Die veröffentlichten Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2023/2024 zeichnen ein zunehmend beunruhigendes Bild der frühkindlichen Entwicklung in Offenbach. Das Stadtgesundheitsamt hat 1.447 Kinder untersucht und stellt fest, dass Sprachkompetenz, motorische Fähigkeiten, Gesundheitszustand und Medienverhalten stark variieren – und dass vor allem die Deutschkenntnisse vieler Kinder weiter zurückgehen.
Bürgermeisterin Sabine Groß bezeichnet die Analyse als entscheidend für die Bildungs- und Gesundheitsplanung in der Stadt. „Die Schuleingangsuntersuchung liefert uns wichtige Erkenntnisse und zeigt Benachteiligungen in der gesundheitlichen, sprachlichen oder kognitiven Entwicklung auf. So können wir gezielt gegensteuern.“
Rückgang bei Deutschkenntnissen besonders deutlich
Die Untersuchung zeigt erneut, dass Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch besonders häufig sprachliche Defizite aufweisen. Fast 70 Prozent der künftigen Schulanfänger wachsen in Haushalten auf, in denen Deutsch nicht die Muttersprache ist. Unter diesen Kindern sprechen lediglich zwölf Prozent fehlerfrei Deutsch – fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung setzt damit einen deutlich negativen Trend fort.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung. Kinder, die mindestens drei Jahre eine Kita besuchen, erreichen wesentlich häufiger fehlerfreie Deutschkenntnisse als Kinder mit deutlich kürzeren Betreuungszeiten. Auch die sprachliche Kompetenz der Eltern spiegelt sich klar in den Fähigkeiten der Kinder wider.
Auffälligkeiten bei Motorik, Gesundheit und Mediennutzung
Neben den Sprachdefiziten dokumentiert der Bericht weitere Problemfelder. Der Anteil normalgewichtiger Kinder ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Gleichzeitig steigt die Zahl der Kinder mit Über- oder Untergewicht. Auffälligkeiten zeigen sich auch in der Feinmotorik, von denen Jungen deutlich stärker betroffen sind als Mädchen.
Im Bereich der Mediennutzung überschreitet ein Großteil der untersuchten Kinder die empfohlenen täglichen Bildschirmzeiten, viele sogar deutlich. Kinder ohne deutsche Erstsprache nutzen digitale Medien im Durchschnitt länger als deutschsprachige Kinder, was laut Gesundheitsamt weitere negative Auswirkungen auf Sprache, Konzentration und Bewegung haben kann.
Stadt setzt auf gezielte Förderung und frühe Unterstützung
Dr. Christiane Faust, Leiterin des Stadtgesundheitsamts, betont, wie wichtig das frühzeitige Erkennen von Auffälligkeiten sei. „Die Daten aus der Untersuchung sind ein zentrales präventives Instrument, um weitere Untersuchungen und bei Bedarf auch Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten.“ Sie verweist auf die Bedeutung alltagsnaher Angebote, die Bewegung, Sprache und Medienkompetenz stärker fördern sollen. Besonders Familien mit Zuwanderungsgeschichte benötigten aus ihrer Sicht passgenaue und kultursensible Unterstützung.
Bürgermeisterin Groß erinnert daran, dass die Ergebnisse bereits in den jüngst beschlossenen Aktionsplan gegen Kinderarmut eingeflossen sind. Dieser sieht unter anderem mehr Gesundheitsangebote für Familien, zusätzliche Sprachfördermaßnahmen außerhalb der Kita und eine stärkere Elternbildung zur Mediennutzung vor. Sie macht erneut deutlich, wie stark Kinder vom Kita-Besuch profitieren und dass die Stadt weiterhin intensiv daran arbeite, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, um die neu geschaffenen Plätze vollständig zu belegen.
Impf- und Vorsorgestatus verbessern sich
Trotz der deutlichen Entwicklungsdefizite enthält der Bericht auch positive Erkenntnisse. Der Anteil der Kinder mit vollständigem Vorsorgestatus hat sich gegenüber 2017 spürbar erhöht und liegt nun bei 70 Prozent. Auch der Impfstatus zeigt eine steigende Tendenz. Dennoch sind Lücken bei Kindern ohne deutsche Erstsprache weiterhin häufiger als bei deutschsprachigen Familien.
Sprachförderung bleibt entscheidende Baustelle
Die Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass Sprachfähigkeit ein zentraler Faktor für Bildungserfolg ist – und dass Offenbach hier vor einer wachsenden Herausforderung steht. Vor der Einschulung fehlerfrei Deutsch zu sprechen, gelingt nur wenigen Kindern mit anderer Erstsprache, und der Trend verschlechtert sich weiter.
















