Das Stadtgesundheitsamt Offenbach hat in seinem Bericht zur Kindergesundheit für das Jahr 2025 erhebliche Defizite bei der sprachlichen Entwicklung der jüngsten Einwohner festgestellt. Die Auswertung der Daten von knapp 1.500 Einschulungskindern zeigt, dass Vorschulkinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch massive Schwierigkeiten aufweisen. Laut der Analyse beherrschen lediglich elf Prozent aus dieser Gruppe die deutsche Sprache fehlerfrei.
Erheblicher Förderbedarf bei Grammatik und Satzbau
Die Defizite zeigen sich nach Angaben der Behörde besonders deutlich bei grundlegenden Fähigkeiten der Sprachbeherrschung. So weisen 78 Prozent der Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache Probleme bei der Artikelbildung auf. Beim Satzbau haben 68 Prozent Schwierigkeiten, bei der Pluralbildung sind es 67 Prozent. Zum Vergleich: Bei Kindern mit deutscher Erstsprache liegen diese Auffälligkeiten lediglich zwischen neun und 13 Prozent. Noch gravierender stellt sich die Situation bei den neu zugezogenen Seiteneinsteigern dar. Von den 171 untersuchten Kindern dieser Gruppe sprechen 76 Prozent gar kein Deutsch, weitere 19 Prozent verständigen sich nur äußerst lückenhaft. Gleichzeitig belegt die städtische Erhebung den positiven Einfluss einer langfristigen frühkindlichen Bildung. Während Kinder mit mehr als drei Jahren Kita-Erfahrung zu 58 Prozent eine unauffällige Sprachentwicklung aufweisen, sinkt dieser Anteil bei einer Betreuungszeit von unter anderthalb Jahren auf 22 Prozent ab.
Übermäßiger Medienkonsum und motorische Defizite
Neben der Sprache offenbart der Gesundheitsbericht weitere Problemfelder bei der körperlichen Entwicklung und der alltäglichen Mediennutzung. Rund 72 Prozent aller Offenbacher Einschulungskinder verbringen täglich mehr Zeit vor Bildschirmen, als es von Fachleuten empfohlen wird. Etwa 38 Prozent überschreiten die vorgegebenen Richtwerte sogar um mehr als das Doppelte. Dieser Trend ist bei fremdsprachig aufwachsenden Kindern den Daten zufolge besonders stark ausgeprägt. Bei der motorischen Entwicklung fallen vor allem die männlichen Vorschulkinder auf. Ein Drittel der Jungen zeigt Auffälligkeiten in der Feinmotorik, während es bei den Mädchen lediglich 17 Prozent sind. Auch im Bereich der Grobmotorik schneiden die Jungen mit 18 Prozent doppelt so häufig schlecht ab wie die Mädchen.
Lückenhafter Impfschutz und mangelnde Gesundheitsvorsorge
Erhebliche Unterschiede verzeichnet das Gesundheitsamt zudem bei der allgemeinen medizinischen Vorsorge. Während 88 Prozent der deutschsprachig aufwachsenden Kinder lückenlose Vorsorgeuntersuchungen vorlegen können, fällt dieser Wert bei Kindern mit anderer Erstsprache auf 64 Prozent ab. Ähnliche Differenzen bestehen beim vollständigen Impfschutz. Besonders auffällig ist dies bei den neu zugewanderten Seiteneinsteigern, die in fast 97 Prozent der Fälle keinen vollständigen Impfschutz besitzen. Darüber hinaus gelten 13 Prozent der regulären Einschulungskinder als übergewichtig oder adipös, bei den Seiteneinsteigern sind es 29 Prozent. Auch die zahnärztlichen Untersuchungen bei über 5.600 Kindern zeigen, dass bei einem Viertel ein konkreter Behandlungsbedarf an den Zähnen besteht. Um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, erachtet die Stadtverwaltung einen weiteren Ausbau der zielgruppenspezifischen Präventionsmaßnahmen sowie der bestehenden Sprachförderprogramme in Kindertagesstätten und Schulen als zwingend notwendig.
















