Auf die Bürgerinnen und Bürger in Offenbach kommen ab dem Jahr 2027 höhere finanzielle Belastungen zu. Der städtische Eigenbetrieb ESO hat die kommunalen Gebühren für den Kalkulationszeitraum 2027 und 2028 neu berechnet. Während die Kosten für die Straßenreinigung, die Entwässerung sowie die städtischen Friedhöfe spürbar ansteigen, sinken die Tarife für die Abfallentsorgung minimal. Die Anpassungen basieren nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Kommunalen Abgabengesetz, welches eine regelmäßige Überprüfung und eine strikte Kostendeckung der Dienstleistungen vorschreibt. Die Stadtverordnetenversammlung muss den neuen Tarifen vor dem geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2027 noch offiziell zustimmen. Stadtkämmerer Martin Wilhelm ordnet den Schritt ein: „Die Gebührenanpassungen sind notwendig, um die kostendeckende Finanzierung dieser wichtigen kommunalen Leistungen auch künftig sicherzustellen. Gleichzeitig investieren wir in die Qualität in wichtigen Bereichen der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger“.
Investitionen in die Stadtsauberkeit treiben die Reinigungskosten in die Höhe
Den prozentual größten Sprung macht der Gebührenbedarf bei der Straßenreinigung mit einem Plus von rund 15,7 Prozent. Die Behörde führt diese Entwicklung auf allgemeine Preis- und Tarifsteigerungen, höhere CO2-Abgaben sowie notwendige Investitionen in den Fuhrpark samt der zugehörigen Ladeinfrastruktur zurück. Ein weiterer Kostentreiber ist der personelle Ausbau des Reinigungsangebots, mit dem die Stadt auf eine wachsende Erwartungshaltung der Bevölkerung sowie auf Beschwerden über die zunehmende Vermüllung des öffentlichen Raums reagiert. Künftig sollen zusätzliche Mitarbeiter auf den Gehwegen Abfälle aufsammeln. Zudem kommt auf stark frequentierten Flächen ein Spezialist mit einem sogenannten Gluttonsauger für Kleinstabfälle wie Zigarettenkippen oder Glasscherben zum Einsatz. Während der Laubzeit im Herbst plant der Stadtservice ferner den Einsatz einer zusätzlichen Kehrmaschine sowie weiterer Sammelcontainer. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 15 Metern Frontlänge in der wöchentlichen Reinigungsklasse steigen die jährlichen Gebühren durch diese Maßnahmen von bisher 133,20 Euro auf 154,80 Euro. Bei großen Liegenschaften mit 36 Metern Frontfläche und täglicher Reinigung klettern die Kosten von 2.268 Euro auf 2.609 Euro pro Jahr.
Teurere Abwasserentsorgung und höhere Tarife auf den städtischen Friedhöfen
Auch bei der Entwässerung müssen Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende künftig mehr bezahlen. Hauptgründe sind gestiegene Zinsaufwendungen sowie höhere Rechnungen der Stadt Frankfurt, die für die Abwasserreinigung zuständig ist und damit rund die Hälfte der Gesamtkosten in diesem Sektor verursacht. Die Gebühr für das Schmutzwasser steigt von 2,04 Euro auf 2,25 Euro je Kubikmeter. Das Niederschlagswasser wird fortan mit 0,91 Euro statt bisher 0,85 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche abgerechnet. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus zahlt somit künftig knapp 373 Euro im Jahr, was einer Mehrbelastung von gut 31 Euro entspricht. Bei einem Supermarkt mit großem Wasserverbrauch und weitreichenden versiegelten Flächen steigen die Abgaben im Modellfall um knapp 270 Euro auf über 3.882 Euro jährlich.
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei den städtischen Friedhöfen ab. Neben gestiegenen Personal-, Energie- und allgemeinen Sachkosten schlägt hier die laufende Sanierung der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof durch höhere Abschreibungen zu Buche. Um die Nutzung für die Hinterbliebenen dennoch bezahlbar zu halten, hat die Stadtverwaltung die Erhöhung für die Halle explizit gedeckelt. Eine 25-minütige Feier kostet künftig 280 Euro und damit 30 Euro mehr als im alten Berechnungszeitraum. Die Nutzung des Urnenabschiedsraums verteuert sich um fünf Euro auf 42 Euro. Die Kosten für eine Erdbestattung in einem Dauergrab mit 30 Jahren Nutzungsrecht steigen um 106 Euro auf insgesamt 4.417 Euro. Ein Urnenreihengrab für 25 Jahre schlägt künftig mit 1.669 Euro zu Buche, was einem Plus von 91 Euro entspricht.
Vorhandene Rücklagen sorgen für eine leichte Entlastung bei der Müllabfuhr
Der einzige Bereich, in dem die Bürgerinnen und Bürger in den kommenden beiden Jahren finanziell leicht entlastet werden, ist die Abfallentsorgung. Trotz deutlich gestiegener Verwertungskosten am Markt sinken die Tarife für den Rest- und Bioabfall für die Jahre 2027 und 2028 um rund ein Prozent. Die Verwaltung greift hierbei auf Gebührenrückstellungen zurück, die in den vergangenen Jahren planmäßig aufgebaut wurden. Diese finanziellen Puffer federn die aktuellen Kostensteigerungen in der Abfallwirtschaft ab und ermöglichen die marginale Preissenkung. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einer 60-Liter-Restmülltonne und einer Biotonne im 14-tägigen Rhythmus sinkt die Jahresgebühr von 222,00 Euro auf 219,78 Euro. Ein Zwei-Personen-Haushalt zahlt für denselben Turnus künftig 190,55 Euro statt der bisherigen 192,48 Euro.
















