Die Stadt Langen steht vor einer massiven finanziellen Schieflage. Für das Jahr 2026 rechnet die Stadt mit einem Defizit von 18,2 Millionen Euro bei Einnahmen von 126 Millionen und Ausgaben von 144,2 Millionen Euro. Ursache seien nicht lokale Fehlentscheidungen, sondern stetig steigende Pflichtaufgaben, die von Bund und Land übertragen würden – ohne ausreichende finanzielle Unterstützung.
„Selbst die Beendigung aller städtischen Angebote einschließlich der gesamten Förderung der vielfältigen sportlichen, kulturellen und sozialen Angebote der Vereine und Organisationen in unserer Stadt könnte nicht ansatzweise einen ausgeglichenen städtischen Haushalt bewirken“, erklärte Bürgermeister Jan Werner bei der Einbringung des Haushaltsplanentwurfs.
Bereits im laufenden Jahr verzeichnet die Stadt ein Minus von 15,5 Millionen Euro. Zwar sei der ursprünglich geplante Fehlbetrag für 2026 durch Einsparungen um rund acht Millionen reduziert worden, doch bleibe die finanzielle Lage angespannt.
Kinderbetreuung als größter Kostenfaktor
Der größte Ausgabeposten ist weiterhin der Kinderbetreuungsbereich. Der Zuschussbedarf habe sich im Vergleich zu 2022 mehr als verdoppelt und liege nun bei 30,3 Millionen Euro. Hinzu kommen ab 2026 steigende Kosten für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen.
„Bemerkenswert sind beispielsweise trotz kräftiger Tarifsteigerungen die nahezu unveränderten Gesamtpersonalkosten in 2026 – und das trotz zusätzlicher sieben Stellen im Kinderbetreuungsbereich“, betonte Werner. Für die kommenden Jahre erwartet die Stadt eine weitere Verschärfung der Haushaltslage – bis hin zu einem Defizit von 37 Millionen Euro im Jahr 2029.
Kritik an mangelnder Finanzierung durch Land und Bund
Der Bürgermeister kritisierte die unzureichende Umsetzung des sogenannten Konnexitätsprinzips („Wer bestellt, der bezahlt“). Obwohl Hessens Ministerpräsident Boris Rhein dieses Prinzip jüngst bekräftigt habe, blieben die Kommunen derzeit auf vielen Kosten sitzen. „Und das geht ganz klar und stark zulasten der städtischen Handlungsfähigkeit“, so Werner.
Auch die steigende Kreis- und Schulumlage belaste den städtischen Haushalt zusätzlich. Die Finanzprobleme des Kreises hätten ebenfalls ihre Ursache in gesetzlich veränderten Rahmenbedingungen.
Kein Spielraum für Steuererhöhungen
Auf der Einnahmenseite belastet eine schwache Wirtschaftsentwicklung die Stadt zusätzlich. Auch die Grundsteuerreform führte in Langen nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – zu einem aufkommensneutralen Ergebnis, sondern zu Einnahmeverlusten.
„Eine Grundsteuererhöhung kommt für mich dennoch nicht in Frage“, betonte Werner. Selbst mit einem sogenannten Nachhaltigkeitsbeitrag, der laut Nachhaltigkeitssatzung bei einem defizitären Haushalt vorgesehen wäre, ließe sich der Haushaltsausgleich nicht erreichen. Dieser würde eine Erhöhung des Grundsteuersatzes um 414 Punkte auf 1.682,77 bedeuten.
Rücklagen bald aufgebraucht
Dank eines Überschusses von 3,7 Millionen Euro im Jahr 2024 konnte die Rücklage auf 28,2 Millionen Euro anwachsen. Damit könne das für 2025 erwartete Defizit noch ausgeglichen werden. Ab 2026 werde die verbleibende Rücklage jedoch nicht mehr ausreichen.
Trotz der prekären Lage lehnt Werner drastische Einschnitte ab: „Langen soll eine lebenswerte Stadt bleiben.“ Die Haushaltsberatungen finden am 18., 19. und 20. November im Rathaus statt. Die Abstimmung ist für den 18. Dezember vorgesehen.
Der interaktive Haushaltsplan 2026 ist auf der Website der Stadt Langen unter www.langen.de im Bereich Rathaus/Bürgerbüro – Finanzen – Haushaltsplan abrufbar.
















