Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) und die Energieversorgung Dietzenbach GmbH (EVD) heben zum 1. Oktober 2026 ihre Tarife für Fernwärme an. Im Durchschnitt steigen die Preise für die rund 3.300 betroffenen Abnehmer in Offenbach, Heusenstamm, Dietzenbach und dem Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch um 26 Prozent. Hintergrund der Anpassung ist ein 200 Millionen Euro umfassendes Investitionsprogramm der EVO zur klimagerechten Umstrukturierung der lokalen Wärmeerzeugung.
Mehrkosten für Musterhaushalte und geänderte Berechnungsgrundlage
Für einen durchschnittlichen Musterkunden mit einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden bedeutet die Tarifanpassung jährliche Mehrkosten in Höhe von rund 370 Euro. Die genaue preisliche Entwicklung variiert nach Angaben der Versorgungsunternehmen je nach gewähltem Tarifmodell und dem individuellen Verbrauchsverhalten der Privathaushalte, Industriebetriebe und Wohnungsgesellschaften. Die Kunden werden in diesen Tagen postalisch über die neuen Konditionen informiert. Mit der Preisanhebung zum Oktober tritt zudem eine neue Preisänderungsregelung in Kraft, die aufgrund der veränderten Erzeugungsstrukturen eine neue Berechnungsgrundlage für die Fernwärme festlegt. Die Erhöhung sowie das neue System waren von den Unternehmen bereits vor einem Jahr angekündigt worden (wir berichteten). Zuvor waren die Tarife zum Oktober 2024 um 19 Prozent und im Folgejahr um vier Prozent gesenkt worden.
Millioneninvestition für den Verzicht auf Steinkohle
Den Grund für den Kostenanstieg bildet das größte Wärmeprojekt in der Unternehmensgeschichte der EVO. Um rechtliche Vorgaben zur Dekarbonisierung zu erfüllen und die regionale Versorgungssicherheit langfristig zu garantieren, fließen in den kommenden Jahren knapp 200 Millionen Euro in eine neue Infrastruktur. Die Pläne der Betreiber sehen vor, künftig vollständig auf den Einsatz von Steinkohle zu verzichten. Stattdessen soll das bestehende Energiewerk zu einem Zentrum für Dekarbonisierung erweitert werden. Ein zentraler Baustein ist die verstärkte Einspeisung von Abwärme aus dem Kraftwerk, ohne dabei die verbrannten Abfallmengen zu erhöhen. Ergänzend soll in Zukunft vermehrt Abwärme aus regionalen Rechenzentren für das Fernwärmenetz nutzbar gemacht werden. Die EVO-Vertriebsleiterin Anja Haag verweist auf die strategische Bedeutung dieses Umbaus: „Indem wir auf kurze Lieferketten und Energieträger aus der Region setzen, machen wir uns auch unabhängig von den weltweiten Energieimporten und bieten den Menschen somit ein hohes Maß an Unabhängigkeit“.
Einordnung im bundesweiten Vergleich der Versorger
Mit Blick auf die Belastung der Kunden räumt Haag ein: „Die Preiserhöhung fällt uns nicht leicht“. Der Geschäftsführer der EVD, Guido Schick, verweist darauf, dass die Notwendigkeit zur Modernisierung der Anlagen derzeit die gesamte Branche treffe. Zahlreiche Fernwärmeversorger in der Bundesrepublik hätten wegen der gesetzlich geforderten Investitionen im laufenden sowie im vergangenen Jahr Preissteigerungen ankündigen müssen. Trotz der anstehenden Anhebung bewegen sich die Tarife von EVO und EVD nach Erhebungen des Informationsportals waermepreise.info aus dem Juli 2026 weiterhin im bundesdeutschen Mittelfeld.
















