Der Kreis Offenbach hat seinen Entwurf für den Haushalt 2026 vorgestellt. Kernaussage der Kreisverwaltung: Die finanzielle Belastung der Städte und Gemeinden steigt nicht weiter an. „Der Hebesatz für die Umlage soll insgesamt nicht erhöht werden“, erklärte Kämmerer und Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller bei der Präsentation des Zahlenwerks. Während die Kreisumlage auf 39,73 Prozentpunkte sinken soll (2025: 41,35), steigt die bedarfsabhängige Schulumlage auf 19,06 Prozentpunkte. Insgesamt fließen damit 475,7 Millionen Euro durch die Umlagen an den Kreis.
Ergebnishaushalt weist klares Minus aus
Im Ergebnishaushalt rechnet der Kreis mit Erträgen in Höhe von 975,2 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Aufwendungen von 998,2 Millionen Euro. Das rechnerische Defizit von rund 24,1 Millionen Euro soll vollständig aus Rücklagen ausgeglichen werden. Gründe für die steigenden Ausgaben liegen vor allem in den höheren Transferleistungen, die mit 516,5 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch ausfallen wie noch 2019. Der Zuschussbedarf aus kommunalen Mitteln liegt 2026 bei knapp 229,5 Millionen Euro.
Während die Einnahmen aus dem Kommunalen Finanzausgleich um 13,7 Millionen Euro steigen sollen, sinken die erwarteten Zuflüsse aus der Kreisumlage leicht. Die Personalkosten steigen aufgrund von Tariferhöhungen auf 88,6 Millionen Euro.
Investitionen vor allem in Schulen geplant
Im Finanzhaushalt stehen Auszahlungen von 99,3 Millionen Euro nur rund 8,6 Millionen Euro an Einzahlungen gegenüber. Der Kreis plant daher eine Kreditaufnahme von 90,9 Millionen Euro. Allein rund 80 Millionen Euro sind für Erweiterungen und Neubauten an Schulstandorten vorgesehen. Insgesamt sind 30 Projekte eingeplant, darunter:
- Neubau einer sechsten Grundschule in Langen (11,5 Mio. Euro),
- Erweiterungen mehrerer Schulen in Dreieich, Neu-Isenburg und Dietzenbach,
- Sanierungs- und Ausbauprojekte in Mühlheim, Obertshausen, Rodgau und Rödermark.
„Die Schülerzahlen steigen weiter an und deswegen müssen wir auch weiter in den Ausbau der Schulen investieren“, betonte Landrat Oliver Quilling.
Zusätzliche Mittel fließen in Mobilitätsprojekte wie den Radschnellweg FRM 9 sowie in die Sanierung der Spessartbrücke in Mühlheim.
Hohe Kosten in Jugend- und Sozialbereich belasten Haushalt
Deutlich steigen erneut die Ausgaben im Jugendamt. Für 2026 rechnet der Kreis mit neun Millionen Euro Mehrkosten – insbesondere durch mehr Maßnahmen für Kinder und Jugendliche mit seelischen Beeinträchtigungen sowie durch zusätzliche Teilhabeassistenzen. Auch der Unterhaltsvorschuss erhöht sich um 1,2 Millionen Euro auf 13,1 Millionen.
Im Sozialbereich ist der Zuschussbedarf weiterhin hoch. Die Kosten der Unterkunft belaufen sich auf 99,2 Millionen Euro. Für die Versorgung von Geflüchteten muss der Kreis 2026 rund 22,2 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bereitstellen – ein starker Anstieg gegenüber den Vorjahren, da viele Fälle nach zwei Jahren nicht mehr vom Land erstattet werden.
Leitlinie zur Haushaltsdisziplin bleibt in Kraft
Obwohl der Kreis kein formales Haushaltsicherungskonzept vorlegen muss, hält die Verwaltung an ihrer eigenen Konsolidierungsleitlinie fest. Maßnahmen wie Budgetgespräche, Wirtschaftlichkeitsanalysen oder Aufgabenkritik sollen die finanzielle Stabilität langfristig sichern. Seit 2005 wurden so nach Kreisangaben rund 200 Millionen Euro konsolidiert.
„Der Haushalt ist solide aufgestellt“, fasste Müller abschließend zusammen. Allerdings seien einzelne Einnahmepositionen noch vorläufig, insbesondere aus dem kommunalen Finanzausgleich. Eine Aktualisierung der Zahlen soll im weiteren Beratungsverlauf erfolgen.
















