Wegen eines historisch hohen Verbrauchs haben die Stadt und der Landkreis Offenbach die höchste Warnstufe für die Trinkwasserversorgung ausgerufen. Die sogenannte Wasserampel des zuständigen Zweckverbandes Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) steht seit Freitagabend auf Rot. Da die technischen Förderkapazitäten massiv überlastet sind und den rasant gestiegenen Bedarf nicht mehr decken können, drohen bis zum Sonntag Engpässe oder gar ein kurzfristiger Ausfall des Leitungsnetzes. Die Behörden fordern alle Einwohnerinnen und Einwohner, auch in den Kreiskommunen, eindringlich zu drastischen Einsparungen auf. Um die Bevölkerung auf die drohende Notlage hinzuweisen, verschickten die Stadt und der Kreis Offenbach am Freitagabend offizielle Warnmeldungen über die gängigen Kanäle.
Historischer Höchstverbrauch bringt technische Anlagen an ihr Limit
Die langanhaltende Hitzewelle führt im gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einer nie dagewesenen Nachfrage nach Trinkwasser. Nach Angaben der Verwaltung hat sich der Verbrauch in Offenbach seit Mitte Juni um 225 Prozent gesteigert und ist derzeit doppelt so hoch wie zu Monatsbeginn. Allein am vergangenen Donnerstag strömten mehr als 25.000 Kubikmeter durch das städtische Netz. Am Freitag stieg die Abgabemenge nochmals um rund 1.700 Kubikmeter an, und im gesamten ZWO-Netz wurden zuletzt täglich 4.000 Kubikmeter mehr verbraucht als an den jeweiligen Vortagen. Das aktuelle Allzeithoch übersteigt die Aufbereitungsmöglichkeiten des Wasserversorgers deutlich. Die fehlenden Mengen können momentan nur durch beispiellose Zukäufe sowie die immense Entleerung von Wasserbehältern kompensiert werden.
Strikte Verbote für die Gartenbewässerung und das Befüllen von Pools
Um einen Zusammenbruch des Systems abzuwenden, fordert der ZWO die Bürger der Region auf ihre Wassernutzung zu reduzieren. Die Bürger sollen kein Leitungswasser mehr verwenden, um Gärten, Rasenflächen, Bäume, Gemüsebeete oder Gehölze zu wässern. Ebenso soll auf das private Waschen von Fahrzeugen sowie das Abspritzen von Dächern, Terrassen und Hofflächen verzichtet werden. Auch das Befüllen von privaten Schwimmbecken, Springbrunnen oder Wasserspielen soll unterlassen werden. Das wertvolle Nass soll ausschließlich für elementare Bedürfnisse wie das Trinken, die Zubereitung von Lebensmitteln und die Körperhygiene genutzt werden. Dabei rät die Verwaltung dazu, nur kurz zu duschen statt ein Vollbad zu nehmen und die Toilettenspülung durch die Spartaste zu verkürzen oder auf gesammeltes Spülwasser zurückzugreifen. Weitere Einsparpotenziale im Haushalt ergeben sich laut ZWO, wenn Wasch- und Spülmaschinen nur voll beladen und in Ökoprogrammen ohne Vorwäsche laufen. Zudem wird empfohlen, Obst und Gemüse in einer Schüssel statt unter fließendem Wasser zu säubern sowie wassersparende Duschköpfe zu installieren.
Kommunale Maßnahmen und schwierige Prognosen für das Wochenende
Die Stadt Offenbach geht mit gutem Beispiel voran und setzt die Bewässerung ihrer Sportplätze für mindestens 48 Stunden komplett aus. Auch die städtischen Betriebe drosseln ihren Wasserverbrauch im öffentlichen Raum auf ein absolutes Minimum. Der regionale Wasserversorger hat derweil ein Krisenteam gebildet, welches die Liefermengen über das gesamte Wochenende überwacht. Am Freitag trat zudem der städtische Krisenstab Hitze zusammen, dem neben Experten aus dem Umwelt- und Gesundheitsamt auch Oberbürgermeister Felix Schwenke, Bürgermeister Andreas Bruszynski, Stadträtin Helena Wolf und Stadtkämmerer Martin Wilhelm angehören. Die Prognose der weiteren Entwicklung gestaltet sich laut Verwaltung äußerst schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass die aktuelle, besonders lange Hitzeperiode mit Rekord-Nachttemperaturen von über 26 Grad noch vor dem Beginn der Sommerferien liegt. Üblicherweise sinkt der Wasserbedarf deutlich, wenn viele Menschen in den Urlaub fahren.
Politik fordert langfristige Strategien für die zukünftige Versorgung
Da das Reiseverhalten der Bevölkerung unklar ist und die Temperaturen weiter steigen könnten, warnt der Offenbacher Rathauschef vor den Folgen. Schwenke verdeutlichte die angespannte Lage: „Sollten also deutlich weniger Menschen als sonst in Urlaub fahren und der Verbrauch nochmals steigen – was wiederum denkbar ist, weil wir ja auf den elften und zwölften Tag am Stück Hitze zulaufen und der zwölfte Tag möglicherweise sogar über 40 Grad werden soll – dann ist nicht auszuschließen, dass die Förderkapazitäten des ZWO nicht reichen und wir für einen kurzen Zeitraum kein Wasser mehr haben.“ Der Oberbürgermeister kündigte an, bis einschließlich Dienstag täglich aktuelle Lageeinschätzungen zu veröffentlichen. Er betonte das Dilemma der Verantwortlichen: „Die Prognose, wie viel Wasser die Menschen in Offenbach pro Tag verbrauchen, ist derzeit extrem schwer. Der Spagat für uns politisch Verantwortliche besteht nun darin, einerseits Alarmismus zu vermeiden, andererseits die Ernsthaftigkeit der Situation deutlich zu machen.“
Auch langfristig sehen die Akteure Handlungsbedarf. ZWO-Geschäftsführer Gerrit Kania erklärte bezüglich der Debatte um sinkende Grundwasserstände, dass dieses durch den Klimawandel bedingte Thema zwar nicht abschließend bearbeitet sei, aber „nach bestem Wissen und Gewissen mindestens für die nächsten fünf Jahre kein Problem darstellt“. Dennoch forderte Offenbachs Oberbürgermeister Schwenke abschließend: „Für die Zukunft werden die neu gewählten Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Kreis Offenbach in den ZWO-Gremien gemeinsam mit der Geschäftsführung des ZWO einen Aktionsplan entwickeln müssen, wie nicht nur das Thema „dauerhafte Wasserförderrechte“, sondern auch das Thema „Förderkapazitäten für Spitzenverbrauch“ gelöst werden kann.“
















