Wissenschaftler aus Unterfranken haben in der Offenbacher Puteauxpromenade das Nest einer Asiatischen Hornisse gesichert und für Forschungszwecke abtransportiert. Die Mitarbeiter des Instituts für Bienenkunde und Imkerei aus Veitshöchheim bei Würzburg wollen das Verhalten der invasiven Art künftig unter kontrollierten Bedingungen untersuchen. Das übergeordnete Ziel der Forschungseinrichtung ist es, wirksame Schutzmaßnahmen für heimische Honigbienen zu entwickeln.
Einsatz in speziellen Schutzanzügen am Heckenrand
Für die Beseitigung des Nestes in der Puteauxpromenade benötigten die Fachleute etwa eine halbe Stunde. Ausgestattet mit spezieller Schutzkleidung saugten sie die erwachsenen Exemplare der Gattung Vespa velutina mit einem Absauggerät in eine Box. Anschließend verpackte das Team das Nest mitsamt den darin enthaltenen Brutwaben. Das Institut begründet die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen mit den biologischen Besonderheiten der invasiven Art. Die Asiatische Hornisse verfügt über einen etwas längeren Stachel als die heimischen Insekten. Zudem reagieren die Tiere äußerst aggressiv und stechen schnell zu, sobald sich Menschen dem Nest auch nur unabsichtlich nähern.
Da die invasive Art im Gegensatz zu den heimischen Hornissen nicht streng geschützt ist, darf ein solches Nest ohne vorherige Genehmigung durch die Naturschutzbehörden entfernt werden. Auch der Stadtservice der Stadtwerke Offenbach ist regulär darum bemüht, eine weitere Ausbreitung der Insekten im Stadtgebiet einzudämmen.
Fehlende Forschungsobjekte in Bayern als Grund für die Anreise
Dass die Experten für den Einsatz aus dem benachbarten Bundesland nach Hessen reisten, liegt an einer mangelnden Entwicklung entsprechender Nester in Bayern im aktuellen Jahr. Dr. Ronald Jäger, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem Bieneninstitut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau tätig ist, erklärt das Vorgehen der Einrichtung: „Wir haben die meist ehrenamtlichen Hornissenberaterinnen und -berater in Bayern und Südhessen informiert, dass wir auf der Suche nach solchen Nestern sind“. In Offenbach war der Mühlheimer Hornissenberater Christian Engel vom Stadtservice für die anstehende Beseitigung hinzugezogen worden. Daraufhin stellte dieser den Kontakt her, wie Jäger ausführt: „und der Kollege Christian Engel, der vom Stadtservice der Stadtwerke Offenbach zur Nestbeseitigung geholt wurde, hat uns angerufen.“
Gemeinsam mit seiner Kollegin Maike Kümmerle und der Unterstützung von Engel sicherte Jäger das Nest in Offenbach, das sich ein bis zwei Meter über dem Boden in einer Hecke befand. Bei dem Fund handelte es sich um ein Primärnest, das nach der Überwinterung allein von der Königin angelegt wird und in dem mehrere hundert Insekten leben können. Erst im späteren Jahresverlauf ab August errichten die Tiere dann deutlich größere Sekundärnester in den Baumkronen.
Kontrollierte Beobachtung soll heimische Bienenpopulationen schützen
Am Standort des Forschungsinstituts in Veitshöchheim wurde das aus Offenbach mitgebrachte Nest in einer Anlage platziert, in der die Population nun ohne öffentlichen Kontakt weiter wachsen soll. Dort befinden sich aktuell drei weitere Nester der invasiven Art. Das wissenschaftliche Interesse konzentriert sich vorrangig auf das Jagdverhalten der Asiatischen Hornisse, da heimische Bienen bei diesen Insekten als Beute sehr weit oben stehen. Der Experte verdeutlicht die Gefahr: „In der Imkerei kann die Asiatische Hornisse zu einem Problem werden“.
Um Erkenntnisse für zukünftige Schutzkonzepte zu gewinnen, lassen die Forscher die Hornissen unter genauer Beobachtung zu Beutezügen an angeschlossene Bienenvölker fliegen. Zu den Hintergründen des Vorhabens sagt Ronald Jäger abschließend: „Noch kennen wir die Art nicht besonders gut. Deshalb sammeln wir gut entwickelte Primärnester ein, um die Tiere zu erforschen und herauszufinden, welche Schäden sie am Bestand der Honigbienen auslösen können“.
















