Die Stadt Offenbach hat seit 2006 mehr als 675 Millionen Euro in neue und sanierte Schulen und Kindertagesstätten investiert. Nach Angaben der Stadt lernen inzwischen mehr als 60 Prozent der rund 18.800 Schülerinnen und Schüler in vollständig neuen oder komplett modernisierten Schulgebäuden. Bei den städtischen Kitas für Kinder unter sechs Jahren liegt dieser Anteil sogar bei 81 Prozent. Planungs- und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß zog dazu eine positive Zwischenbilanz, machte aber zugleich deutlich, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen ist. „Wir haben schon viel geschafft, aber klar, es liegt noch einiges vor uns.“
Ausgangspunkt der Entwicklung war 2006 der Auftrag, die Gymnasien für G8 und den Ganztagsbetrieb auszubauen. Dabei wurde schnell deutlich, dass viele Schul- und Kita-Gebäude sanierungsbedürftig waren. Gleichzeitig führten steigende Schülerzahlen zu Platzmangel, Außenstellen und fehlenden Fachräumen. Aus einem zunächst begrenzten Vorhaben wurde deshalb ein umfassendes Sanierungs- und Neubauprogramm für Schulen und Kitas in Offenbach. Zehn Jahre nach dem Grundsatzbeschluss kam mit dem sogenannten Bedarfsbeschluss von 2017 ein weiteres umfangreiches Ausbauprogramm hinzu, um zusätzliche Kapazitäten vor allem bei Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien zu schaffen.
Über viele Jahre ein Kraftakt
Nach Darstellung der Stadt war das Programm nicht nur wegen der Zahl der Einrichtungen anspruchsvoll. Offenbach betreut 29 Schulen und 24 städtische Kindertagesstätten für Kinder unter sechs Jahren. Gleichzeitig habe sich auch das Verständnis von Bildungsbauten verändert. Es gehe nicht mehr nur um Gebäude, sondern um Räume, die Lernen, Austausch und pädagogische Konzepte unterstützen. Anna Heep, Bereichsleiterin des städtischen Hochbaumanagements, verweist auf die lange Entwicklungszeit und die unterschiedlichen Anforderungen jedes einzelnen Projekts. „Die Anforderungen an Bildungsräume verändern sich ständig und gute Gebäude entstehen nicht von heute auf morgen. Jedes Projekt bringt eigene Herausforderungen mit sich – von komplexen baulichen Gegebenheiten bis zum laufenden Betrieb in Schulen und Kindertagestätten. Seit über 20 Jahren begleite ich die Projekte im Bildungsbau und erlebe jeden Tag, wie wichtig es ist, mit Erfahrung, Weitblick und im engen Austausch mit den Einrichtungen gute sowie langfristige Lösungen zu entwickeln. Ich finde, dass uns das gemeinsam bisher sehr gut gelungen ist“, sagte sie.
Kitas fast vollständig modernisiert
Im Bereich der Kindertagesstätten sieht sich die Stadt weit fortgeschritten. Insgesamt wurden nach Angaben der Verwaltung rund 58 Millionen Euro in Neubau und Sanierung der Einrichtungen investiert. Zu den jüngeren Projekten zählen die 2025 eingeweihte Kita Friedensstraße sowie das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Lauterborn. Bereits 2024 wurde das Bildungszentrum Bieber-Nord mit Kita und Grundschule unter einem Dach fertiggestellt. Zuvor waren unter anderem die Kita Rödernstraße, mehrere Einrichtungen seit 2010 sowie Neubauten wie Lachwiesen, Christian-Pleß-Straße, Kita am Hafen und die Kita Brandenburger Straße umgesetzt worden.
Mehrere große Schulprojekte noch im Bau
Im Schulbereich laufen derzeit Bauprojekte im Wert von mehr als 289 Millionen Euro. Die größte Einzelmaßnahme ist der Neubau des vierten Offenbacher Gymnasiums auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Die Emmy-Noether-Schule kostet nach Angaben der Stadt 128 Millionen Euro und ist damit die zweitgrößte Hochbauinvestition der Stadtgeschichte. Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler sowie 100 Lehrkräfte sollen dort künftig lernen und arbeiten. „Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler und 100 Lehrkräfte werden hier künftig modern und zukunftsorientiert lernen und arbeiten. Wir bauen hier nicht nur Klassenräume, sondern Zukunft“, sagte Weiß.
