Der Wiener Hof in Offenbach-Bieber soll umfassend saniert werden. Der Magistrat hat dafür in seiner jüngsten Sitzung den weiteren Ablauf beschlossen. Voraussetzung ist, dass die Stadtverordneten in ihrer Februarsitzung zustimmen und Mittel in Höhe von 3,8 Millionen Euro freigeben.
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke bezeichnet den Wiener Hof als wichtigen Treffpunkt und etablierten Ort für Kultur und Musik. Der Betrieb des Veranstaltungssaals sei wegen Problemen mit Statik und Brandschutz nicht mehr möglich gewesen. Zudem müsse auch die Gastronomie für die Sanierung längere Zeit pausieren. Schwenke sagte: „Der Wiener Hof hat eine Zukunft! Nach der Sanierung wird er wieder öffnen können.“
OPG soll Sanierung vorbereiten und steuern
Mit der Umsetzung der Sanierung soll die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft beauftragt werden, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach. Formale und fachliche Vorbereitungen dürfen erst starten, wenn der städtische Haushalt 2026 vom Land Hessen genehmigt ist.
Dann soll die OPG zunächst die Planungsleistungen ausschreiben. Gesucht werden Planungsbüros sowie spezialisierte Gutachter, die klären sollen, welche Maßnahmen erforderlich sind, damit das Gebäude heutigen rechtlichen und technischen Standards entspricht. Erst mit der Detailplanung soll auch Klarheit über die genauen Sanierungskosten entstehen.
Kein Termin für Wiedereröffnung genannt
Schwenke erklärte, Ziel sei eine möglichst schnelle Wieder-Nutzung durch Öffentlichkeit sowie Künstlerinnen, Künstler, Musikerinnen und Musiker. Einen Termin für die Wiedereröffnung nannte er nicht. Er verwies auf notwendige Schritte wie Vorbereitungen im Gebäude, Planungen, ein Baugenehmigungsverfahren, Ausschreibungen und Vergaben – auch abhängig davon, ob ausreichend Angebote zu „verantwortbaren Preisen“ eingehen.
Bis außen sichtbare Arbeiten beginnen, werde es daher noch dauern. Schwenke sagte, es könne bis dahin der Eindruck entstehen, dass nichts passiere, dies bedeute jedoch keinen Stillstand.
Bauantrag soll parallel vorbereitet werden
Zur Beschleunigung sieht der Fahrplan vor, den Bauantrag bereits während der Ausführungsplanungen vorzubereiten und bei der Bauaufsicht einzureichen. Während des Genehmigungsverfahrens sollen die Unterlagen für die Ausschreibung der Bauleistungen erstellt werden. Nach erteilter Baugenehmigung könnte die Ausschreibung dann unmittelbar starten, um ein Bauunternehmen für die Umsetzung zu beauftragen.
Mängel von Keller bis Dachraum
Nach Darstellung der Stadt betreffen die baulichen Mängel den Keller, das Erd- und Obergeschoss sowie den Dachraum. Ende 2023 wurde demnach der erste Rettungsweg ertüchtigt und ein provisorischer zweiter Rettungsweg in den Innenhof angelegt.
Eine Untersuchung der Gebäudesubstanz, die im Sommer 2024 vorgelegt wurde, stellte demnach weitere brandschutztechnische sowie statische konstruktive Mängel fest. Im Keller seien bereits Sicherungsmaßnahmen mit Stahlstützen erfolgt.
Tragwerk, Treppe und Haustechnik sollen erneuert werden
Für eine dauerhafte Stabilisierung nennt die Stadt unter anderem Ringanker und Zugbänder im Außenmauerwerk sowie eine Aussteifung des Dachstuhls. Die innenliegende Haupttreppe erfülle die statischen Anforderungen an einen Fluchtweg nicht und müsse „vermutlich komplett“ erneuert werden.
Nach Abschluss der statisch-konstruktiven Arbeiten sollen alle Räume neue Boden-, Wand- und Deckenbeläge erhalten. Für eine geringere Energienutzung ist nach gesetzlichen Vorgaben entweder eine Innen- oder Außendämmung vorgesehen.
Zusätzlich sollen sämtliche technischen Anlagen erneuert werden, darunter die bisherige Ölkesselanlage samt Heizungsverteilung, die Trinkwasseranlage und die komplette Elektroinstallation. Auch die im Dachraum befindliche Lüftungsanlage für den Veranstaltungssaal soll ersetzt werden. Ergänzend ist eine Photovoltaikanlage geplant.
Wiener Hof als Treffpunkt und Kulturort
Die Stadt beschreibt den Wiener Hof als seit Jahrzehnten wichtigen Bestandteil des sozialen Lebens, nicht nur in Bieber. Der Gastronomiebetrieb sei sehr gut angenommen worden; der Biergarten diene im Sommer als Treffpunkt für Jung und Alt aus dem Umfeld.
Als Kulturstandort mit regelmäßigen Musikveranstaltungen habe der Wiener Hof auch über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt. 2013 erhielt der Betreiber den Kulturpreis der Stadt Offenbach am Main. Auch vom Pächter organisierte Feste wie „Tanz in den Mai“ und Fastnachtsfeiern werden als beliebt genannt. Der Festsaal im ersten Obergeschoss sei zudem häufig für größere Feiern und Veranstaltungen von Vereinen sowie ortsansässigen Unternehmen gebucht worden.















