Die Gemeinnützige Baugesellschaft mbH Offenbach (GBO) erweitert ihren Bestand an bezahlbarem Wohnraum im Stadtgebiet. Bis zum Ende des Jahres 2028 sollen an drei verschiedenen Standorten insgesamt 105 neu errichtete, öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Mit der Unterzeichnung der entsprechenden Verträge mit den Generalübernehmern hat die Tochtergesellschaft der Stadtwerke Offenbach ein Investitionsvolumen von mehr als 30 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Die tatsächliche Umsetzung der Bauvorhaben ist allerdings noch an die Erteilung der Fördermittelzusage durch den Bund gebunden.
Großprojekt auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände
Das umfangreichste der drei Neubauprojekte wird auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs realisiert. Dort errichtet das Bauunternehmen Heinstadt Reiss unter dem Projektnamen WQ 4.0 einen u-förmigen Gebäudekomplex, der insgesamt 67 Wohnungen mit einer Größe von einem bis zu sechs Zimmern umfassen wird. Da die Baugenehmigung für dieses Vorhaben bereits erteilt wurde, plant die Wohnungsbaugesellschaft, im Spätsommer oder frühen Herbst dieses Jahres den offiziellen Spatenstich vorzunehmen. Neben mehreren senioren- und rollstuhlgerechten Wohnräumen wird das Gebäude im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte sowie im Keller eine Tiefgarage für Pkw und Fahrräder beherbergen. Über den Räumlichkeiten der Kita ist zudem ein Treffpunkt für ältere Bewohnerinnen und Bewohner vorgesehen. Auf dem Dach des viergeschossigen Hauses soll zusätzlich ein Pavillon als gemeinschaftliche Begegnungsstätte gebaut werden, zudem wird die Dachfläche begrünt und mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet.
Kostenersparnis durch überarbeitete Planung und mittelbare Belegung
Bei 29 der 67 Wohnungen im neuen Gebäudekopf WQ 4.0 wendet die GBO das Modell der mittelbaren Belegung an. Diese Einheiten werden nach der Fertigstellung auf dem freien Markt zu einem Mietpreis von voraussichtlich rund 15 Euro pro Quadratmeter angeboten. Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen, eine exakt gleiche Anzahl an Wohnungen aus seinem bestehenden, bislang frei vermieteten Portfolio künftig als Sozialwohnungen zu vergeben. Die Vergabe des Bauauftrags für den Standort am Güterbahnhof erforderte aufgrund stark gestiegener Baupreise einen längeren Vorlauf. Boris Kupke, der gemeinsam mit René Weber die Geschäftsführung der GBO bildet, erläuterte die Hintergründe: „In der ersten Ausschreibung waren die eingegangenen Angebote viel zu hoch“. Erst nach einer Überarbeitung der Pläne konnte die Finanzierung gesichert werden, wie Kupke darlegte: „Jetzt konnten wir nach einer optimierten Fortschreibung der Planung den Zuschlag für einen Gesamtpauschalpreis von 22 Millionen Euro brutto erteilen. Die vorigen Angebote lagen teilweise bis zu 15 Millionen Euro höher.“
Zwei weitere Bauvorhaben im städtischen Gebiet
Die verbleibenden 38 geförderten Wohnungen entstehen an zwei weiteren Standorten in Offenbach unter der Verantwortung der Baufirma B&O als Generalübernehmer. In der Dr.-Rosa-Goldschmidt-Straße werden für knapp sechs Millionen Euro zwei Gebäude mit insgesamt 24 geförderten Einheiten errichtet. Parallel dazu entsteht in der Liebigstraße 35a für drei Millionen Euro ein weiteres Haus mit 14 Sozialwohnungen. Das beauftragte Bauunternehmen wird die Arbeiten an beiden Baustellen leicht zeitversetzt ausführen, sodass Baumaschinen für die jeweiligen Gewerke wie den Kellerbau oder den Innenausbau nicht mehrfach nach Offenbach transportiert werden müssen. Dieser Synergieeffekt sowie die Tatsache, dass für die Projekte kein neuer Grund und Boden erworben werden musste, senkten die Gesamtkosten der Vorhaben erheblich. Bei dem Grundstück in der Liebigstraße handelt es sich um eine städtische Nachverdichtung auf einer bereits GBO-eigenen Liegenschaft, während das Areal in der Dr.-Rosa-Goldschmidt-Straße von der Stadt Offenbach in die Baugesellschaft eingelegt wurde.
Ziel ist die Entlastung des Offenbacher Wohnungsmarktes
Die aktuellen Baumaßnahmen sind Teil eines größeren Neubauprogramms. Im vergangenen Dezember hatte die kommunale Wohnungsbaugesellschaft angekündigt, innerhalb von fünf Jahren insgesamt 300 neue Wohnungen zu errichten, darunter 125 öffentlich geförderte Einheiten. Stadtkämmerer und Aufsichtsratsvorsitzender Martin Wilhelm betonte die Notwendigkeit dieses Programms für die kontinuierlich wachsende Stadt: „Bezahlbarer Wohnraum ist eine der größten sozialen Fragen unserer Zeit. Deshalb setzen wir unser Neubauprogramm trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Bau konsequent um. Mit den heute unterzeichneten Verträgen geben wir das Startsignal für 105 neue öffentlich geförderte Wohnungen und zeigen: In Offenbach wird weiter gebaut. Mit den Vertragsabschlüssen ist der erste Schritt für das erste Drittel der Neubauwohnungen getan. Sie sollen bis Ende 2028 fertig sein. Jede neue Wohnung hilft, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Deshalb investieren wir als Stadt bewusst in unseren kommunalen Wohnungsbestand.“
Gemessen an dem aktuellen Bestand von rund 5.000 Wohnungen bedeutet die Errichtung der 105 neuen Einheiten laut Geschäftsführer Boris Kupke eine Erhöhung des Portfolios um zwei Prozent in der ersten Hälfte des Fünf-Jahres-Plans: „Wenn plangemäß die erforderlichen Fördermittel fließen und alle 105 Wohnungen fertiggestellt sind, hat die GBO ihren Bestand von aktuell rund 5000 Wohnungen bereits innerhalb der ersten Hälfte unseres Fünf-Jahres-Plans um zwei Prozent erhöht“. Kupke prognostiziert dadurch auch positive Effekte für den gesamten Mietmarkt der Stadt: „Damit stärken wir unseren Einfluss zur Dämpfung des Offenbacher Mietspiegels insgesamt. Davon profitieren auch alle anderen Mieterinnen und Mieter in Offenbach, die nicht in einer GBO-Wohnung leben.“
















