Trotz einer bundesweit angespannten Wirtschaftslage verzeichnet die Stadt Offenbach einen deutlichen Zuwachs auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Zum Stichtag am 31. Dezember 2025 zählte die Kommune exakt 54.754 Beschäftigte. Dies entspricht einem Plus von knapp 1.500 Stellen im Vergleich zum Ende des Jahres 2024, in dem 53.296 Personen in Offenbach arbeiteten. Mit dieser Entwicklung erreicht die Stadt den höchsten Beschäftigtenstand seit 1974.
Bundesweiter Vergleich und erste Effekte neuer Unternehmensansiedlungen
Wie aus den Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, rangiert Offenbach mit dieser Entwicklung aktuell auf dem siebten Platz der deutschen Städte mit dem stärksten Beschäftigtenwachstum. Zur Jahresmitte 2024 hatte die Kommune in dieser Statistik noch den ersten Platz belegt. Oberbürgermeister Felix Schwenke führt das andauernde Wachstum unter anderem auf die Standortwechsel großer Firmen zurück, die sich nun im Zahlenwerk bemerkbar machen: „Erstmals fließen nun nach und nach die neuen Arbeitsplätze von Arbeitgebern etwa wie Samson und Lorenz Snacks in die Statistik ein. Die ersten Mitarbeitenden beider Unternehmen sind seit Herbst / Winter 2025 an ihren neuen Standorten auf dem Innovationscampus und im Kaiserlei-Viertel tätig“.
Der Rathauschef sieht in den Zahlen das Ende einer langen wirtschaftlichen Durststrecke der Kommune und erklärt dazu: „Mehr Arbeitsplätze als heute gab es zuletzt 1973 – bevor zunächst langsam und ab 1992 dramatisch der große Strukturwandel unsere Stadt über drei Jahrzehnte lang vor enorme, vor allem finanzielle Herausforderungen gestellt hat. Die jetzt über mehrere Jahre verfestigte Trendumkehr ist kein Zufall, sondern das Ergebnis unserer konsequenten Wirtschaftsstrategie und der lösungsorientierten sowie fokussierten Arbeit in Stadtverwaltung, Stadtkonzern und Wirtschaft, um Offenbach wieder zu einem attraktiven Standort für Unternehmen und Zukunftstechnologien zu machen.“
Gezielte Flächenpolitik soll den Industriestandort weiter stärken
Als Basis für die jüngsten Neuansiedlungen von Firmen wie Siemens, Biospring oder Samson nennt die Verwaltung eine langfristig angelegte Flächenstrategie, um Areale für Industrie und Gewerbe abzusichern. Dies geschieht laut Stadtspitze im direkten Konsens mit der Industrie- und Handelskammer. Der Oberbürgermeister bewertet die Zuzüge als überregionales Signal: „Die Ansiedlungen zeigen, dass Industrie auch in Deutschland Zukunft hat – wenn Politik, Verwaltung und Wirtschaft eng und vertrauensvoll wie hier in Offenbach zusammenarbeiten.“
Ergänzend führt Schwenke aus: „So werden gezielt Flächen für Industrie und Gewerbe gesichert. Das schafft die Grundlage für solche Entwicklungen und neue hochqualifizierte Industriearbeitsplätze, die unserer Stadt so lange gefehlt haben. Gleichzeitig ist es ein guter Imagegewinn, dass sich zunehmend wieder Unternehmenszentralen für Offenbach entscheiden.“ Neben der Akquise externer Unternehmen liege der Fokus der Verwaltung jedoch ebenso auf den ansässigen Betrieben, für die bei räumlichen Umstrukturierungen ebenfalls Platz vorhanden sein müsse. Dazu sagt der Verwaltungschef: „Es ist mir selbstverständlich wichtig, für schon länger in Offenbach aktive Unternehmen den gleichen Service zu bieten. Auch für bestehende Unternehmen ist es wichtig, dass bei nötigen Veränderungen Flächen verfügbar sind. Dieses Alltagsgeschäft erfährt nicht immer die gleiche öffentliche Aufmerksamkeit, ist aber eine ebenso wichtige Grundlage für unsere aktuell gute Situation“.
Beschäftigtendichte steigt an, bleibt aber unter historischen Werten
Trotz der absoluten Rekordzahlen bei den Arbeitsplätzen hinkt die sogenannte Beschäftigtendichte – also das prozentuale Verhältnis der vorhandenen Stellen zur aktuellen Einwohnerzahl – den Werten der Vergangenheit hinterher. Zum Jahresende 2025 lag dieser Wert bei 37,5 Prozent. Laut Stadtverwaltung ist dies zwar der höchste Stand seit 14 Jahren, im Jahr 1974 betrug die Quote jedoch noch 45,5 Prozent. Schwenke räumt ein: „Hier haben wir weiterhin Nachholbedarf“.
Zur Einordnung der Statistik sagt er: „Mit einer Beschäftigtendichte von 37,5 Prozent haben wir Ende 2025 zwar den höchsten Stand seit 14 Jahren erreicht und damit auch bei diesem Indikator den Abwärtstrend endlich über mehrere Jahre hinweg nachhaltig gebrochen. Die Richtung stimmt, aber der große Unterschied zu 1974 ist: Damals lag die Beschäftigtenquote noch bei 45,5 Prozent. Genau deshalb dürfen wir uns auf den bisherigen Zahlen nicht ausruhen, sondern müssen unsere Wirtschaftsstrategie konsequent fortsetzen.“ Zudem warnt der Oberbürgermeister vor den Auswirkungen globaler Krisen wie den Kriegen in der Ukraine und im Iran. Mit Blick auf lokale wirtschaftliche Rückschläge erklärt er: „Der wirtschaftliche Aufstieg ist gut für die Finanzen der Stadt und davon profitieren am Ende alle Bürgerinnen und Bürger. Aber es ist noch lange nicht alles gut. Die wirtschaftliche Lage ist weltweit äußerst fragil und wird seit diesem Jahr durch den Iran-Krieg zusätzlich belastet. Deshalb wäre es keine Überraschung, wenn wir auch in Offenbach künftig noch Rückschläge erleben müssen, wie jüngst mit der Insolvenz von Manroland, die für die Beschäftigten so unsagbar bitter ist.“
Weitere Arbeitsplätze durch laufende Unternehmensansiedlungen erwartet
Für die kommenden statistischen Erfassungen rechnet die Kommune mit einem weiteren Anstieg der Zahlen, da mehrere bereits vollzogene oder beschlossene Firmenansiedlungen erst in der Zukunft in der Arbeitsmarktstatistik auftauchen werden. Hierzu zählt neben dem weiteren personellen Ausbau des Samson-Geländes auf dem Innovationscampus auch der Automobilhersteller BYD, der seit dem Frühjahr 2026 mit einem Standort in Offenbach vertreten ist. Darüber hinaus werden perspektivisch die Stellen des Biotechnologie-Unternehmens BioSpring sowie des IT-Ausrüsters Pan Dacom in die Berechnungen einfließen. Letzteres Unternehmen hat mittlerweile den offiziellen Bauantrag für seinen neuen Sitz im Offenbacher Hafen eingereicht.
















