Zwölf Offenbacherinnen und Offenbacher sind am Mittwoch, 14. Januar, im Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses mit der Bürgermedaille der Stadt Offenbach in Bronze geehrt worden. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke hatte die Gruppe eingeladen; ausgewählt worden waren die Geehrten von der Ehrungskommission in der laufenden Wahlperiode und standen noch zur Auszeichnung an.
Schwenke würdigte das Engagement der Ausgezeichneten mit den Worten: „Sie haben ein Stück von sich verschenkt“, und weiter: „Sie haben sich nicht in den Mittelpunkt gestellt, sondern sich für andere engagiert, und das ehrenamtlich.“ Er bezeichnete sie als „Vorbilder“, die „selbst handeln, selbst anpacken und einen eigenen Beitrag leisten.“ Außerdem dankte er den „Bessermachern, die zeigen, wie man Gemeinschaft stärkt“.
Ehepaar Breitenbach seit Jahrzehnten aktiv
Erika und Kurt Breitenbach wurden für ihr langjähriges gemeinsames Engagement im gesellschaftlichen und kulturellen Leben ausgezeichnet. Sie gründeten 2001 die Initiative „Waldhof-aktiv“ mit Angeboten für das nachbarschaftliche Miteinander im Stadtteil Bieber-Waldhof; daraus entwickelten sich unter anderem Frauenfrühstücke und Männer-Koch-Kurse. Ein weiterer Schwerpunkt war der Rad- und Motorsportverein Soli Fechenheim: Kurt Breitenbach trat 1953 ein, ist seit 1981 erster Vorsitzender und initiierte mehrere Abteilungen, darunter Motorsport, Theater/Jugend, Modellbau und die Wohnmobilabteilung „Soli-Elche“. Erika Breitenbach setzte sich besonders für generationsübergreifende Projekte ein, etwa Theateraufführungen in Seniorenheimen mit Jugendlichen. Außerdem organisierte das Ehepaar Weihnachtsfeiern für ältere Menschen und internationale Jugendbegegnungen. Kurt Breitenbach war zudem in Gremien der Solidaritätsjugend, als Delegierter im Frankfurter Jugendring sowie im Arbeitskreis der Fechenheimer Vereine und im Sportausschuss aktiv und organisierte Benefizaktionen zugunsten von Projekten wie „Rollstühle für den Libanon“. Genannt wurden auch ihre Beteiligungen an Bürgerinitiativen wie „Rettet den Wald am Waldhof“ und „Turnhalle in Waldhof“.
Von der Jugendfastnacht zur Vereinsarbeit
Egbert Färber wurde für ein über Jahrzehnte gewachsenes Engagement in Bieber und darüber hinaus geehrt. Es begann als Sternsinger und setzte sich in der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus sowie in der Katholischen Jugend Bieber fort. Bei der Jugendfastnacht war er als Büttenredner tätig und übernahm ab 1983 die Rolle des Sitzungspräsidenten; 1984 erhielt er das Großkreuz der Katholischen Jugend. Ein zentrales Ehrenamt ist sein Vorsitz im Bieberer Heimatverein, den er seit 2012 führt. Genannt wurden die Organisation von Traditionsveranstaltungen wie dem Bieberer Fastnachtszug und die Pflege lokaler Symbole wie des Bieberer Amuletts. Zudem ist Färber Kuratoriumsmitglied der Dr.-Alfred-und-Dr.-Gunhild-Kurt-Stiftung. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren politisch aktiv und setzt sich nach Darstellung der Stadt seit 1974 für die Interessen seines Stadtteils und kommunalpolitische Belange ein. Schwenke sagte dazu: „Wenn es schon kein Bieberer Rathaus mehr gibt, so hat Dich Deine politische Arbeit aber zumindest ins Offenbacher Rathaus geführt“.
Medizinisches Engagement über Jahrzehnte
Dr. Rainer Gareis wurde für ehrenamtliche Tätigkeiten im medizinischen Bereich ausgezeichnet. Er übernahm nach seinem Medizinstudium und einem Aufenthalt in Neuseeland eine Arztpraxis in Bieber und betreute nach Darstellung der Stadt über 30 Jahre lang ehrenamtlich die Fußballmannschaften von Germania Bieber. 1987 initiierte er eine der ersten Herzsportgruppen der Region. Zudem engagierte er sich über mehr als 20 Jahre in der kostenlosen medizinischen Versorgung obdachloser Menschen; 2004 erhielt die medizinische Ambulanz für Wohnsitzlose in der Teestube in der Gerberstraße den Ferdinand-Kallab-Preis, Gareis gehörte zur ausgezeichneten Gruppe. Auch nach der Aufgabe der Praxis setzte er sein Engagement als „rollender Hausarzt“ fort und übernahm später die Aufgabe als Patientenfürsprecher. Schwenke fasste dies so zusammen: „Dein Engagement ist geprägt davon, Deine medizinische Kompetenz anderen ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, ob Alt oder Arm, stets mit einem tiefen menschlichen Verantwortungsgefühl“.
