Während viele Arbeitnehmer ihren Schreibtisch ins heimische Arbeitszimmer verlegen, wählt der Heusenstammer Bürgermeister Steffen Ball genau den umgekehrten Weg. Unter dem Motto „Public Office“ hat das Stadtoberhaupt seinen Arbeitsplatz zum ersten Mal mitten in den Trubel der Stadt verlegt. Ausgerüstet mit einem Campingtisch und Besucherstühlen saß Ball für rund anderthalb Stunden vor dem Rewe-Markt an der Alten Linde, um an der frischen Luft zu arbeiten und dabei für die Bevölkerung direkt ansprechbar zu sein.
Campingtisch vor dem Supermarkt als neuer Arbeitsplatz
Das Prinzip der unkonventionellen Sprechstunde ist simpel gestaltet. Wer beim Einkaufen ein Anliegen auf dem Herzen hatte, konnte sich ohne vorherige Terminvereinbarung einfach zum Bürgermeister an den Tisch setzen und das Gespräch suchen. Blieben die Besucherstühle zwischenzeitlich leer, bearbeitete der Rathauschef seine Unterlagen und arbeitete online ganz regulär weiter, wie er es auch an seinem gewohnten Schreibtisch in der Verwaltung tun würde.
Gespräche mit Bürgern haben absolut Vorrang
Den Grund für den Umzug auf den Supermarktparkplatz erklärt der Bürgermeister mit dem Wunsch nach möglichst niedrigen Hürden für den Austausch mit der Einwohnerschaft. Nicht jeder schaffe den Weg in die Verwaltung, sei es aus Mangel an Zeit oder wegen einer gefühlten Hemmschwelle. „Das Rathaus hat feste Öffnungszeiten, und das ist auch gut so„, erklärt Ball. Seine Ergänzung dazu lautet: „Zusätzlich möchte ich dort ansprechbar sein, wo der Alltag stattfindet. Man braucht keinen Termin und keine Hemmschwelle. Wer mich sehen will und ein Anliegen hat, setzt sich einfach dazu.„
Der direkte Austausch mit den Menschen vor Ort ist für den Verwaltungschef dabei keine störende Unterbrechung des Aktenstudiums, sondern ein zentraler Bestandteil der täglichen Aufgaben. Politik beginne damit, den Menschen zuzuhören, bevor aus kleinen Anliegen große Probleme entstehen. „Ich arbeite ganz normal weiter. Der Unterschied ist nur, dass ich dabei ansprechbar bin. Kommt niemand, erledige ich meine Unterlagen. Kommt jemand, hat das Gespräch Vorrang„, betont Ball seine Arbeitsweise im Freien.
Weitere Termine in den Quartieren sind geplant
Das „Public Office“ soll nach den Vorstellungen des Bürgermeisters keine einmalige Aktion bleiben, sondern sich zu einer Art mobilem Rathaus entwickeln. „Bürgernähe ist kein Schlagwort„, sagt Ball und fügt hinzu: „Manchmal muss man dafür den Schreibtisch eben nach draußen tragen. Nicht jeder kommt ins Rathaus – deshalb kommt das Rathaus auch mal zu den Menschen.“ Künftig sollen weitere vorangekündigte Termine in den verschiedenen Quartieren von Heusenstamm stattfinden. An diesen Einsätzen auf der Straße werden sich dann auch der Erste Stadtrat Paul Sassen und weitere Beschäftigte aus der Stadtverwaltung beteiligen. Wann und wo die nächsten Stationen anstehen, will die Verwaltung je nach aktueller Terminlage rechtzeitig bekanntgeben.
















