Von März 2024 bis März 2025 waren Quartiersarchitektinnen und Quartiersarchitekten im Auftrag der Stadt Offenbach in der Innenstadt unterwegs. Ziel war es, Gewerbetreibende und Eigentümer über städtebauliche Regeln und Gestaltungsmöglichkeiten zu informieren. Im Zentrum standen dabei die Sondernutzungssatzung, die Gestaltungssatzung für Werbeanlagen und das Gestaltungshandbuch der Stadt.
„Wir wollen Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Ladeninhaberinnen und -inhaber nicht allein lassen, sondern informieren, unterstützen und gemeinsam Lösungen finden, bevor es überhaupt zu möglichen Bußgeldern kommt“, betont Stadtrat und Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß.
Rund 300 Liegenschaften wurden einbezogen
Die Architekten des beauftragten Büros bb22 suchten aktiv den Kontakt vor Ort. „Im gesamten Innenstadtgebiet haben wir gezielt den Kontakt zu Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Gewerbetreibenden gesucht“, berichtet Johannes Gerstenberg. Bei etwa 300 Liegenschaften seien die Vorgaben geprüft und Gespräche geführt worden.
Zu Beginn des Projekts fanden öffentliche Rundgänge mit Beteiligung der Stadtgesellschaft statt, bei denen besonders auffällige Missstände benannt wurden. Häufig genannt wurden große Beklebungen, digitale Werbeschilder oder blinkende Lichtquellen.
Veränderungen sichtbar – aber begrenzte Teilnahme
Zwar fiel die Resonanz auf freiwillige Beratungsangebote eher verhalten aus, dennoch konnten zahlreiche Veränderungen erreicht werden. In vielen Fällen seien blinkende Leuchten abgeschaltet oder übergroße Werbeflächen zurückgebaut worden. Das Projekt habe auch dazu beigetragen, Missverständnisse zwischen Gewerbetreibenden und Verwaltung abzubauen.
„Das Angebot hat oftmals dazu beigetragen, Missverständnisse zu klären, Spielräume aufzuzeigen und den Dialog am Laufen zu halten – aber es braucht realistische Erwartungen und Geduld“, so Gerstenberg.
Satzungen als Grundlage für gerechtes Stadtbild
Laut Paul-Gerhard Weiß sei eine geregelte Gestaltung in der Innenstadt keine Schikane, sondern ein wichtiges Instrument zur Aufwertung des öffentlichen Raums. Werbeanlagen müssten genehmigt werden, Flächen für Sondernutzungen seien klar geregelt. „Wenn jemand sein Schild blinkend über die gesamte Fassade zieht, während der Nachbar sich an die Maße hält, entsteht ein Ungleichgewicht – auch im Wettbewerb“, so Weiß.
Für Wiederholungstäter seien auch Bußgelder oder Rückbauanordnungen vorgesehen. Die Stadt setze jedoch weiterhin auf Gesprächsangebote und gezielte Maßnahmen statt auf flächendeckende Kontrollen.
Mehr Ansprechpartner und gestalterische Anreize geplant
Nach dem Projekt sollen künftig feste Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung etabliert werden, um langfristig Beratung zu ermöglichen und aktuelle Entwicklungen frühzeitig zu begleiten. Positiv bewerteten die Beteiligten auch die Sichtbarkeit gelungener Beispiele – wie beim Wettbewerb zur Fassadengestaltung.
„Die Offenbacher Innenstadt lebt von denen, die sie täglich gestalten“, betont Weiß. In Planung sei unter anderem eine Jury, die jährlich kreative und regelkonforme Lösungen auszeichnet. Ziel bleibe, das Stadtbild gemeinsam weiterzuentwickeln.














