An der Kreuzung Bieberer Straße und Waldstraße in Offenbach am Main blickt seit Kurzem ein vertrautes Gesicht aus der Stadtgeschichte von der Fußgängerampel. Karl Winterkorn, vielen Offenbachern als „Streichholzkarlchen“ bekannt, ist dort nun als stilisiertes Ampelmännchen zu sehen. Mit der neuen Gestaltung erinnert die Stadt an den Mann, der von den 1910er Jahren bis kurz vor seinem Tod 1939 durch Gaststätten zog und Streichhölzer verkaufte – selbstbewusst bezeichnete er sich als Holzhändler.
Vom Wilhelmsplatz an die Kreuzung
Karl Winterkorn gilt bis heute als lokales Original. Seit 1999 erinnert eine Skulptur auf dem Wilhelmsplatz an ihn. Nun ist eine weitere Würdigung hinzugekommen: Die Fußgängersignale zeigen das „Streichholzkarlchen“ sowohl als stehende als auch als gehende Figur. Bürgermeisterin Sabine Groß bezeichnet die neue Ampel als Hommage, die ein Stück Offenbacher Stadtgeschichte im Alltag sichtbar mache.
Entwurf aus der Hochschule für Gestaltung
Die Umsetzung geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zurück, der bereits vor rund vier Jahren gefasst worden war. Ausgeführt wurde das Projekt vom Amt für Mobilität mit Unterstützung der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Am Offenbach Institut für Mobilitätsdesign entwarfen Professor Peter Eckart, Daniel Rese, Annika Storch und die Studentin Marie Bünner die beiden Figuren für die Fußgängersignale. Grundlage war die Skulptur der Offenbacher Steinmetzin Judith Quartier auf dem Wilhelmsplatz.
Bünner beschreibt das Projekt als besonders motivierend, da von Beginn an klar gewesen sei, dass die Entwürfe tatsächlich im Stadtbild umgesetzt werden sollten. Der Gestaltungsprozess sei jedoch aufwendig gewesen.
Vier Jahre für eine Idee
Dass zwischen politischem Beschluss und sichtbarer Umsetzung fast vier Jahre lagen, ist in Offenbach nicht unbemerkt geblieben. Umgesetzt wurde das Projekt nun kurz vor der anstehenden Kommunalwahl. So brauchte es zwar etwas Geduld, bis aus einer Idee ein Ampelmännchen wurde – dafür steht das Streichholzkarlchen nun dauerhaft an einer der zentralen Kreuzungen und erinnert Passanten an ein Stück Offenbacher Alltagsgeschichte.














