Die Stadt Offenbach steuert in diesem Jahr auf ein neues Allzeithoch bei der Gewerbesteuer zu. Bis Ende Juli konnten rund 133 Millionen Euro festgesetzt werden – so viel wie nie zuvor in der Geschichte der Stadt. Das bisherige Rekordjahr 2023 lag bei 122,4 Millionen Euro. „Das aktuelle Allzeithoch bei der Gewerbesteuer ist eine erfreuliche Entwicklung für die Stadt, die auf der anderen Seite aber auch immer höhere Ausgaben stemmen muss“, erklärte Stadtkämmerer Martin Wilhelm.
Einnahmen schwanken stark
Die Gewerbesteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt, unterliegt aber erheblichen Schwankungen. Zum Vergleich: 2022 lagen die Einnahmen bei 75,6 Millionen Euro, 2021 bei 85,2 Millionen Euro, 2020 sogar nur bei 52,7 Millionen Euro. Ein wesentlicher Grund für das hohe Ergebnis 2024 sind laut Wilhelm Nachzahlungen aus Altjahren in Höhe von 42,7 Millionen Euro sowie ein einmaliger Effekt von 10 Millionen Euro. „Dies zeigt, wieso eine Gewerbesteuerprognose so schwierig ist“, betonte der Kämmerer.
Abhängigkeit vom Finanzausgleich
Trotz der Rekordsumme bleibt die Stadt weiterhin auf Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich (KFA) angewiesen. „Als Beispiel: Wenn wir einen Euro Gewerbesteuer dazugewinnen, verlieren wir circa 70 Cent an KFA-Mitteln“, so Wilhelm. Zwar helfe der Fokus auf Neuansiedlungen und höhere Gewerbesteuern langfristig, die finanzielle Basis zu stärken, kurzfristig würden die Effekte aber durch geringere KFA-Zuweisungen teilweise abgeschwächt.
Steigende Ausgaben belasten Haushalt
Die Einnahmenentwicklung steht wachsenden Ausgaben gegenüber. Gründe sind unter anderem Inflation, steigende Zinsen und höhere Personalkosten. Hinzu kommen hohe Investitionen in Schulen, Kitas und die Ganztagsbetreuung. „Trotz Rekordsummen bei der Gewerbesteuer bleibt die finanzielle Gesamtlage deshalb extrem angespannt“, sagte Wilhelm. Besonders im Sozialbereich seien die Belastungen weiter hoch.
Appell an Bund und Land
Wilhelm verwies auf den „Kommunalen Finanzreport 2025“ der Bertelsmann-Stiftung, der für Hessen das höchste Pro-Kopf-Defizit im bundesweiten Vergleich ausweist. Er forderte Bund und Land auf, Kommunen stärker zu entlasten: „Wir brauchen weiterhin dringend eine Änderung des Systems für eine nachhaltige Entlastung, etwa durch eine faire Altschuldenregelung und eine Reform des kommunalen Finanzausgleichs.“














