An der Offenbacher Synagoge in der Kaiserstraße ist am Mittwochabend eine politische Parole auf die Fassade geschmiert worden. Besonders betroffen macht die Jüdische Gemeinde der Umstand, dass die Schmiererei direkt am gemeindeeigenen Kindergarten entdeckt wurde. Rabbiner Mendel Gurewitz schilderte am Donnerstagmorgen seine Bestürzung und die unmittelbaren Folgen für die Kinder.
„Heute Morgen war ich schockiert und zutiefst getroffen. An unserem Kindergarten diese Schmiererei an der Wand zu sehen – es fühlte sich an wie ein Schlag in den Magen“, sagte Gurewitz. Ihn habe insbesondere der Anblick eines verängstigten Kindes erschüttert, das beim Betreten des Kindergartens sichtbar Angst gezeigt habe. „Kein Kind sollte jemals Angst haben müssen, einen Kindergarten zu betreten – nicht hier, nicht irgendwo.“
Staatsschutz ermittelt zu politischer Parole
Nach Angaben der Polizei brachte ein unbekannter Täter die Parole am Mittwoch gegen 17.50 Uhr mit goldener Farbe an einer Gebäudewand der Synagoge an. Der Mann war zu Fuß unterwegs und trug schwarze Kleidung, darunter Mütze und Hoodie. Er führte eine helle Tasche oder Tüte mit sich und verdeckte sein Gesicht mit einem Schal. Nach der Tat flüchtete er in unbekannte Richtung. Die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Südosthessen hat die Ermittlungen übernommen. Hinweise nimmt die Polizei unter 069 8098-1234 entgegen.
Gemeinde fordert Solidarität und klare Haltung
Für Rabbiner Gurewitz steht der Vorfall in einer Reihe gezielter Angriffe auf jüdisches Leben – und trifft die Gemeinde an einem besonders sensiblen Ort. „Was ist mit unserer Stadt passiert, dass Hass seinen Weg auf die Wände eines Ortes findet, der für Unschuld und Geborgenheit steht?“, sagte er. Es handle sich nicht „nur um eine Schmiererei“, sondern um eine Botschaft, die Angst erzeugen soll.
Gurewitz lobte das schnelle Eingreifen der Polizei: „Wir sind dankbar für ihre schnelle und ernsthafte Reaktion.“ Gleichzeitig mahnt er, die Tat nicht als bloßen Vandalismus abzutun. „Unsere Kinder verdienen Besseres. Unsere Gemeinde verdient Besseres. Unsere Stadt verdient Besseres.“
















