In der Stadtbücherei Langen sind die Plätze oft belegt: Schülerinnen und Schüler lernen in Gruppen, arbeiten an Plakaten oder nutzen Tablets im freien WLAN. Dazwischen lesen Erwachsene Zeitung oder Romane. Heike Marthe, Lehrerin und seit mehr als drei Jahren einmal wöchentlich ehrenamtlich an der Ausleihtheke tätig, sagt: „Die Stadtbücherei ist einer der wenigen Orte in Langen, die sich für Drittortbegegnungen eignen. Dort sind alle gut aufgehoben“. Und weiter: „Ich liebe die Begegnungen mit den Kindern und den Erwachsenen, wenn ich an der Ausleihtheke arbeite. Alle bringen etwas Einzigartiges mit: sich selbst.“
Knapp 52.000 Besuche und 165.000 Ausleihen
Für das Jahr 2025 weist die Stadtbücherei knapp 52.000 Besuche aus. Die Zahl der Ausleihen aller Medien stieg auf gut 165.000. Einen besonders deutlichen Zuwachs gab es bei den Kinder- und Jugendbüchern: „2025 haben wir einen erneuten Ausleihrekord in der Kinderbücherei verzeichnet“, sagt Katharina Becker-Busse, derzeitige Leiterin der Kinderabteilung. Sie nennt eine Steigerung um sieben Prozent auf über 56.000 Ausleihen und betont: „Für die Familien in Langen sind wir der erste Anlaufpunkt, wenn es um die Versorgung mit Lesestoff für Kinder geht. Die Steigerung um sieben Prozent auf über 56.000 Ausleihen ist für uns der Beweis, dass wir für die Kinder die richtige Buchauswahl bei ihren Interessen an Lese- und Sachinhalten getroffen haben.“
Ehrenamtliche stützen den Betrieb
Büchereileiter Thomas Mertin führt die Zahlen auch auf die Arbeit der Ehrenamtlichen zurück. „Ohne die starke Unterstützung unserer 19 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hätten wir im vergangenen Jahr nicht so gute Büchereizahlen erzielen können“, sagt er. Zugleich verweist er auf die Belastung für das kleine hauptamtliche Team: „Die besonders hohen Besucher- und Ausleihzahlen und die starke Nutzung der Büchereiangebote, die wir erreichen, sind für Städte in der Größenordnung von Langen ganz normal und wir als kleines hauptamtliches Team sind deshalb für die große ehrenamtliche Unterstützung sehr dankbar.“
Ein Teil der Unterstützung läuft im Hintergrund. Nach Rückgaben müssen Bücher wieder einsortiert werden. „Allein für die tägliche Regalordnung engagieren sich zehn Personen bei uns ehrenamtlich. Da kommt fast der Stundenanteil einer halben hauptamtlichen Arbeitsstelle zusammen“, sagt Mertin. Julia Jost, die in der Kinderbücherei Regale ordnet, begründet ihr Engagement so: „Die Entscheidung für ein Ehrenamt in der Stadtbücherei fiel bei mir aus zwei Gründen: Erstens verfüge ich mit meinem Renteneintritt über mehr freie Zeit, die ich gerne sinnvoll nutzen will, und zweitens sinkt die Zahl der Mitarbeiter der Stadtbücherei leider seit Jahren so drastisch, dass meines Erachtens momentan nur durch die Tätigkeit der Ehrenamtlichen die Mitarbeiter unterstützt werden können.“ Ihr Ehemann Willi Jost ordnet im Romanbereich ein und sagt: „Ich habe mich für das Ehrenamt entschieden, weil ich einen Beitrag für die Allgemeinheit und für das Funktionieren unserer Gesellschaft leisten möchte. Und die Stadtbücherei leistet durch ihr großes Angebot an Medien zu den unterschiedlichsten Wissensgebieten einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung neuer Interessen für die Nutzer.“
Leseförderung mit 68 Kinderveranstaltungen
Zur Leseförderung wurden 2025 insgesamt 68 Kinderveranstaltungen angeboten. Den größten Anteil machten Büchereieinführungen für Vorschulkinder und Schulklassen am Vormittag aus. Hinzu kamen 21 Nachmittagsveranstaltungen, die von fünf ehrenamtlichen Helferinnen getragen wurden. Dazu gehörten die „Bücherzwerge“ für kleine Kinder, ein Bilderbuchkino für Kita-Kinder und Vorlesestunden für Grundschulkinder.
Angelika Schultz, deren neunjährige Tochter an den Vorlesestunden teilnahm, berichtet von Geschichten und Bastelaktionen. Sie selbst unterstützt die Bücherei ebenfalls ehrenamtlich und sagt: „Ich selbst bin als ehrenamtliche Helferin für das Einbinden der Bücher mit Schutzfolie zuständig. Dies ist für mich eine kreative Abwechslung, da ich sonst auch nur am Computer arbeite“. Außerdem sagt sie: „Die Stadtbücherei ist schon ab dem Kindergartenalter eine wichtige Einrichtung. So viel Geld für Bücher bleibt heute nicht mehr übrig. Oder alleine die Auswahl an Spielen oder CDs ist ein tolles Angebot. Auch ist die Bücherei ein Ort zum Lernen.“
Mehr Lernplätze für 2026 geplant
Für 2026 kündigt Büchereileiter Mertin an, die Stadtbücherei als Lernort ausbauen zu wollen. Geplant sind zwölf neue Lernplätze. „Vor allem vor den Schulferien und vor dem Abitur stoßen wir mit unserem Platzangebot an unsere Grenzen. Dann werden an den Langener Schulen in allen Unterrichtsfächern Klassenarbeiten geschrieben. In diesen Zeiten bedarf es einiges an Organisation und gegenseitigem Verständnis, damit wir keine Schülergruppen wegen Platzmangels nach Hause schicken müssen“, sagt er. Dagmar Bohnstedt-Bertl, die ehrenamtlich bei den Sachbüchern in der Regalordnung mithilft, beschreibt die Bedeutung der Einrichtung so: „Die Stadtbücherei ist so wichtig, damit Kinder und Jugendliche Freude am Lesen und schulische Informationen bis zum Abitur bekommen. Für die Bildung für Jung und Alt ist es ein Muss für eine Stadt, eine gut geführte Stadtbücherei zu haben.“
Kostenfreie Ausleihe für Kinder, Gebühren ab 18
Kinder und Jugendliche können bis zum 18. Geburtstag Kindermedien kostenlos mit einem eigenen Büchereiausweis ausleihen; erforderlich ist die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten. Ab 18 Jahren erhebt die Stadtbücherei ein Jahresausleihentgelt von 15 Euro.
Die Stadtbücherei befindet sich in der Neuen Stadthalle Langen, Südliche Ringstraße. Geöffnet ist dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 15 Uhr. In der Regel ist die Bücherei am ersten Samstag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet, im April, Mai und Oktober jeweils am zweiten Samstag. Weitere Informationen gibt es unter www.stadtbuecherei-langen.de.
















