Wegen massiv gestiegener Kostenpläne rückt die Stadt Neu-Isenburg von der ursprünglich angedachten großflächigen Erweiterung der Hugenottenhalle ab. Wie der Magistrat mitteilt, belaufen sich die bisherigen Schätzungen für den Umbau auf bis zu 70 Millionen Euro. Um die kommunalen Finanzen nicht zu überlasten, soll nun eine wirtschaftlichere Alternative verfolgt werden, die weitgehend ohne zusätzliche Flächen auskommt. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt am 26. August über diese Kurskorrektur ab.
Fokus liegt künftig auf dem bestehenden Gebäude
Das neue Konzept sieht vor, den baulichen Schwerpunkt auf die bereits vorhandenen Strukturen am Rosenauplatz zu legen. Die Halle soll als Versammlungsort erhalten bleiben und umfassend im Hinblick auf Brandschutz und Technik modernisiert werden. Eine räumliche Ausdehnung des Bauwerks ist laut Magistrat nur noch vorgesehen, falls funktionale, technische oder rechtliche Vorgaben dies zwingend verlangen. Die grundsätzliche Zielsetzung, den Komplex zusammen mit der Bibliothek als zentralen Ort der Begegnung zu etablieren, bleibt von den Einsparungen unberührt. Dabei fließen auch räumliche Veränderungen im Umfeld in die Überlegungen ein: Da die örtliche Musikschule, die Volkshochschule, der VdK sowie die Philharmonische Gesellschaft künftig in die Albert-Schweitzer-Schule und die benachbarte Freizeitvilla ziehen, ergeben sich neue Synergien für das Raumkonzept. Das beauftragte Architekturbüro AFF aus Berlin soll die Pläne auf dieser angepassten Basis weiterentwickeln. Eine endgültige Entscheidung über den Bau fällt erst, wenn die überarbeiteten Kosten und mögliche Fördergelder feststehen.
Veranstaltungsbetrieb in der Halle endet Anfang 2027
Der reguläre Veranstaltungsbetrieb in der Hugenottenhalle wird noch bis Ende Februar 2027 aufrechterhalten. Für den Zeitraum danach schließt die Stadt keine neuen Verträge mehr ab. Auch das Pachtverhältnis für die integrierte Gastronomie läuft zu diesem Zeitpunkt aus. Lediglich die Stadtbibliothek soll nach dem derzeitigen Stand der Planungen weiterhin im Gebäude verbleiben. Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein verteidigt das angepasste Vorgehen in Anbetracht der Kosten: „Wir wollen das kulturelle Leben in Neu-Isenburg fördern und die Hugenottenhalle und die Stadtbibliothek an ihrem Standort zu einem Dritten Ort, einem sozialen Raum der Begegnung, erweitern. Das steht nicht in Frage und daran wollen wir festhalten. Gleichzeitig müssen wir angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen genau prüfen, welche Lösungen dauerhaft tragfähig sind. Mit dem neuen Vorschlag des Magistrats wollen wir jetzt eine politische Entscheidung ermöglichen.“
Gewerbeimmobilie soll als Übergangsquartier für Kulturveranstaltungen dienen
Um das kulturelle Angebot während der Sanierungsphase nicht unterbrechen zu müssen, diskutiert die Politik bereits seit zwei Jahren über ein Ausweichquartier. Von ehemals fünf geprüften Konzepten legt der Magistrat den Parlamentariern nun zwei Varianten zur finalen Abstimmung vor. Eine Lösung mit Leichtbauhallen oder Zelten wurde aufgrund hoher Kosten, zusätzlicher Betriebsrisiken und technischer Hürden verworfen. Stattdessen favorisiert die Verwaltung den temporären Umzug in ein leerstehendes Gewerbeobjekt im Gewerbegebiet Süd. Hierfür müssen im Vorfeld jedoch noch Brandschutzauflagen, Betriebskosten und detaillierte Vertragsbedingungen mit dem Eigentümer geklärt werden. Erst nach dieser Prüfung soll ein konkreter Mietvertrag ausgearbeitet werden. „Sobald ein Beschluss gefasst wurde, kann die Planung vertieft werden. Wir wollen trotz des Umbaus einen kontinuierlichen Kulturbetrieb ohne längere Unterbrechungen, vom Abschiedsjahr der Hugenottenhalle über die Interimszeit bis zur Eröffnung des neuen Kultur- und Bildungszentrums, sicherstellen“, ordnet Bürgermeister Hagelstein das weitere Vorgehen ein.
















