Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) plant Investitionen in Höhe von rund 200 Millionen Euro, um die Fernwärmeversorgung in der Stadt und im Landkreis Offenbach auszubauen. Im Oktober beginnen an der Dietzenbacher Straße die Hauptbauarbeiten für die Erweiterung und Modernisierung des bestehenden Energiewerks. Vorbereitende Maßnahmen auf dem Gelände laufen bereits. Ziel des Unternehmens ist es, die Auskopplung von Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung signifikant zu erhöhen.
Technische Neuerungen steigern Wärmeleistung ohne zusätzlichen Müll
Durch den Einsatz neuer Verfahren wie der Turbinenabdampfnutzung und der Rauchgaskondensation soll die nutzbare Wärmeleistung der Anlage von aktuell 45 auf 63 Megawatt steigen. Diese Erhöhung um 18 Megawatt erfolgt ohne eine zusätzliche Verbrennung von Abfällen und entspricht dem jährlichen Wärmebedarf von etwa 10.000 Drei-Personen-Haushalten. Nach Angaben der EVO-Technikvorständin Dr. Catharina Friedrich wird der Turbinenabdampf künftig maschinell verdichtet und auf über 120 Grad Celsius erhitzt, um in das Fernwärmenetz eingespeist zu werden. Zudem wird dem rund 140 Grad heißen Rauchgas verbleibende Restwärme entzogen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat das Vorhaben nach einer Offenlage der Unterlagen ohne Einwendungen genehmigt. Der Auftrag an einen Generalunternehmer für die Turbinenabdampfnutzung wurde bereits im Mai vergeben. Derzeit versorgt der Energieversorger rund 40 Prozent der Offenbacher Haushalte sowie Teile der Kommunen Neu-Isenburg, Dietzenbach und Heusenstamm mit Fernwärme. Für die Verbindung zwischen dem Energiewerk und dem Offenbacher Stadtgebiet baut das Unternehmen seit Oktober 2025 an einer neuen Transportleitung, die im Jahr 2028 fertiggestellt sein soll.
Abwärme aus Rechenzentrum und Ende der Kohleverstromung am Nordring
Neben dem Ausbau an der Dietzenbacher Straße errichtet das Unternehmen auf dem Areal des ehemaligen Kraftwerks im Offenbacher Nordend eine neue Energiezentrale. Dort ist der Einsatz einer Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von mindestens zehn Megawatt vorgesehen, die erstmals die ungenutzte Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums in das städtische Netz einspeist. Ergänzt wird die Anlage durch zwei Heißwassererzeuger mit einer Gesamtleistung von 80 Megawatt. Im Zuge dieser Umstrukturierung wird die EVO aus der Kohlenutzung aussteigen und das bisherige Heizkraftwerk am Nordring in den kommenden Jahren stilllegen. Zum Verzicht auf fossile Brennstoffe bei der Nutzung der Rechenzentrums-Abwärme erklärte Technikvorständin Friedrich: „Für diese Wärme muss keine Kohle, kein Erdgas und kein Erdöl mehr verbrannt werden“. Parallel zu den Neubauten wird das bestehende Leitungsnetz weiter modernisiert. Zuvor flossen bereits rund 50 Millionen Euro in eine neue Rauchgasreinigung und eine Klärschlammbehandlungsanlage.
Kommunalpolitik erhofft sich Preisstabilität und geopolitische Unabhängigkeit
Der Offenbacher Oberbürgermeister und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der EVO, Dr. Felix Schwenke, betonte die strategische Ausrichtung des Vorhabens. Er erklärte: „Schon seit Anfang der 2020er Jahre verfolgen wir politisch als Stadt und auch über unsere Anteile an der EVO eine sehr klare Strategie, die drei Ziele verfolgt: Erstens: Aus ökologischen Gründen sollen mehr Menschen Fernwärme bekommen können, wenn sie das wollen. Zweitens: Wir denken schon heute an die Frage, wie im Sinne bezahlbaren Wohnens und bezahlbarer Nebenkosten die Preise bei der Fernwärme für die Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig, also etwa in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre, möglichst stabil bleiben können, um Schritt für Schritt auch ökonomisch mit der Fernwärme wettbewerbsfähiger zu werden. Für dieses langfristige Ziel investieren wir jetzt massiv. Drittens: Im Sinne der Versorgungssicherheit für die Menschen hier in der Region wollen wir unabhängiger von den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten werden.“
Mit Blick auf globale Konflikte ergänzte Schwenke: „Mit dem EVO-Projekt bleibt die Wertschöpfung hier in unserer Region. Unser Geld fließt nicht in die Kassen von Diktatoren wie etwa den Mullahs oder Putin. So funktioniert vernünftige Kommunal- und Unternehmenspolitik“.
Auch der Erste Kreisbeigeordnete Carsten Müller hob die Bedeutung für das Umland hervor: „Die Wärmewende endet nicht an den Stadtgrenzen Offenbachs. Viele Bürgerinnen und Bürger im Kreis profitieren bereits heute von der Fernwärme der EVO. Deshalb ist dieses Projekt von zentraler Bedeutung für die gesamte Region. Es stärkt die Versorgungssicherheit, reduziert CO₂-Emissionen und zeigt, wie kommunale Unternehmen Verantwortung für die Zukunft übernehmen.“
EVO-Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Meier fasste die Zielsetzung des Unternehmens zusammen: „Dieses Projekt ist ein Versprechen an die Region. Wir investieren heute mit Weitsicht und Verantwortung, damit auch kommende Generationen von einer sicheren Energieversorgung profitieren.“
















