Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main hat kurz vor der Kommunalwahl 2026 ihre kommunalpolitischen Positionen verabschiedet. Das Papier, das die Vollversammlung am 4. Dezember einstimmig beschloss, formuliert Erwartungen der regionalen Wirtschaft an Städte und Gemeinden in Stadt und Kreis Offenbach. Grundlage sind das IHK-Standortbarometer sowie zahlreiche Rückmeldungen aus Unternehmen.
IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller betonte, man wolle „klaren inhaltlichen Beitrag“ leisten und deutlich machen, „was Unternehmen am Standort benötigen“. Viele entscheidende Stellschrauben, von Gewerbesteuern über Kinderbetreuung bis zur Verkehrsinfrastruktur, lägen in kommunaler Verantwortung.
Sechs Handlungsfelder im Mittelpunkt
Die Positionen bündeln Forderungen in sechs zentralen Bereichen. IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner verwies auf die Bedeutung kommunaler Entscheidungen für wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität: „Eine starke Wirtschaft ist schließlich die Basis für attraktive und lebenswerte Städte und Gemeinden.“
Digitale Infrastruktur und Energieversorgung verbessern
Die IHK sieht dringenden Bedarf beim Glasfaser- und Mobilfunkausbau. Genehmigungen müssten digitalisiert und vereinfacht werden. Auch für Rechenzentren fordert die Wirtschaft gemeinsame regionale Strategien, die Flächenbedarf, Stromanbindung und Abwärmenutzung berücksichtigen. Die Energiewende solle technologieoffen gestaltet werden.
Fachkräfte gewinnen und halten
Die digitale Ausstattung an Schulen, vor allem an beruflichen Schulen, müsse deutlich ausgebaut werden. Berufsorientierung soll durch engere Kooperationen mit Unternehmen gestärkt werden. Für internationale Fachkräfte fordert die IHK zentrale Anlaufstellen, Sprachförderangebote und digitalisierte Verfahren. Eine verlässliche Ganztagsbetreuung in Kitas und perspektivisch in Grundschulen betrachtet sie als Standortfaktor.
Kommunale Finanzen verlässlich gestalten
Die Wirtschaft spricht sich gegen neue kommunale Steuern und höhere Gewerbesteuer-Hebesätze aus. Kommunen bräuchten eine stabile Einnahmebasis, sollten Ausgaben aber regelmäßig auf Wirtschaftlichkeit prüfen. Zudem sei das Konnexitätsprinzip strikt einzuhalten.
Stadtentwicklung stärker abstimmen
Die IHK fordert eine frühzeitige Sicherung geeigneter Flächen, die Aktivierung von Brachflächen und eine interkommunal abgestimmte Planung. Innenstädte müssten gestärkt und innovative Nutzungsmodelle erprobt werden.
Mobilität als Standortfaktor sichern
Leistungsfähige Verkehrsachsen, verlässlicher ÖPNV, sichere Radwege und flexible Mobilitätsangebote gehören aus Sicht der IHK zu den zentralen Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung. Auch eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur sei notwendig.
Verwaltungen digitalisieren und Verfahren beschleunigen
Die IHK fordert ein durchgehend digitales Verwaltungshandeln ohne Medienbrüche. Verfahren sollen vereinfacht und beschleunigt werden, das Once-Only-Prinzip müsse umgesetzt werden. Erfolgreiche Beispiele anderer Kommunen sollten stärker genutzt und geteilt werden.
















