In Offenbach soll der freie Eintritt für Kinder bis 14 Jahre ins Waldschwimmbad Rosenhöhe nun über Spenden ermöglicht werden. Möglich machen soll das eine Aktion des Seniorenrats, auf die sich die Stadt und der Schwimmbadbetreiber „best OF swim“ verständigt haben. Was im Rathaus als pragmatische Lösung vorgestellt wird, ist bei genauerem Hinsehen allerdings vor allem ein Notbehelf: Denn bezahlt werden soll das Angebot nicht aus dem städtischen Haushalt, sondern durch eingeworbene Spenden.
Nach Angaben der Stadt werden von dem gesammelten Geld 10er-Karten gekauft und an der Schwimmbadkasse hinterlegt. Für jedes Kind bis 14 Jahre soll dann eine entsprechende Nutzung entwertet werden. Sind die Karten im Laufe eines Tages aufgebraucht, dürfen Kinder zwar bis zum Abend desselben Tages weiterhin kostenlos ins Bad. Ab dem folgenden Tag ist dann aber wieder regulär Eintritt zu zahlen, sofern nicht neue Spenden nachgelegt wurden. Darüber will der Betreiber jeweils am Vorabend informieren.
Hinzu kommen weitere Einschränkungen: Kinder unter acht Jahren dürfen das Bad nur in Begleitung einer zahlenden Aufsichtsperson besuchen, die mindestens 16 Jahre alt sein muss. Wer selbst noch nicht volljährig ist, darf außerdem nur ein einziges Kind begleiten. Spendenquittungen können weder der Seniorenrat noch die Stadt ausstellen.
Politische Mehrheit hatte Antrag abgelehnt
Die nun präsentierte Spendenlösung kommt nicht aus dem Nichts. Erst am 28. Mai war in der Stadtverordnetenversammlung ein Antrag auf freien Eintritt für Kinder bis 14 Jahre in den Sommerferien formal zwar nicht abgelehnt, durch einen Änderungsantrag der Koalition aus SPD und CDU aber so verändert worden, dass gerade keine verbindliche politische Entscheidung für dieses Jahr fiel. Linke und Grüne hatten eine direkte Regelung für diesen Sommer gefordert. Die Kosten dafür bezifferten die Grünen auf rund 27.000 Euro.
SPD und CDU verwiesen stattdessen auf den bestehenden Aktionsplan gegen Kinderarmut. Damit war für diesen Sommer keine konkrete Zusage verbunden. Nun wird die Idee zwar doch noch aufgegriffen – allerdings nicht als politische Leistung der Koalition, sondern als Spendenprojekt und dank des Engagements des Seniorenrats.
Für Beobachter liegt darin der entscheidende Punkt. Denn die Stadt Offenbach sagt nicht: Wir finanzieren dieses Angebot. Sie sagt: Wenn genug Dritte zahlen, kann es stattfinden. Ob Kinder also in den Sommerferien tatsächlich regelmäßig kostenlos ins Schwimmbad kommen, hängt nun nicht an einem politischen Beschluss, sondern an der Spendenbereitschaft.
Seniorenrat spricht selbst von keiner Dauerlösung
Auch der Seniorenrat macht keinen Hehl daraus, dass dieses Modell keine tragfähige Lösung auf Dauer ist. Vorsitzender Horst Thon sagt selbst: „Dass die geplante Sammelaktion keine Dauerlösung sein kann, ist uns bewusst.“ Der Seniorenrat wolle kurzfristig helfen und zugleich Erfahrungen sammeln, auf deren Grundlage später entschieden werden könne.
Damit übernimmt nun ausgerechnet ein ehrenamtliches Gremium die Aufgabe, eine Lücke zu schließen, die politisch zuvor offengeblieben ist. Der soziale Gedanke hinter der Aktion ist unstrittig. Problematisch ist vielmehr, dass die Stadt die öffentliche Debatte über Teilhabe von Kindern im Sommer nun faktisch an eine Spendendose delegiert.
Auch aus der Opposition kam daran Kritik. FDP-Stadtverordneter Dominic Leiendecker hatte die Debatte zuletzt als Frage der Prioritätensetzung bezeichnet und darauf verwiesen, dass die Stadt an anderer Stelle sehr wohl Geld ausgebe. Die Aussage, Offenbach habe schlicht kein Geld, greife aus seiner Sicht zu kurz.
Hilfe für diesen Sommer, Entscheidung vertagt
Für Familien, die auf eine schnelle Entlastung gehofft haben, ist die jetzige Lösung deshalb zwiespältig. Einerseits kann sie kurzfristig helfen. Andererseits bleibt sie unsicher, begrenzt und abhängig vom Verlauf der Spendenaktion. Verlässlich ist bislang nur, dass es keinen regulär beschlossenen freien Eintritt für alle Kinder bis 14 Jahre in diesen Sommerferien gibt.
Spenden gesammelt werden laut Stadt beim Mainuferfest an einzelnen Ständen, an der Kasse des Waldschwimmbads sowie per Überweisung auf das Konto des Seniorenrats. Bis zum nächsten Sommer, so kündigt es Oberbürgermeister Felix Schwenke an, solle das Thema dann grundsätzlich entschieden werden.
Für diesen Sommer aber bleibt festzuhalten: Kostenloses Schwimmen für Kinder in Offenbach gibt es nur, wenn andere zahlen.
















