Die international renommierte Opernsängerin und Neu-Isenburger Ehrenbürgerin Anny Schlemm ist tot. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, verstarb die Kammersängerin am 20. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Graz. Die Künstlerin, die auf eine annähernd sechzigjährige Bühnenpräsenz zurückblicken konnte, blieb ihrer Geburtsstadt zeitlebens eng verbunden.
Weltweite Karriere mit starken Wurzeln in der Heimatstadt
Am 22. Februar 1929 in der Neu-Isenburger Eigenheimstraße geboren, zeigte sich das stimmliche Talent der Künstlerin bereits früh. In ihrer Kindheit sang sie so lautstark in den Straßen, dass ihr die Nachbarschaft den Spitznamen „die Krischern aus de Herdegass“ verlieh. Ihr Vater, der Friseur Friedrich Schlemm, kam durch den Tenor Franz Völker zum professionellen Gesang. Dieser Umstand prägte auch den Werdegang seiner Tochter maßgeblich, die dazu einst anmerkte: „Wenn Franz Völker meinen Vater nicht zum Singen verleitet hätte, wäre ich heute Friseuse.“. Nach einem familiären Umzug nach Halle an der Saale im Jahr 1941 studierte sie dort Gesang. Ihr professionelles Debüt feierte sie 1946 im Alter von 17 Jahren am örtlichen Landestheater.
Von der Frankfurter Oper auf die internationalen Bühnen
Über Stationen in Berlin und Köln gelangte die Sängerin im Jahr 1952 als festes Ensemblemitglied an die Oper Frankfurt. Von dort aus entwickelte sich eine Laufbahn, die sie unter anderem nach Paris, London, Rom, San Francisco sowie zu den Bayreuther Festspielen führte. Im Laufe ihrer Karriere wandelte sich ihre Stimme vom lyrischen Sopran bis hin zum dramatischen Alt. Dabei stand sie mit Kollegen wie Plácido Domingo oder José Carreras auf der Bühne und verkörperte insgesamt über 135 verschiedene Partien. Besonders prägend war die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin, wo sie in Jacques Offenbachs „Ritter Blaubart“ mehr als 275 Mal die Rolle der Boulotte sang. Im April 2003 verabschiedete sie sich im Alter von 74 Jahren in Frankfurt endgültig von der Bühne.
Die Stadt ehrt eine herausragende Persönlichkeit
Die Kommune Neu-Isenburg ehrte die Künstlerin in der Vergangenheit vielfach. Neben der Verleihung der Großen Ehrenplakette im Jahr 1996 wurde ihr 1999 die Ehrenbürgerwürde zuteil. Zudem trägt seit 2018 eine Straße im Neubaugebiet Birkengewann ihren Namen. Auch musikalisch hält die Stadt das Andenken lebendig, unter anderem mit dem 2009 gestifteten Anny-Schlemm-Preis. Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein und Erster Stadtrat Stefan Schmitt würdigen die Verstorbene mit den Worten: „Die Nachricht vom Tod Anny Schlemms erfüllt uns mit großer Trauer. Sie war eine außergewöhnliche Künstlerin, die auf den großen Bühnen der Welt zu Hause war und dabei ihre Neu-Isenburger Wurzeln nie vergessen hat. Mit ihrer Stimme, ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer unverwechselbaren Persönlichkeit hat sie Generationen von Opernfreunden begeistert. Für unsere Stadt war und bleibt es eine große Ehre, dass Anny Schlemm eine Neu-Isenburgerin war. Ihr Name gehört zur Geschichte unserer Stadt. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden. Wir werden Anny Schlemm, ihr beeindruckendes Talent und ihr Lebenswerk immer in sehr guter Erinnerung behalten“. Ihr umfassender musikalischer Nachlass wird im Neu-Isenburger Stadtmuseum „Haus zum Löwen“ erhalten.
















