Am westlichen Eingang Offenbachs hat eines der sichtbarsten Umbauprojekte der Stadt begonnen: Die früheren KWU-Türme am Kaiserlei werden zurückgebaut. Auf dem Gelände soll in den kommenden Jahren das neue Kaiserviertel entstehen. Geplant sind dort rund 1.200 Wohnungen, eine Kindertagesstätte, ein Hotel sowie Gewerbe- und Büroflächen.
Über den Start des Großprojekts informierten bei einem Ortstermin Oberbürgermeister Felix Schwenke, Baudezernent Paul-Gerhard Weiß, ABG-Geschäftsführer Frank Junker und Lukas Schirmer von der beauftragten Becker Sanierungstechnik. Schwenke sprach von einem wichtigen Tag für Offenbach. Die markanten Hochhausgerippe hätten über viele Jahre den ersten Eindruck der Stadt von Frankfurter Seite geprägt. Mit dem Rückbau und dem geplanten Neubauquartier verbinde sich nun auch ein städtebaulicher Neuanfang am Kaiserlei.
Wohnquartier statt Hochhausruinen
Die ABG FRANKFURT HOLDING hatte das Grundstück nach eigenen Angaben im November 2025 erworben, nachdem die Offenbacher Stadtverordnetenversammlung dem Konzept für das Kaiserviertel zugestimmt hatte. Das Unternehmen plant dort ein autofreies Quartier mit 1.179 Mietwohnungen. Ein Teil davon soll als öffentlich gefördertes Studierendenwohnheim mit mehr als 350 Plätzen entstehen. Zudem ist vorgesehen, dass die Offenbacher Wohnungsbaugesellschaft GBO rund 100 öffentlich geförderte Wohnungen übernehmen kann.
Ergänzt werden soll das Viertel durch mehr als 4.000 Quadratmeter Bürofläche, ein Hotel, einen Supermarkt, eine Kita sowie Parkmöglichkeiten in einem Parkhaus und in Tiefgaragen. Insgesamt sollen über 700 Stellplätze zur Verfügung stehen. Im Inneren des Quartiers ist eine begrünte Mitte vorgesehen. Regenwasser soll dort nach dem Schwammstadtprinzip möglichst vor Ort versickern. Fassaden- und Dachbegrünungen sowie Dachflächen für Regenwasserrückhalt, Energiegewinnung und gemeinschaftliche Terrassen sind ebenfalls Teil der Planung. Die ersten Wohnungen sollen voraussichtlich ab 2029 bezugsfertig sein.
Rückbau mit Robotern, Kränen und Baggern
Der Rückbau der Türme gilt als technisch anspruchsvoll. Die drei Gebäudeteile sind derzeit noch 73, 65 und 59 Meter hoch. Sie waren bereits seit 2019 teilweise entkernt und mit provisorischen Stützkonstruktionen gesichert worden. Nach Angaben des Abbruchunternehmens sind die Vorbereitungen inzwischen abgeschlossen, die Geräte vor Ort und die Teams einsatzbereit.
Vorgesehen ist ein gestuftes Verfahren. Zunächst werden die Gebäude vollständig eingerüstet und mit Staubschutznetzen versehen. In den oberen drei Etagen kommen zusätzliche Lärmschutzkassetten zum Einsatz, die mit dem Baufortschritt nach unten versetzt werden. Oberhalb einer Höhe von etwa 40 Metern wird der Rückbau weitgehend in Handarbeit und mit Roboter- sowie Schneidetechnik ausgeführt. Deckenteile werden mit Diamantsägen und ferngesteuerten Geräten in transportfähige Stücke zerlegt und per Turmdrehkran nach unten gebracht. Drei Kräne mit Höhen zwischen 78 und 99 Metern sind dafür bereits aufgebaut.
Unterhalb von rund 40 Metern übernehmen dann große Abbruchmaschinen die Arbeit. Zunächst kommt ein Longfront-Bagger mit 50-Meter-Ausleger zum Einsatz, später eine 36-Meter-Maschine. Für die unteren Bereiche ist ein konventioneller Kettenbagger vorgesehen, Fundamente und Bodenplatten sollen am Ende mit einem 70-Tonnen-Bagger herausgebrochen werden. Die Arbeiten finden in der Regel werktags zwischen 7 und 18 Uhr statt. Anwohner wurden laut Mitteilung vorab schriftlich informiert.
Abbruchmaterial soll teilweise wiederverwendet werden
Um Staub möglichst gering zu halten, wird der Rückbau durchgehend mit Wasser begleitet. Dafür kommen Bedüsungen an Maschinen, handgeführte Schläuche und bei Bedarf auch Wasserkanonen zum Einsatz. Das anfallende Material soll vor Ort gebrochen und zu Verfüll- und Auffüllmaterial aufbereitet werden. Soweit möglich, soll es beim Neubau des Kaiserviertels wiederverwendet werden.
Nach der aktuellen Planung sollen die oberirdischen Abbrucharbeiten bis Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein. Der vollständige Rückbau soll in der ersten Hälfte des Jahres 2027 beendet werden. Für Offenbach beginnt damit am Kaiserlei ein Umbau, der weit über den Abriss dreier Hochhäuser hinausgeht: Aus einem lange brachliegenden Stadteingang soll ein neues Wohnquartier werden.
















