Die Stadtverordnetenversammlung in Heusenstamm hat in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich das Ende der städtischen Volkshochschule beschlossen. Der kommunale Kursbetrieb wird künftig eingestellt. Ausgenommen von dieser Entscheidung sind lediglich die Angebote für das Kinderschwimmen, für die die Verwaltung derzeit alternative Strukturen erarbeitet. Als Gründe für den Schritt nennt die Stadt eine veränderte Nachfrage, die angespannte Haushaltslage der Kommune sowie den Abbau von strukturellen Überschneidungen mit überregionalen Einrichtungen.
Finanzielle Zwänge und rechtliche Zuständigkeiten im Landkreis
Nach dem Hessischen Weiterbildungsgesetz liegt die Verantwortung für die Erwachsenenbildung primär bei den Landkreisen. Der Kreis Offenbach unterhält hierfür eine eigene Volkshochschule, die von der Stadt Heusenstamm über die Kreisumlage kontinuierlich mitfinanziert wird. Da dieser finanzielle Beitrag in den vergangenen Jahren um mehr als 80 Prozent angestiegen ist, stellt der parallele Betrieb einer eigenen kommunalen Einrichtung eine zusätzliche und defizitäre Belastung dar. Der Heusenstammer Bürgermeister Steffen Ball verwies in diesem Kontext auf die Bemühungen der Kommunen im Kreis, das Land auf die finanzielle Notlage der Städte aufmerksam zu machen, und betonte: „Diese Botschaft ist nur glaubwürdig, wenn wir bei unseren eigenen freiwilligen Leistungen konsequent sind. Jede freiwillige Leistung muss sich daran messen lassen, ob sie gegen ein Defizit bestehen kann, das wir schon bei Pflichtaufgaben wie der Kinderbetreuung nicht mehr decken können“. Durch die Schließung spart die Verwaltung Sachkosten sowie mittelfristig eine halbe Personalstelle ein.
Vermeidung von Konkurrenz zu ehrenamtlich organisierten Vereinen
Neben der wirtschaftlichen Situation verzeichnete die städtische Volkshochschule zuletzt eine deutliche Verschiebung in den Belegungszahlen. Während klassische Bildungskurse nur noch geringen Zuspruch fanden, verlagerte sich das Interesse der Teilnehmer vornehmlich auf Gesundheits-, Bewegungs- und Schwimmangebote. In diesem Segment existieren im Stadtgebiet jedoch bereits vielfältige Alternativen durch private Träger, die Kreisvolkshochschule sowie ortsansässige Sportvereine. Die Verwaltung argumentiert, dass durch den Abbau der städtischen Doppelstrukturen das Angebot der Vereine aufgewertet wird und die Kommune nicht länger in subventionierte Konkurrenz zum ehrenamtlichen Engagement treten muss. Für die nicht weitergeführten Kurse sollen künftig andere Träger den vorhandenen Raum abdecken.
Magistrat organisiert Fortführung der Schwimmkurse für Kinder
Eine explizite Ausnahme von der Schließung bilden die stark nachgefragten Schwimmkurse für Kinder. Diese verursachten aufgrund kleiner Gruppengrößen und vergleichsweise niedriger Gebühren bislang zwar überdurchschnittlich hohe Kosten und wurden auch von vielen Familien aus den Umlandgemeinden genutzt, sollen als essenzielle Fähigkeit aber im städtischen Angebot verbleiben. Der Magistrat führt hierzu bereits Gespräche mit der Volkshochschule des Kreises, lokalen Vereinen und bisherigen Dozenten, um den Betrieb ab dem Frühjahr 2027 mit Kooperationspartnern sicherzustellen. Bürgermeister Ball fasste den Beschluss der Stadtverordneten zusammen: „Die Entscheidung zur Schließung der Volkshochschule ist uns nicht leichtgefallen. Gleichzeitig müssen wir mit den finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, verantwortungsvoll umgehen und unsere Ressourcen dort einsetzen, wo sie für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger besonders gebraucht werden. Bei den Kinderschwimmkursen wollen wir deshalb sicherstellen, dass für Familien auch künftig ein verlässliches Angebot besteht“.
