Wochenmarkt, Orchester und Rosenmontag
Petra Heckelmann ist seit 58 Jahren im Konzertorchester Offenbach aktiv und war davon 50 Jahre im Vorstand. Genannt wurde außerdem ihre Funktion als Koordinationsoffizierin von Lederanien; seit 2000 steht sie als „Kommandeuse“ dem Rosenmontagsfasching vor und koordiniert Helferinnen und Helfer. Seit 2013 hat sie den Vorsitz des Vereins der Marktbeschicker des Offenbacher Wochenmarkts übernommen, den sie nach Darstellung der Stadt vor der Auflösung bewahrte. Oberbürgermeister Schwenke beschrieb Heckelmann „als jemanden, der immer ein extrem klares Wort spricht, der auch deutliche Forderungen stellt, als jemanden, der deshalb in meiner Verwaltung richtiggehend gefürchtet war.“ Zugleich sagte er: „du ein einzigartiger Glücksfall für die Stadt und den Markt bist. Meine klare Ansage an die Verwaltung war: Nehmt Petra Heckelmann ernst und sorgt dafür, dass sie nie mit berechtigten Beschwerden zu mir kommen muss.“
Kommunalpolitik und Arbeitskreis Waldhof
Peter Janat wurde sowohl für seine kommunalpolitische Arbeit als auch für sein langjähriges Engagement im Stadtteil Waldhof geehrt. Schwenke verwies in seiner Ansprache auf eine persönliche Anekdote und darauf, dass Janat ihn im Jahr 2000 ermutigt habe, Stadtverordneter zu werden. Janat selbst war über 19 Jahre lang Stadtverordneter und setzte nach Darstellung der Stadt Schwerpunkte im Baubereich; genannt wurden Projekte wie der Bau des „Ostpols“ und das heutige Kickers-Stadion. Zudem engagierte er sich gegen Fluglärm. Als zentrales Ehrenamt wird sein Einsatz im Arbeitskreis Waldhof beschrieben, dem er seit mehr als 35 Jahren angehört. Als herausragender Erfolg wird der Bau der Turnhalle in Waldhof genannt, den er „gegen viele Widerstände“ durchgesetzt habe.
Schule als Schwerpunkt des Ehrenamts
Detlef Kohsow wurde für ehrenamtliche Arbeit im Umfeld von Schulen und Elternvertretungen ausgezeichnet. Er half 1995 beim Aufbau des Förderkreises an der Goetheschule, unter anderem mit dem Ziel, dass Klassenräume Rollos erhielten. Später übernahm er den Vorsitz des Förderkreises der Leibnizschule und rief dort die Jazz-Matinee ins Leben, die im Hof des Büsing-Palais stattfand. Dabei ging es nach Darstellung der Stadt besonders um die Zusammenarbeit mit der Fröbelschule; Kohsow organisierte Projekte, die Begegnungen zwischen Kindern „mit besonderem Unterstützungsbedarf“ und Kindern der Leibnizschule ermöglichten. Auch nach dem Ende der Jazz-Matinee sei die Kooperation zwischen Leibnizschule und Fröbelschule bestehen geblieben und dauere seit 37 Jahren an.
Engagement zwischen Gemeinde und Volkshochschule
Manju Kumar wurde für ihr langjähriges Wirken in Offenbach und ihr Engagement an der Volkshochschule ausgezeichnet. Sie trat 1986 der Evangelischen Lauterborngemeinde bei und ist dort bis heute unter anderem in einer Töpfergruppe aktiv; Erlöse aus dem Verkauf der Produkte auf Märkten und Veranstaltungen unterstützt nach Darstellung der Stadt medizinische Hilfe in ländlichen Gebieten rund um Neu-Delhi. Seit 1994 ist Kumar Dozentin an der Volkshochschule Offenbach. Seit 2006 ist sie gewählte Interessenvertreterin der freiberuflichen Dozentinnen und Dozenten der VHS, zunächst im Beirat, seit 2022 in der VHS-Kommission. In dieser Funktion führt sie Gespräche und Sprechstunden, stimmt sich mit Leitungsebenen ab und organisiert Versammlungen; sie nimmt zudem an Fachkonferenzen und Fortbildungen teil.
