Am ehemaligen Güterbahnhof in Offenbach hat der Bau des größten Wohnprojekts der städtischen Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO) seit einem Vierteljahrhundert begonnen. Bei einem offiziellen Spatenstich übergab der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori einen Förderbescheid in Höhe von 16,2 Millionen Euro für das Vorhaben, das neben 67 neuen Wohnungen auch eine große Kindertagesstätte umfasst und sich konzeptionell an mehrere Generationen richtet.
Land Hessen finanziert mehr als die Hälfte der Baukosten
Das Gesamtvolumen für das Projekt mit dem Namen WQ 4.0 beläuft sich auf 29,5 Millionen Euro. Durch die finanzielle Beteiligung des Landes können laut Angaben der Baugesellschaft 38 der neu entstehenden Wohneinheiten öffentlich gefördert werden. Die voraussichtliche Miete soll in diesem Segment bei 7,34 Euro pro Quadratmeter liegen. Die verbleibenden 29 Einheiten werden auf dem freien Markt für kalkulierte 15 Euro pro Quadratmeter angeboten. Im Gegenzug verpflichtet sich die GBO jedoch, eine identische Anzahl an bisher frei vermieteten Bestandswohnungen im Stadtgebiet zukünftig als Sozialwohnungen auszuweisen. Wirtschaftsminister Mansoori betonte bei der Übergabe der Landesmittel: „Neue Wohnungen werden dringend gebraucht. Entscheidend ist aber, dass sie zu den Menschen und ihrem Leben passen. Genau das passiert hier in Offenbach: Familien mit Kindern, ältere Menschen und Menschen, die auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind, bekommen unter einem Dach ein Zuhause. Dass dabei ein großer Teil der Wohnungen bezahlbar bleibt, macht dieses Projekt besonders stark. Deshalb unterstützen wir den Bau mit 16,2 Millionen Euro“.
Mehrgenerationenhaus mit Kindertagesstätte und großen Familienwohnungen
Das u-förmige Gebäude ist als Mehrgenerationenhaus angelegt. Im Erdgeschoss ist auf der gesamten Fläche eine Einrichtung für rund 100 Kinder in fünf Gruppen vorgesehen, die zudem einen begrünten Innenhof als Spielfläche nutzen können. Darüber hinaus planen die Architekten im ersten Obergeschoss einen Begegnungsraum für Senioren sowie einen Pavillon als zentralen Treffpunkt auf dem Dach, welches zusätzlich begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet wird. Sämtliche Wohnungen sollen barrierearm und mit einem Rollator nutzbar sein, fünf Einheiten werden explizit rollstuhlgerecht ausgebaut. Zwei Aufzüge verbinden die Tiefgarage, die auch Stellplätze für Fahrräder bietet, mit dem Dachgeschoss. GBO-Geschäftsführer René Weber wies auf eine Besonderheit auf dem örtlichen Markt hin: „Mit dem WQ 4.0 schaffen wir Wohnraum für unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenssituationen“. Er fügte hinzu: „Erstmals seit langer Zeit bauen wir hier auch zwei Wohnungen mit sechs Zimmern für große Familien. Solche großen Wohnungen gibt es auf dem Offenbacher Markt so gut wie gar nicht mehr und wenn sind sie für Familien mit mehreren Kindern kaum zu bezahlen. Das WQ 4.0 soll ein Haus für alle Generationen werden: Wir stellen uns als Idealfall vor, dass die Kinder unserer Mieterinnen und Mieter in die Kita im Erdgeschoss oder in das im Neubau befindliche Emmy-Nöther-Gymnasium gegenüber gehen, während die Großeltern oder sogar Urgroßeltern in den barrierearmen oder rollstuhlgerechten Wohnungen leben.“
Spezielle Lärmschutzmaßnahmen und geplante Fertigstellung im Jahr 2028
Um das Wohnen in unmittelbarer Nähe zu den Bahngleisen angenehm zu gestalten, erhält das Gebäude Fenster mit einem erhöhten Schallschutz. Die zur Bahnstrecke ausgerichteten Wohnräume werden zudem mit schallschluckenden Loggien ausgestattet, während die übrigen Einheiten über reguläre Balkone verfügen. Das Baugrundstück hatte die kommunale Gesellschaft zuvor von der Entwicklerin des Geländes, dem Unternehmen Aurelis, erworben. An dem Spatenstich nahmen neben Minister Mansoori und Geschäftsführer Weber auch Offenbachs Stadtkämmerer Martin Wilhelm, der projektleitende Architekt Markus Gruber sowie Sebastian Pfeifer als Vertreter des Generalübernehmers teil. Wilhelm ordnete das Bauvorhaben in die städtische Strategie ein: „Bezahlbarer Wohnraum ist eine der drängendsten sozialen Aufgaben unserer Zeit. Wer in Offenbach arbeitet, eine Familie gründet oder im Alter in der Stadt bleiben möchte, muss sich auch das Wohnen in unserer Stadt auch leisten können. Genau dafür schaffen wir neuen bezahlbaren Wohnraum und setzten unsere Zusage Schritt für Schritt um. Hier geschieht dies mit der Förderung des Landes Hessen, für die wir uns bei Minister Mansoori herzlich bedanken“. In den kommenden fünf Jahren plant die GBO nach Angaben des Kämmerers die Schaffung von insgesamt 300 neuen Wohnungen im Stadtgebiet, von denen mindestens 125 öffentlich gefördert sein sollen. Der Bezug des nun gestarteten Neubaus am Güterbahnhof ist für das dritte Quartal 2028 vorgesehen.
















