Beim Neujahrsempfang der Stadt Heusenstamm ist der städtische Ehrenamtspreis 2026 an die Initiative Stolpersteine verliehen worden. Rund 250 geladene Gäste kamen dazu im Kultur- und Sportzentrum Martinsee zusammen. Unter ihnen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Ehrenamt, Kirchen, Schulen, Sicherheitsbehörden sowie aus Wirtschaft und Einzelhandel.
Drei Jahrzehnte lokale Erinnerungsarbeit
Erster Stadtrat Paul Sassen überreichte den Preis und würdigte in seiner Laudatio das langjährige Engagement der Initiative. Stellvertretend nahmen die Mitbegründerinnen Gisela Beez und Brigitte Fischer sowie Steffi Valter, Eilika Götting, Hans-Jürgen Schwald und Dr. Roland Krebs die Auszeichnung entgegen.
Die Initiative geht auf Arbeiten zurück, die vor rund 30 Jahren von Sabine Richter-Rauch, Gisela Beez und Brigitte Fischer begonnen wurden. In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein entstand daraus eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte und der Zeit des Nationalsozialismus in Heusenstamm. Die Ergebnisse flossen unter anderem in Publikationen ein, die bis heute als historische Quellen genutzt werden.
Stolpersteine als sichtbares Zeichen
Ein wichtiger Schritt folgte im März 2007 mit der ersten Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Günter Demnig. An fünf Standorten erinnern seither 16 Messingsteine an verfolgte und ermordete Menschen aus Heusenstamm. Die Initiative entwickelte sich weiter zu einem Arbeitskreis, der neben der Pflege der Stolpersteine auch Stadtrundgänge und Bildungsangebote organisiert.
Im Januar 2021 entstand zudem ein Stolperstein-Rundgang, aus dem die mobile Website „Heusenstamm in der NS-Zeit“ hervorging. An 17 Stationen werden dort Texte, Bilder und Videos bereitgestellt, die unter anderem auf die ehemalige Synagoge und den jüdischen Friedhof verweisen.
Würdigung und Dank der Stadt
In seiner Rede betonte Sassen die Bedeutung des Engagements für das Gedenken in der Stadt. Er sagte: „Ihr Engagement galt und gilt dem würdigen Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Heusenstamms sowie an all jene Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Erinnerung und Verantwortung sind für Sie untrennbar miteinander verbunden. Dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Wirken steht beispielhaft für eine lebendige, verantwortungsbewusste Erinnerungskultur. Die Stadt Heusenstamm spricht Ihnen ihren besonderen Dank und ihre hohe Anerkennung aus.“
Initiative sieht Auftrag für die Gegenwart
Gisela Beez und Brigitte Fischer bedankten sich im Namen der Initiative für die Ehrung. Sie erklärten: „Wir danken herzlich für diese Auszeichnung. Sie ist Anerkennung für viele Jahre gemeinsamer Erinnerungsarbeit und zugleich Auftrag für die Gegenwart. Die aktuellen rechten politischen Tendenzen erfüllen uns mit großer Sorge. Die Geschichte zeigt, wie schnell ein Systemwechsel geschehen kann – auch das nationalsozialistische Unrecht kam nicht über Nacht. Gerade deshalb ist es heute wichtiger denn je, wachsam zu bleiben und Verantwortung für Demokratie, Menschenwürde und Erinnerung zu übernehmen.“
















