Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat am Freitagabend, 13. März 2026, den „Circle“ in Offenbach besucht und dort mit Unternehmen und Fachleuten über Kreislaufwirtschaft im Bauwesen gesprochen. Der Circle ist seit 2024 im Rockywood-Campus angesiedelt und vereint nach Angaben der Veranstalter mehr als 90 Unternehmen.
Beim Betreten des Gebäudes sagte Schneider: „Wenn es den Circle nicht schon gäbe, hätte ich ihn erfunden.“
Vergaben und Materialeinsatz im Fokus
Im Gespräch mit Circle-Initiator Daniel Imhäuser und DGNB-Vorständin Dr. Christine Lemaitre standen zwei Punkte im Mittelpunkt: Vergabeverfahren sollen vereinfacht werden, zugleich sollen Recycling- und Reuse-Materialien bei öffentlichen Ausschreibungen stärker berücksichtigt werden. Schneider ordnete das in die Kreislaufwirtschaftsstrategie ein und sagte: „Alles, was wir recyceln können, stärkt unsere Unabhängigkeit – in Deutschland und in Europa.“ Er kündigte an, sich für eine verbindliche Vorzugspflicht für Recyclingprodukte einzusetzen.
Beispielprojekt aus München vorgestellt
Einen Einblick in praktische Umsetzung gaben Stefan Möbius (DMU Consult, München) und Max-Frederick Gerken (Optocycle, Tübingen). Sie stellten ein Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in München vor. Dort entstehen Wohnungen für rund 15.000 Menschen, gleichzeitig werde Material aus dem Rückbau vor Ort aufbereitet und wiederverwendet. Genannt wurden 1,3 Millionen Tonnen mineralischer Stoffe, rund 65 Prozent der Gesamtmenge, die im Projektgebiet geblieben seien. Das entspreche einer Einsparung von etwa 120.000 Lkw-Fahrten.
Kritik an Regeln und Verfahren
In einem weiteren Fachgespräch ging es um Hürden für zirkuläres Bauen. Dr. Stefanie Weidner (Werner Sobek, Stuttgart) und Lorenz Nagel (Primus Developments, Hamburg) verwiesen auf unterschiedliche Landesbauordnungen, uneinheitliche Genehmigungswege und Sonderregelungen. Beide sprachen sich für bundeseinheitliche Regeln aus. Außerdem wurde eine „Ersatzbauteilverordnung“ als Instrument genannt, um die Wiederverwendung von Bauteilen rechtlich abzusichern.
Schneider kündigte an, mit zuständigen Ministerien an einer „Entschlackung“ des Vergaberechts zu arbeiten und ein Gespräch mit Bundesbauministerin Verena Hubertz zu initiieren. Nagel verwies zudem auf das BBSR-Forschungsprojekt „Material Recovery Right“, das Baumaterialien handelbar machen soll. Der Circle stellte in Aussicht, einen Leitfaden zu erarbeiten, der ökonomische Potenziale zirkulären Bauens sichtbar macht.
Debatte um Ersatzbaustoffverordnung
Zum Abschluss wurde die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) diskutiert. Stephan Jäger (Jäger Rechtsanwälte, Würzburg) und Dr. Andreas Bruckschen (BDE, Berlin) kritisierten, die EBV hemme in der Praxis teils Prozesse und verursache hohe Bürokratiekosten sowie unsichere Anwendungsbedingungen. Jäger schilderte dazu einen Fall aus seiner Praxis: „Wir streiten derzeit mit einer Behörde: Müssen 20.000 Tonnen analysiertes Material wieder raus oder ist es tatsächlich schon kein Abfall mehr?“
Schneider bat im Anschluss um eine präzise Zusammenstellung der Punkte, die aus Sicht der Runde bei einer Überarbeitung berücksichtigt werden müssten, und sagte zu, den Referentenentwurf zeitnah zuzuleiten.
Geplanter Abschlusstalk fiel aus
Ein abschließender Talk zu neuen Recycling-Technologien mit Isabelle Armani (Madaster, Berlin) und Sven Schröer (Huesker Synthetic, Münster) fand nach Angaben der Veranstalter nicht mehr statt, weil Schneider abreisen musste. Spontan lud er beide zu einem Termin in sein Berliner Büro ein.
















