Auch Offenbach will künftig eine Abgabe auf Hotelübernachtungen erheben. Die Stadtverwaltung strebt an, ab 2026 einen Tourismusbeitrag von voraussichtlich zwei Euro pro Person und Nacht einzuführen. Nach Angaben von Stadtkämmerer Martin Wilhelm soll die Abgabe ausschließlich von auswärtigen Gästen erhoben werden und der Finanzierung kultureller, touristischer und freizeitorientierter Angebote dienen.
Entscheidung folgt Abstimmung mit Hotels und Verbänden
Ursprünglich war eine Übernachtungssteuer vorgesehen. Nach Gesprächen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach sowie dem Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen entschied sich die Stadt jedoch für ein anderes Modell. Eine Tourismusabgabe verursache weniger Aufwand in den Betrieben und sei zweckgebunden, erläutert Wilhelm. Die Stadt erwartet Einnahmen von rund 1,3 Millionen Euro pro Jahr. Damit soll der Haushalt entlastet werden, ohne die örtliche Bevölkerung zusätzlich zu belasten.
Einführung abhängig von Landesentscheidung
Voraussetzung für die neue Abgabe ist die offizielle Einstufung Offenbachs als „Tourismusort“ durch das Land Hessen. Der entsprechende Antrag wurde im Oktober beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht. Die abschließende Entscheidung liegt beim Hessischen Wirtschaftsministerium und wird Anfang 2026 erwartet. Parallel bereitet die Verwaltung bereits eine Satzung vor, damit der Beitrag nach einer positiven Entscheidung rasch beschlossen werden kann. Zieltermin für die Einführung ist der 1. April 2026.
Verbände loben konstruktiven Austausch
Gisbert J. Kern, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen, betont die Bedeutung der frühzeitigen Abstimmung: Die Einführung neuer Abgaben sei grundsätzlich eine Herausforderung für Gäste und Betriebe, daher sei es wichtig gewesen, „dass wir von Anfang an miteinbezogen und unsere Argumente und Perspektiven für die Stärkung des Tourismus berücksichtigt wurden“.
Auch die IHK Offenbach sieht den Prozess positiv. Geschäftsführer Frank Achenbach verweist auf die angespannte Finanzlage der Stadt und bezeichnet die Beteiligung von Gästen an der Finanzierung der städtischen Infrastruktur als nachvollziehbar. Gleichzeitig hebt er hervor, dass Offenbach einen „möglichst bürokratiearmen Prozess“ anstrebe, der gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt worden sei.
Tourismusort benötigt umfangreiche Infrastruktur
Um als Tourismusort anerkannt zu werden, muss eine Kommune nachweisen, dass entsprechende Einrichtungen und Angebote vorhanden sind. In Offenbach zählen dazu unter anderem Museen wie das Deutsche Ledermuseum und das Klingspor Museum, das Haus der Stadtgeschichte, der Wetterpark sowie das Digital Retro Park Museum. Hinzu kommen Veranstaltungsorte wie das Capitol und die Stadthalle sowie vielfältige Möglichkeiten zur Naherholung.
Ein weiteres Kriterium sind hohe Übernachtungszahlen. Mit etwa 625.000 Übernachtungen im Jahr 2024 erfüllt Offenbach die Vorgabe deutlich; die Zahl der Übernachtungen übersteigt damit das Doppelte der Einwohnerzahl von rund 130.000.
Einordnung in den landesweiten Kontext
Offenbach würde mit der neuen Abgabe einem Trend in Hessen folgen. Frankfurt erhebt seit 2018 einen Beitrag von zwei Euro pro Nacht, Fulda seit April 2024 denselben Betrag. Wiesbaden verlangt seit 2024 fünf Euro Kurtaxe pro Person und Tag. Darmstadt und Kassel haben sich für prozentuale Modelle entschieden.
Ob Offenbach ebenfalls ab 2026 dazugehört, entscheidet sich nach der Prüfung des Landes – vorbereitet ist die Stadt bereits.
