Parallel dazu laufen Arbeiten an der Ernst-Reuter-Schule, der Geschwister-Scholl-Schule, der IGS Lindenfeld und der Mathildenschule. An der Ernst-Reuter-Schule wurde der Neubau für die Grundschule im März 2026 übergeben, nun folgen Sanierungs- und Anbaumaßnahmen am Hauptgebäude. Die Geschwister-Scholl-Schule soll Mitte 2027 vollständig fertig sein. Die IGS Lindenfeld befindet sich im letzten Bauabschnitt mit dem Neubau des östlichen Flügels. An der Mathildenschule läuft die Sanierung des Altbaus weiter, Bauteil B soll Anfang 2027, Bauteil A Ende 2028 abgeschlossen sein. Noch in diesem Jahr soll dort außerdem eine Containeranlage mit acht Klassenräumen als Ausweichquartier errichtet werden.
Rückblick auf viele abgeschlossene Maßnahmen
In den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten wurden bereits zahlreiche Schulen saniert, erweitert oder neu gebaut. Früh begonnen wurde mit den Gymnasien Rudolf-Koch-Schule, Albert-Schweitzer-Schule und Leibnizschule Brandsbornstraße, die im Zuge der G8-Umstellung zwischen 2007 und 2010 ausgebaut, teilsaniert oder vollständig erneuert wurden. Fast parallel dazu wurde die Grundschule Buchhügel modernisiert. In einem ÖPP-Verfahren entstanden anschließend der Ersatzneubau der Beethovenschule sowie die umfassende Sanierung und Erweiterung des Berufsschulzentrums am Buchhügel mit Theodor-Heuss-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule und Dreifeldsporthalle. Es folgten unter anderem die Sanierungen von Ludwig-Dern-Schule, Waldschule Tempelsee, Edith-Stein-Schule sowie der Neubau im Hafen und später im Stadtteil Bieber Nord. Auch die Fröbelschule erhielt zwischen 2017 und 2022 einen neuen Standort.
Zusätzliche Mittel für akute Mängel
Neben den großen Bauprogrammen stellte der Magistrat 2019 jährlich zwei Millionen Euro für allgemeine Schulsanierungsmaßnahmen bereit. Damit sollten dringende Einzelmaßnahmen schneller umgesetzt werden können. Nach Angaben der Stadt konnten so etwa neue Toiletten, zusätzliche Rettungswege oder bessere Fenster in nicht generalsanierten Schulen realisiert werden. Die Arbeiten wurden möglichst in die Ferien gelegt. Auch Lärmschutzmaßnahmen spielten eine wichtige Rolle. Mit Unterstützung eines Landesprogramms wurden unter anderem an Goetheschule, Eichendorffschule und Anne-Frank-Schule Schallschutzfenster ausgetauscht, um Folgen des Fluglärms zu mindern. Weiß sagte dazu: „Es war mir ein besonderes Anliegen, dass gerade die Grundschüler beim Lesen lernen die richtige Aussprache deutlich verstehen und nicht halbe Wörter im Fluglärm untergehen.“ Ergänzend wurden in mehreren Schulen schallschluckende Decken oder Wandelemente eingebaut. In jüngerer Zeit rückten zudem Verschattungen und Hitzeschutz auf Schulhöfen stärker in den Fokus.
Neue Aufgaben stehen bereits an
Die nächsten großen Themen stehen nach Angaben der Stadt schon fest. Mit dem Startchancenprogramm fördert der Bund künftig gezielt Schulen, deren Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung beim Lesen, Schreiben und Rechnen benötigen. Aus Hessen wurden dafür 13 Offenbacher Schulen ausgewählt. Weiß sagte: „Das Startchancenprogramm ist eine wichtige Ergänzung zu unseren Baumaßnahmen. Gute Gebäude allein reichen nicht – es kommt auch auf die Ausstattung und die Förderung im Unterricht an„. Gleichzeitig beginnt ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Auch darauf müsse sich die Stadt gemeinsam mit dem Land vorbereiten.
Die Bilanz nach fast zwei Jahrzehnten fällt damit aus Sicht der Stadt positiv aus, aber nicht abgeschlossen. Ein erheblicher Teil der Infrastruktur ist bereits erneuert. Gleichzeitig zeigen laufende Großprojekte und neue gesetzliche Anforderungen, dass Offenbach auch in den kommenden Jahren weiter massiv in Schulen und Kitas investieren wird.















