Der Umbau des Offenbacher Rathaus-Pavillons wird deutlich teurer als ursprünglich geplant. Nach einem monatelangen Baustopp muss die Stadtverordnetenversammlung am 27. August über zusätzliche Mittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro entscheiden. Stimmt das Parlament zu, steigen die Gesamtkosten für das Gebäude auf rund 5,5 Millionen Euro.
Versteckte Gebäudeschäden führten zu einem vorläufigen Baustopp
Das Vorhaben, das als Baustein für die Aufwertung der Offenbacher Innenstadt gilt, war zunächst mit einem Budget von 3,8 Millionen Euro kalkuliert worden. Im Herbst des vergangenen Jahres zeigten sich jedoch unvorhergesehene Mängel an der Bausubstanz. Gepaart mit allgemeinen Preissteigerungen in der Baubranche sowie Problemen im Ablauf führten diese Entwicklungen im Januar 2026 zu einem vorläufigen Stopp der Arbeiten. Daraufhin ließ die Stadtverwaltung verschiedene Handlungsoptionen kalkulieren. Die Berechnungen ergaben, dass selbst ein vollständiger Abriss der Bauruine Kosten in Höhe von gut 4,26 Millionen Euro verursachen würde. Eine im März vorgestellte reduzierte Ausbauvariante lag bei 4,65 Millionen Euro. Letztlich empfiehlt der Magistrat nun die Fertigstellung für exakt 5,501 Millionen Euro.
Oberbürgermeister rechtfertigt die enormen finanziellen Belastungen
Angesichts dieser Zahlenverteilung wirbt Oberbürgermeister Felix Schwenke für die Fortführung des Projekts. „Niemand freut sich über Mehrkosten bei einem Bauprojekt. Die entscheidende Frage lautet aber: Was ist heute die vernünftigste Lösung? Nach intensiver Prüfung spricht vieles dafür, den Rathaus-Pavillon fertigzustellen. Ein Abriss würde ebenfalls Millionen kosten – allerdings ohne einen zusätzlichen Nutzen für unsere Innenstadt. Mit dem Weiterbau investieren wir dagegen in einen Ort, der dauerhaft Leben, Begegnung und neue Angebote in die Mitte unserer Stadt bringt. Und eines dürfte völlig klar sein: ohne öffentliche Investitionen wird die Innenstadt nicht stabilisiert werden können“, erklärt der Rathauschef. Zu der Kostenentwicklung räumt Schwenke ein: „Mehrkosten sind nicht schön und deshalb reden wir sie auch nicht schön. Das können Bürgerinnen und Bürger von uns erwarten. Und sie können darauf vertrauen, dass wir dann alles dafür tun, die Kosten wieder in den Griff zu bekommen“.
Verkleinerter Küchenbereich soll Platz für Veranstaltungen schaffen
Um das Vorhaben baulich umzusetzen, hat die Verwaltung das Nutzungskonzept überarbeitet. Die Pläne sehen einen Raum für Gastronomie, gesellschaftliches Engagement und Kultur vor. Zugunsten eines weiteren Veranstaltungsraums wird die ursprünglich angedachte Küchenfläche verkleinert. Den Mittelpunkt soll künftig ein Gastraum mit einer zentralen Theke bilden. Božica Niermann, die Leiterin des Amts für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, kündigt an, dass ein externer Betreiber gesucht werde. „Der Rathaus-Pavillon soll ein Ort werden, der wirtschaftlich tragfähig ist und gleichzeitig einen echten Mehrwert für die Innenstadt schafft. Deshalb suchen wir einen Betreiber oder eine Betreiberin, der Gastronomie mit einem attraktiven Veranstaltungs- und Nutzungskonzept verbindet. Nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wird die Betreibersuche mit dem erforderlichen zeitlichen Vorlauf über die Agentur Mitte gestartet“, so Niermann.
Befürworter betonen die Bedeutung für die Offenbacher Innenstadt
Unterstützung für den Kurs des Magistrats kommt von der lokalen Initiative Offenbach offensiv. Deren Geschäftsführer Frank Achenbach bezeichnet das Vorhaben weiterhin als zentrales Projekt für die Zukunft der City. Er nennt die Verzögerungen und finanziellen Mehrbelastungen zwar zweifellos schmerzhaft, jedoch habe die zwischenzeitliche Nutzung des Areals gezeigt, welches Potenzial dort vorhanden sei. Aktuell fehle im Kernbereich der Innenstadt eine vergleichbare Qualität. Sollte die Stadtverordnetenversammlung der Beschlussvorlage am kommenden Donnerstag zustimmen, plant die Stadt Offenbach die bauliche Fertigstellung des Gebäudes für den Juli im Jahr 2028. Dieser Termin beinhaltet nach Behördenangaben bereits einen zeitlichen Puffer.
















