Das Ketteler Krankenhaus in Offenbach bleibt erhalten. Neuer Träger wird der Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Offenbach. Damit ist nach Angaben der Verantwortlichen der Fortbestand des Hauses gesichert. Auch die Arbeitsplätze der mehr als 900 Beschäftigten bleiben erhalten. Alle medizinischen Abteilungen sollen weitergeführt werden – mit Ausnahme der Geburtshilfe, die wie bereits angekündigt zum 30. Juni 2026 schließt.
Eine entsprechende Investorenvereinbarung ist bereits unterzeichnet. Der Vollzug der Übernahme soll noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Voraussetzung dafür ist unter anderem der Abschluss des laufenden Insolvenzplanverfahrens.
Neue Perspektive im laufenden Sanierungsverfahren
Mit dem Einstieg des DRK erhält das Krankenhaus nach Darstellung der Beteiligten eine langfristige Perspektive. Doru Somesan, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Offenbach, bezeichnet das Ketteler Krankenhaus als wichtigen Teil der Gesundheitsversorgung in Offenbach und der Region. Es solle künftig in das bestehende Netzwerk des Kreisverbands eingebunden werden, zu dem unter anderem Rettungsdienst und Pflegeeinrichtungen gehören.
Auch der derzeit für die Sanierung verantwortliche Geschäftsführer Dietmar Eine sieht in der Vereinbarung eine tragfähige Lösung. Ziel sei es, den Standort dauerhaft zu sichern, die medizinische Versorgung verlässlich fortzuführen und das Krankenhaus in einen regionalen Versorgungsverbund einzubinden. Die Patientenversorgung laufe unterdessen uneingeschränkt weiter.
Der Insolvenzplan soll noch im Mai erstellt und anschließend bei Gericht eingereicht werden. Danach müssen die Gläubiger in einem Abstimmungs- und Erörterungstermin darüber entscheiden. Stimmen sie mehrheitlich zu, kann die Gesellschaft entschuldet werden. Erst dann kann der DRK-Kreisverband neuer Gesellschafter werden und den Betrieb übernehmen. Das Krankenhaus soll auch künftig gemeinnützig arbeiten.
Geburtshilfe endet, Gynäkologie bleibt
Unverändert bleibt die bereits bekannte Entscheidung zur Geburtshilfe. Die Geburtsmedizin wird am 30. Juni 2026 eingestellt. Die Gynäkologie bleibt dagegen bestehen. Nach Angaben des Krankenhauses soll sich die Frauenklinik künftig auf Frauenheilkunde mit den Schwerpunkten Urogynäkologie, onkologische Gynäkologie und das Brustzentrum konzentrieren.
Geschäftsführerin Angelika Heckenthaler äußerte sich positiv zur künftigen Zusammenarbeit mit dem neuen Träger. „Nach den Erstgesprächen zu urteilen, dürfte diese sehr fruchtbar und konstruktiv werden“, sagte sie. Zugleich hoffe sie, dass damit auch der Geist des Hauses unter dem Leitmotiv „Liebe lindert Leiden“ erhalten bleibe.
Krankenhaus mit regionaler Bedeutung
Das Ketteler Krankenhaus blickt auf eine lange Geschichte zurück. Aus der ambulanten Krankenpflege entwickelte sich zunächst das Krankenhaus Josefsheim, das 1958 durch einen Neubau am Lichtenplattenweg ersetzt wurde. Heute verfügt das Krankenhaus über 310 Betten und die Hauptabteilungen Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde und Geriatrie.
Über die Region hinaus bekannt ist die Klinik unter anderem durch das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Offenbacher DarmCentrum sowie das Brustkrebszentrum. Zudem ist das Haus akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt und in die Ausbildung von Medizinstudierenden eingebunden.
Verfahren läuft seit Herbst 2025
Das gerichtliche Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung war im Herbst 2025 eingeleitet worden. Ziel war es, die wirtschaftliche Grundlage des Krankenhauses dauerhaft zu stabilisieren und die medizinische Versorgung in Offenbach zu sichern. Unterstützt wurde die Geschäftsführung dabei von Sanierungsexperten der PLUTA Rechtsanwalts GmbH sowie weiteren Fachleuten aus Restrukturierung und Krankenhausmanagement.
PLUTA-Rechtsanwalt Philip Konen erklärte: „Das Ketteler Krankenhaus hat eine wichtige regionale Bedeutung – und das soll auch so bleiben.“ Sachwalter Dr. Lason Gutsche ergänzte, mit der nun gefundenen Lösung bleibe die Klinik mit ihrer regionalen Bedeutung erhalten. Das sei von Beginn an das klare Ziel gewesen.
Bereits am Dienstagnachmittag wurden die Beschäftigten in einer Mitarbeiterversammlung über den aktuellen Stand informiert. Für das Krankenhaus ist die angekündigte Übernahme durch das DRK damit ein entscheidender Schritt, um nach Monaten der Sanierung in eine gesicherte Zukunft zu kommen.
















