Die Stadtverordnetenversammlung in Obertshausen hat einen Kurswechsel für die Entwicklung des ehemaligen YMOS-Geländes beschlossen. Statt des bislang angedachten Wohn- und Gewerbequartiers soll auf der rund 50.300 Quadratmeter großen Industriebrache nun die Ansiedlung eines Rechenzentrums geprüft werden. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fasste das Parlament mehrheitlich in seiner jüngsten Sitzung und hob gleichzeitig die alten Planungen aus dem Jahr 2018 auf. Als bevorzugter Investor der Gläubigerversammlung tritt dabei das Unternehmen Amazon Web Services in Erscheinung.
Hohe Sanierungskosten stoppen ursprüngliche Pläne für Wohnungsbau
Das Areal des 1999 geschlossenen und später insolventen Unternehmens liegt seit Jahrzehnten brach. Einer Neunutzung stand bislang vor allem die massive Verunreinigung des Bodens mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen im Weg. Das Konzept aus dem Jahr 2018, dort eine Mischung aus Wohnraum, Einzelhandel und Dienstleistungen zu etablieren, scheiterte laut dem zuständigen Insolvenzverwalter Götz Lautenbach an der aufwendigen und teuren Altlastensanierung. Bei einem erneuten, offenen Bieterverfahren setzten sich schließlich Anbieter aus der Rechenzentrums-Branche durch. Mit dem aktuellen Votum beauftragt die Obertshausener Politik den Magistrat nun offiziell, die städtebaulichen Rahmenbedingungen für eine rein gewerbliche Nutzung des Grundstücks zu erarbeiten.
Vorprüfung und Übernahme der anfallenden Kosten durch den Investor
Im nächsten Schritt soll die Stadtverwaltung einen städtebaulichen Vertrag mit dem möglichen Investor abschließen. Dieses Papier soll garantieren, dass der Projektentwickler sämtliche anfallenden Kosten für Gutachten, Planungen sowie die notwendige Bodensanierung vollständig übernimmt. Darüber hinaus stimmten die Parlamentarier einer weitreichenden Vorprüfung des Vorhabens zu. Diese Untersuchung soll den städtischen Gremien frühzeitig aufzeigen, welche konkreten Auswirkungen ein Rechenzentrum an diesem Standort auf die lokale Stromversorgung, den Wasserbedarf, das Verkehrsaufkommen und die Abwärmeentwicklung hätte.
Keine finale Entscheidung ohne eine vorherige Bürgerbeteiligung
Die politischen Verantwortlichen betonen nachdrücklich, dass der Grundsatzbeschluss noch keine Baugenehmigung für das Rechenzentrum darstellt. Um den Prozess zu überwachen, richtet die Stadt ein Begleitgremium ein, dem Vertreter aller Fraktionen angehören. Zudem sind der Insolvenzverwalter und der Investor dazu verpflichtet, die Bevölkerung im Rahmen einer Informationsveranstaltung in die Pläne einzubinden. Bürgermeister Manuel Friedrich ordnet den Verfahrensstand entsprechend ein: „Eine sorgfältige Prüfung, größtmögliche Transparenz und die frühzeitige Information der Öffentlichkeit sind für uns zentrale Voraussetzungen für den weiteren Prozess.“ Der Rathauschef ergänzte, dass die Stadtverordnetenversammlung bewusst noch keine finale Entscheidung über die Nutzung getroffen habe. Zunächst wolle man alle notwendigen Gutachten abwarten, um später auf einer verlässlichen Basis abstimmen zu können. Erst nach der Bürgerinformation und der Vorprüfung könnte die Politik ein formelles Bauleitplanverfahren einleiten.
