Benefizkonzerte in der Marienkirche
Hiromi Mori wurde für ein Engagement im kulturellen und sozialen Bereich ausgezeichnet. Die ausgebildete Sängerin an der Frankfurter Oper fand 1999 in Offenbach eine neue Heimat. 2001 sang sie erstmals bei einem Benefizkonzert für „Essen und Wärme“ und übernahm ab 2003 die Organisation. 2008 folgte die Gründung der „Academia Sancta Maria Offenbach“ (ASMO); das erste Konzert fand am 25. Januar 2009 statt. Seitdem gab es nach Darstellung der Stadt mehr als 100 Konzerte, darunter rund 40 Benefizkonzerte zugunsten von „Essen und Wärme“, der Ökumenischen Hospizbewegung und des Evangelischen Frauenvereins. Genannt wird zudem, dass Mori internationale Künstlerinnen und Künstler für Auftritte in der Marienkirche gewinnen konnte, ohne Gage und zugunsten hilfsbedürftiger Menschen.
Politischer Salon und Bürgerinitiative
Bruno Persichilli wurde für politisches und bürgerschaftliches Engagement geehrt. Von 2012 an leitete er nach Darstellung der Stadt neun Jahre lang den „Politischen Salon“, eine gemeinsame Diskussionsplattform von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule Offenbach. Außerdem war er viele Jahre Stadtverordneter. Sein größtes Ehrenamt wird in der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) verortet, deren erster Vorsitzender er ist. Ausgangspunkt der Initiative war das Ziel, den Abriss des Rumpenheimer Schlosses zu verhindern; als heutige Aufgaben werden der Schutz des alten Baumbestands, die Pflege des Schlossparks und die Förderung von Veranstaltungen wie „Musik im Park“ und der „Weißen Tafel“ genannt. Zudem wirke Persichilli in Rumpenheim an der „Hauspoesie“ mit, bei der Sprüche und Sätze an Hauswände gestrichen werden. Auch das Jubiläum „1250 Jahre Rumpenheim“ wird in der Mitteilung mit seinem Namen in Verbindung gebracht.
Von Krankenhausfragen bis Vereinssport
Ursula Scherer wurde für Engagement im Gesundheitswesen, im Sportverein und in der Gemeinde ausgezeichnet. Als Krankenschwester setzte sie sich für familienfreundlichere Besuchszeiten auf einer Kinderinfektionsstation in Offenbach ein und erreichte 1979 nach Darstellung der Stadt die hessenweite Abschaffung der Pflicht zum Tragen einer Schwesternhaube. Seit 1970 ist sie Mitglied der SG Rosenhöhe und leitet seit 56 Jahren eine Turnstunde in der Beethovenschule. Ab 2000 führte sie als erste Vorsitzende die Turnabteilung des heutigen OSC Rosenhöhe. Als zweite Vorsitzende des Hauptvereins habe sie zudem eine entscheidende Rolle bei der Fusion der SG Rosenhöhe mit dem BSC Offenbach gespielt. Außerdem ist sie seit 30 Jahren in der evangelischen Gemeinde in Lauterborn aktiv und bietet dort Sportkurse für Seniorinnen an.
HFC Bürgel von 20 auf 250 Mitglieder
Jürgen Uhlein wurde für sein langjähriges Engagement im Fußball und darüber hinaus geehrt. Er übernahm 1998 Verantwortung für den HFC Bürgel, als der Verein nach Darstellung der Stadt mit 20 Mitgliedern kurz vor dem Aus stand. Als Präsident, Sportlicher Leiter und Trainer führte er den Verein über fast 28 Jahre und baute 2010 eine Jugendabteilung auf. Der Verein wuchs demnach auf über 250 Mitglieder. Zusätzlich ist Uhlein seit 2012 ehrenamtlicher Schiedsrichter beim Hessischen Fußballverband in der Schiedsrichtervereinigung Offenbach und seit 2014 Kreisjugendwart. Seit seinem Ruhestand engagiert er sich im Freiwilligenzentrum und unterstützt als Tandempartner Klassen der Uhlandschule mit besonderem Integrationsbedarf; dabei unterrichtet er nach Darstellung der Stadt auch als Vertretungslehrer.
















