Im Offenbacher Senefelderquartier greift die Stadt erneut in den Autoverkehr ein. Noch im Laufe des Juni sollen an den Kreuzungen Senefelder-/Gustav-Adolf-Straße und Schäfer-/Hermannstraße zwei sogenannte Modalfilter aufgebaut werden. Für Autofahrer bedeutet das: Der Durchgangsverkehr wird an diesen Stellen unterbunden, während Radfahrer, Fußgänger und Einsatzfahrzeuge weiterhin passieren können. Die Stadt spricht von einem „Reallabor“ und setzt den Versuch zunächst für ein Jahr an.
Nach Darstellung der Stadt sollen die baulichen Sperren dafür sorgen, dass sich der Autoverkehr wieder stärker auf die umliegenden Hauptstraßen verlagert. Hintergrund ist eine Verkehrsuntersuchung, nach der das Viertel als Ausweichroute genutzt wird. Für Anwohner und Besucher mit Auto heißt das aber auch: Wege durch das Quartier werden komplizierter, direkte Verbindungen fallen weg und Fahrten müssen künftig teilweise über das übergeordnete Straßennetz geführt werden.
Stadt verspricht bessere Aufenthaltsqualität
Die Stadt begründet die Maßnahme mit mehr Aufenthaltsqualität, weniger Lärm und höherer Sicherheit für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Zusätzlich sollen neue Stadtmöbel aufgestellt werden, unter anderem an der Ecke Senefelder-/Gustav-Adolf-Straße, am südlichen Bahnhofseingang an der Marienstraße und am Wendehammer der Gabelsbergerstraße. Dort sind nach Angaben der Stadt unter anderem bepflanzte Sitzgelegenheiten geplant.
Gleichzeitig räumt die Verwaltung selbst ein, dass die Änderungen nicht ohne Nachteile ablaufen werden. Amtsleiterin Ivonne Gerdts: „Gleichzeitig gehen mit verkehrlichen Veränderungen natürlich auch immer Einschränkungen einher – wir müssen daher kontinuierlich schauen, wie sich die Situation entwickelt.“ Genau diese Einschränkungen dürften für viele Autofahrer der entscheidende Punkt sein, denn der Versuch ist ausdrücklich darauf angelegt, den Durchgangsverkehr aus dem Quartier herauszunehmen.
Radverkehr soll gestärkt werden
Ein weiteres Ziel ist es, die bereits vorhandenen Fahrradstraßen in der Senefelderstraße sowie in der Schäfer-/Arndtstraße aufzuwerten. Sie sollen in ihrer Verbindungsfunktion zu den südlich gelegenen Stadtteilen und ins Umland gestärkt werden. Auch Busse sollen nach Angaben der Stadt das Quartier bei Bedarf weiterhin passieren können. Die Erschließung bleibe grundsätzlich für alle Verkehrsmittel erhalten, heißt es aus dem Rathaus.
Die Grundlage für das Projekt ist ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem September 2024. Die Stadt verweist außerdem auf wissenschaftliche Untersuchungen der Goethe-Universität Frankfurt, eine Haushaltsumfrage sowie Beteiligungsformate mit Anwohnern und Gespräche mit Gewerbetreibenden. Organisiert wird das Vorhaben im Rahmen des vom Regionalverband FrankfurtRheinMain getragenen und mit Bundesmitteln geförderten Projekts „transform-R“.
Ein Jahr Versuch mit offenem Ausgang
Zunächst soll der Verkehrsversuch ein Jahr lang laufen. In dieser Zeit will die Stadt die Auswirkungen fortlaufend auswerten, die Maßnahmen gegebenenfalls anpassen und am Ende prüfen, ob die Sperren dauerhaft bleiben. Weitere Workshops, Befragungen und Beteiligungsformate sind angekündigt. Für die Bewohner des Quartiers beginnt damit in den kommenden Tagen ein Alltagstest, der vor allem für Autofahrer spürbare Veränderungen bringen dürfte.
















