Nach nahezu 50 Jahren in der Langener Stadtverwaltung verabschiedet sich Joachim Kolbe zum 31. Dezember 2025 in den vorzeitigen Ruhestand. Seine Laufbahn begann wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag und führte ihn vom Stenografen über eine Beamtenausbildung bis zum Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport im Rang eines Leitenden Magistratsdirektors.
Früher Einstieg und erste bundesweite Beachtung
Kolbe startete 1977 nach dem Realschulabschluss an der Adolf-Reichwein-Schule im Rathaus an der Südlichen Ringstraße. Ende 1982 übernahm er Aufgaben in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Bereits 1983 erlangte er bundesweite Aufmerksamkeit, als er ein eigenes, datenschutzkonformes Verfahren für die geplante Volkszählung entwickelte. „Darauf bin ich heute noch sehr stolz“, sagte Kolbe dazu.
Stationen zwischen Verwaltung, Kultur und Sport
Anfang 1987 wechselte Kolbe in den Bereich Organisation und EDV und führte die ersten Computer in der Stadtverwaltung ein. Im Januar 1989 übernahm er Kulturangelegenheiten; zu seinen ersten Aufgaben zählte der Umbau des früheren Amtsgerichts zum Kulturhaus Altes Amtsgericht. 1993 wurde er Leiter des Kultur- und Sportamtes. Mit der Verwaltungsreform 2000 folgte die Position des stellvertretenden Fachbereichsleiters für Soziales, Kultur, Bildung und Sport. 2002 wurde Kolbe erster Geschäftsführer der Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH. Seit 2014 leitete er den neu geschaffenen Fachbereich Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport. „Keine übliche Zusammensetzung, die aber richtig gut zusammenpasst und viele, auch spontane ressortübergreifende Projekte ermöglicht“, beschrieb er diese Aufgabe.
Prägende Projekte und Einrichtungen
Mit Kolbes Namen sind zahlreiche Vorhaben in Langen verbunden. Dazu zählen die Neue Stadthalle, die drei Langener Bäder, die Ironman-Veranstaltungen, das Kulturhaus Altes Amtsgericht, die Sammlung zeitgenössischer Glasmalerei, Stadtexperimente wie Obere Bahnstraße, Grüne Mitte und Taunusplatz, das Sportzentrum Nord sowie die im Oktober eröffnete Vier-Felder-Sporthalle im Sportpark Oberlinden. Auch die Sanierung der Stadthalle mit Erweiterung der Stadtbücherei und die Einrichtung des Museums Glas/Werke/Langen gehen maßgeblich auf seine Initiative zurück.
Anerkennung durch Stadtspitze
Bürgermeister Jan Werner würdigte Kolbes Wirken mit klaren Worten: „Er war ein absoluter Glücksfall für unsere Stadt.“ Trotz externer Angebote habe Kolbe stets in Langen bleiben wollen und ausschließlich das Ziel verfolgt, die Stadt voranzubringen. „Die Stadt und ihre Bürger verdanken ihm zahlreiche Errungenschaften, die es ohne Joachim Kolbe nicht oder zumindest nicht so erfolgreich geben würde.“
Kultur, Sport und Wirtschaftsförderung
Im Kulturbereich verantwortete Kolbe rund 100 Ausstellungen im Stadtmuseum Altes Rathaus und etablierte Reihen wie „Edle Klänge“ und „Reginas Gäste“. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Neue Stadthalle zu einem zentralen Veranstaltungsort zwischen Frankfurt und Darmstadt. Im Sportbereich war er an Sanierungsprogrammen und an der Entwicklung von Sportstätten beteiligt; ohne seine Unterstützung gäbe es nach Angaben der Stadt auch die Ironman-Europameisterschaft mit Start am Langener Waldsee nicht. In der Wirtschaftsförderung entwickelte Kolbe das Citymarketing-Konzept mit dem Slogan „So nah. So gut. So Langen.“ sowie begleitende Workshops und Publikationen.
Übergabe an Nachfolger geregelt
Seinen Nachfolger hat Kolbe bereits eingearbeitet. Sebastian Hauf, 33 Jahre alt und zuvor in Groß-Gerau für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing tätig, wird künftig den Fachbereich 4 im Langener Rathaus leiten.
















