Vier Wochen nach der Aufstellung temporärer Stadtmöbel entlang der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg hat die Stadtverwaltung eine erste, überwiegend positive Zwischenbilanz gezogen. Die insgesamt 14 Installationen, zu denen unter anderem bepflanzte Parklets, Stadtterrassen und zusätzliche Fahrradabstellanlagen gehören, stehen den Bürgerinnen und Bürgern noch bis zum 31. Oktober 2026 als öffentliche Sitz- und Aufenthaltsflächen zur Verfügung. Während zahlreiche Passanten und anliegende Gewerbetreibende die neu geschaffenen Begegnungsorte als Bereicherung empfinden, werden aus der Bevölkerung auch kritische Punkte wie fehlender Sonnenschutz und der Wegfall von Stellplätzen angemerkt.
Testlauf für mehr Lebensqualität im Zentrum
Das Projekt basiert auf einer Bürgerbefragung aus dem Jahr 2025 zu den beliebten und weniger geschätzten Orten im Stadtgebiet, bei der ein Mangel an Sitzgelegenheiten, Begrünung und ansprechenden Aufenthaltsbereichen entlang der Frankfurter Straße festgestellt worden war. Das Land Hessen und die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen stellen die Elemente der Kommune im Rahmen des Programms „Straßen neu entdecken“ kostenfrei zur Verfügung. Innerhalb des Fördergebiets wird mit dem Versuch erprobt, wie sich eine zeitweise Umwidmung von Parkflächen auf die Atmosphäre der Einkaufsstraße auswirkt, auf der zur Unterstützung der Verkehrssicherheit mittlerweile ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde gilt. Die Verwaltung nutzt den Aufbau als praktisches Stadtlabor, um vor einer möglichen dauerhaften Umgestaltung die Annahme durch die Bevölkerung im Alltag zu testen.
Geschäftsleute und Passanten loben die neuen Sitzbänke
Nach Angaben der Stadt nutzen vor allem ältere Menschen, Personen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Familien mit Kindern die bunten Sitzmöbel für kurze Ruhepausen im Alltag. Auch der Einzelhandel und die Gastronomie entlang der Meile registrieren einen Mehrwert durch die Installationen, die das Straßenbild optisch aufwerten und den Austausch unter den Menschen fördern. Insbesondere während der jüngsten Musikveranstaltung „Open Doors“ dienten die Elemente vor dem Sport- und Bekleidungsgeschäft Panorama zahlreichen Besucherinnen und Besuchern als Treffpunkt, während auch die Kundschaft der Buchhandlung Buch 78 die neuen Flächen gut annimmt.
Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein ordnet die bisherigen Rückmeldungen aus der Bevölkerung wie folgt ein: „Die ersten Reaktionen zeigen, dass viele Bürgerinnen und Bürger die neuen Aufenthaltsmöglichkeiten offen und positiv aufnehmen. Zugleich erhalten wir konkrete Hinweise dazu, was noch verbessert werden kann. Genau dafür ist dieser Testlauf da: Wir möchten gemeinsam herausfinden, welche Maßnahmen die Frankfurter Straße attraktiver und lebenswerter machen können. Ich lade daher alle Bürgerinnen und Bürger ein, die Stadtmöbel zu nutzen und uns ihre Erfahrungen mitzuteilen.“ Auch aus dem Einzelhandel kommt Unterstützung für den Versuch. Ein Vertreter der Geschäftsführung des Feinkostladens Kümmerle Käse & Genuss lobt die strategische Platzierung der Möbel, äußert sich jedoch auch zu den Vorbehalten einiger Kunden: „Ich finde es schade, dass die Leute nicht verstehen, dass das eine kostenlose Möglichkeit ist und man sie einfach mal ausprobieren sollte.“
Fehlender Schatten und weggefallene Parkplätze sorgen für Kritik
Schwere Beschädigungen oder Vandalismus an den Modulen blieben bislang aus, allerdings registrierte die Verwaltung eine vermehrte Verschmutzung durch Kleinabfälle und Zigarettenkippen. Bei einer möglichen dauerhaften Umsetzung soll daher die direkte Integration von Abfallbehältern und Aschenbechern geprüft werden. Den größten Kritikpunkt aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger sowie von Seiten der Kundschaft bildet der Entfall von insgesamt fünf Parkplätzen, die für den Projektzeitraum als Aufenthaltsflächen umgenutzt wurden. Die Stadtverwaltung verweist in diesem Zusammenhang auf alternative und fußläufig erreichbare Abstellmöglichkeiten auf dem kostenfreien Wilhelmsplatz sowie in den Parkhäusern in der Ludwigstraße, der Richard-Wagner-Straße, am Isenburg-Zentrum und an der Ecke Luisenstraße und Adolf-Bauer-Straße.
Ein weiteres Problem zeigt sich an sehr heißen Tagen, da die Konstruktionen über keinerlei Verschattung verfügen und ein zusätzlicher Sonnenschutz die Nutzbarkeit der Bänke erheblich steigern würde. Zudem bemängeln Nutzer die eingeschränkte Barrierefreiheit an einigen Stadtterrassen, die für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder mit Kinderwagen nur schwer zugänglich sind; hier könnten kleine Rampen künftig Abhilfe schaffen.
Auswertung der Ergebnisse fließt in künftige Planungen ein
Die Stadtverwaltung kündigte an, sämtliche Anregungen und Beschwerden detailliert auszuwerten und an die Projektverantwortlichen weiterzuleiten, um künftige Angebote barrierefrei und alltagstauglich zu gestalten. Warum ein solcher Praxistest unumgänglich ist, erläutert Citymanagerin Ingeborg-Maria Lang: „Ob eine Idee im Alltag funktioniert, lässt sich nicht allein am Schreibtisch beurteilen. Wenn wir neue Angebote nicht im realen Stadtraum ausprobieren, bleibt am Ende nur ein Bauchgefühl. Der Testlauf zeigt uns, wie die Stadtmöbel von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen werden, welche Standorte dafür funktionieren könnten“. Noch bis Ende Oktober haben die Einwohner von Neu-Isenburg die Möglichkeit, die Stadtmöbel im Alltag zu testen und dem Rathaus ihre persönlichen Eindrücke und Bewertungen mitzuteilen.
















