Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main hat ihre Mitgliedsunternehmen im Vorfeld der Kommunalwahl 2026 erneut zum Wirtschaftsstandort befragt. Laut IHK-Standortbarometer 2025 bewerten 76 Prozent der teilnehmenden Betriebe die Bedingungen in der Region insgesamt positiv. Der Durchschnittswert der Zufriedenheit liegt bei der Schulnote 2,7. An der Umfrage im August nahmen 326 Unternehmen teil.
Stärken: Erreichbarkeit, Kulturangebot und Unternehmensnetzwerke
Positiv hervorgehoben werden die Erreichbarkeit und der Service der Wirtschaftsförderung (Note 2,6). Auch das Freizeit- und Kulturangebot (2,8) sowie die Möglichkeiten zur Vernetzung zwischen Unternehmen (2,9) schneiden aus Sicht der Befragten gut ab. Die kommunale Betreuung wird differenzierter gesehen: 54 Prozent fühlen sich von ihrer Stadt oder Gemeinde gut unterstützt, während 35 Prozent unzufrieden sind. Insgesamt erhält die Verwaltung die Note 3,2.
Steuern und Verwaltungswege stehen in der Kritik
Deutlich wird der Wunsch nach Reformen. Als wichtigstes Handlungsfeld nennen 59 Prozent die Höhe der kommunalen Steuern. Sowohl Gewerbe- als auch Grundsteuer werden von vielen Betrieben als Wettbewerbsnachteil bewertet. Die entsprechenden Standortfaktoren erhielten im Schnitt die Note 4,0.
Als zweites zentrales Problemfeld nennen die Unternehmen die Verwaltungsprozesse (3,9). Gefordert werden schnellere und stärker digitalisierte Abläufe, kürzere Wartezeiten und eine verlässlichere Kommunikation.
Wohnraum, Gewerbeflächen und Verkehr bleiben Herausforderungen
Verbesserungsbedarf sehen viele Betriebe außerdem bei der Schaffung von Wohnraum (Note 3,8) sowie bei der strategischen Entwicklung von Gewerbeflächen (3,6). Häufig bemängelt wird der Mangel an Erweiterungsmöglichkeiten und bezahlbarem Wohnraum, gleichzeitig werden einzelne lokale Initiativen positiv hervorgehoben.
Verkehr und Mobilität erhalten die Note 3,5. Während Lage und Anbindung als Standortvorteile gelten, führen Baustellen, Straßenqualität, knappe Parkflächen und Störungen im ÖPNV zu Unzufriedenheit. Beim Glasfaserausbau (3,3) wird der Fortschritt anerkannt, jedoch hapert es vielerorts weiterhin an Hausanschlüssen.
IHK fordert spürbare Entlastungen für Unternehmen
Markus Weinbrenner, Hauptgeschäftsführer der IHK Offenbach am Main, sieht in den Ergebnissen zugleich Anerkennung und Auftrag: „Die Offenbacher Wirtschaft zeigt sich trotz herausfordernder Rahmenbedingungen überwiegend zufrieden mit ihrem Standort. Aber die Ergebnisse machen auch deutlich: Kommunale Steuern und bürokratische Hürden sind die größten Bremsfaktoren für Unternehmen. Die Kommunalpolitik muss hier dringend ansetzen.“
Die Kammer will die Umfrageergebnisse in ihre Positionen zur Kommunalpolitik einfließen lassen. Diese sollen Anfang Dezember 2025 veröffentlicht werden.















