 Euro.
Pauschale Preisaufschläge und hohe Kosten für die Grundausstattung
Ein genauer Blick in die Unterlagen der Verwaltung offenbart die finanzielle Dimension der Maßnahme. Allein die reine Grundausstattung der Strecke, die lediglich die zwingend erforderlichen Schilder und Fahrbahnmarkierungen umfasst, schlägt bereits mit rund 75.900 Euro zu Buche. Die hohen Summen resultieren dabei auch aus einer direkten Preissteigerung durch das planende Ingenieurbüro. Die Planer verweisen auf die aktuelle Marktlage im Tief- und Straßenbau und haben die veranschlagten Einheitspreise pauschal um 15 Prozent angehoben. Gleichzeitig warnt das Büro davor, aus Kostengründen einzelne Bestandteile des Projekts wie neue Fußgängerquerungen zu streichen. Aufgrund der kleinteiligen Bauabschnitte würde ein solcher Verzicht nicht zwingend zu einer Ersparnis bei den Gesamtkosten führen. Zu den Aufwendungen für die eigentliche Fahrradstraße addieren sich zudem nochmals rund 85.000 Euro für die parallele Verbreiterung eines angrenzenden Wirtschaftsweges, die aus budgetären Gründen als separates Projekt abgerechnet wird.
Massive Kostenschwankungen durch teure Kreuzungsumgestaltung
Als der größte finanzielle Treiber der gesamten Maßnahme erweist sich die Neugestaltung des Knotenpunkts von Kennedystraße und Odenwaldring. Der Magistrat legt der Politik hierfür drei Varianten vor, deren Preise extrem voneinander abweichen. Während eine Reduzierung der Kurvenradien durch einfache Markierungen und Nägel für rund 33.700 Euro realisierbar wäre, verschlingen die baulichen Optionen ein Vielfaches. Eine Verkleinerung der Kurven inklusive einer kleinen Teilentsiegelung kostet bereits 119.000 Euro. Die weitreichendste Variante, die eine großflächige Entsiegelung von 450 Quadratmetern im Sinne der Klimaanpassung vorsieht, treibt die Kosten für diese einzelne Kreuzung sogar auf 172.000 Euro. Abhängig davon, für welche Umgestaltung sich die Stadtverordneten entscheiden, schwanken die berechneten Baukosten für das Gesamtprojekt am Ende zwischen 159.300 Euro und knapp 297.000 Euro. Weitere kostenintensive Einzelmaßnahmen wie eine neue Vorfahrtsregelung samt Aufpflasterung für über 31.000 Euro und markierte Parkstreifen mit speziellen Sicherheitszonen für knapp 10.000 Euro sind in diesen Rechnungen bereits enthalten.
Verwaltung fürchtet sinkende Zuschüsse und drängt auf schnelle Entscheidung
Trotz der enormen Kostenentwicklung drängt das Rathaus auf eine zügige Verabschiedung der Planung. Die Eile begründet der Magistrat mit drohenden finanziellen Einbußen bei den Fördergeldern. Zwar ist das Projekt nach Beratungen mit Hessen Mobil über die Nahmobilitätsrichtlinie grundsätzlich förderfähig, wobei der aktuelle Satz bei bis zu 70 Prozent der anrechenbaren Kosten liegt. Allerdings hat die Landesbehörde bereits signalisiert, dass sich diese lukrative Fördersituation in den kommenden Jahren voraussichtlich verschlechtern wird. Die Stadtverwaltung strebt daher an, den entsprechenden Förderantrag noch in diesem Jahr einzureichen, um sich die dringend benötigten Zuschüsse für das kostenintensive Straßenbauprojekt zu sichern.















