Die kritische Lage bei der Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) dauert an. Nach behördlichen Angaben arbeiten die Förderanlagen aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode weiterhin an ihrer absoluten Kapazitätsgrenze. Ein kurzfristiger Ausfall der Versorgung kann für die Stadt und den Landkreis Offenbach nach wie vor nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Dennoch verzeichnen die Verantwortlichen nach dem historischen Allzeithoch beim Wasserverbrauch eine leichte Entspannung der Situation über das vergangene Wochenende.
Rückgang des Verbrauchs und zusätzliche Wasserkäufe entspannen das Netz
Die Stabilisierung der Versorgungslage ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. So sank die abgerufene Wassermenge am Samstag im Vergleich zum Freitag leicht ab. Oberbürgermeister Felix Schwenke fasste die Entwicklungen zusammen: „Einerseits fahren jetzt wie vermutet viele Menschen in den Urlaub, andererseits haben wir den Eindruck, dass viele Bürgerinnen und Bürger unseren Sparaufruf ernst nehmen. Dafür danke ich diesen Menschen sehr. Der Verbrauch ist am Samstag gegenüber dem Freitag leicht zurückgegangen. Zudem gelang es dem ZWO bislang, durch kurzfristige Zukäufe bei anderen Versorgern – über die ohnehin schon vereinbarten Mengen hinaus – den Bedarf decken zu können“. Diese zusätzlichen Wassermengen ermöglichten es dem Verband, die als Speicher dienenden Hochbehälter in den Nachtstunden wieder aufzufüllen. Diese Zwischenspeicher sind maßgeblich dafür verantwortlich, das Leitungsnetz während der Verbrauchsspitzen am frühen Morgen und am Abend durch zusätzliche Einspeisungen stabil zu halten.
Behörden warnen vor verfrühter Entwarnung und fordern weitere Einsparungen
Trotz des leichten Rückgangs mahnt die Stadtspitze zur Vorsicht. Bürgermeister Andreas Bruszynski ordnete die aktuellen Daten ein: „Nach Auswertung aller uns vorliegenden Daten können wir derzeit sagen: Die Lage hat sich seit Freitag nicht mehr verschlechtert. Insgesamt bleibt die Lage aber weiter angespannt,“. Er betonte, dass der ZWO eine Entwarnung derzeit ausschließe. Der Bürgermeister erneuerte daher den Appell an die Bevölkerung: „Noch sagt uns der Versorger ZWO, dass es zu früh ist, um Entwarnung geben zu können. Wir bitten deshalb eindringlich, dass weiterhin alle Menschen ihren Verbrauch auf das absolut Nötigste reduzieren. So heiß es auch ist: Bitte befüllen Sie keine Pools, verzichten Sie auf das Autowaschen und möglichst auch auf die Bewässerung des Gartens. Sollten die technischen Anlagen – trotz tagelanger Höchstbelastung – funktionsfähig bleiben und die angekündigte Abkühlung in der kommenden Woche eintreten, gehen wir davon aus, dass sich die Lage zügig wieder normalisiert. Wir werden weiter informieren.“
Städtischer Krisenstab plant datenbasierte Strategien für die Zukunft
Um die andauernde Extremwetterlage zu bewältigen, tagt der städtische Krisenstab bereits seit Mittwoch der vergangenen Woche. Das Gremium befasst sich parallel zur akuten Gefahrenabwehr auch mit Präventionsmaßnahmen für zukünftige Hitzeperioden. Ein zentraler Ansatz ist dabei die Verbesserung der Prognosefähigkeit. ZWO-Geschäftsführer Gerrit Kania erklärte hierzu: „Wir analysieren derzeit, welche Daten wir bislang haben und welche uns noch fehlen, um künftig exaktere Prognosen über die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung erstellen zu können. Beispielsweise durch den geplanten Einbau digitaler Zähler etwa bei Großverbrauchern, zu denen ausdrücklich nicht nur Rechenzentren zählen. Damit legen wir die Grundlage, um künftig mehr Echtzeitdaten zu erhalten. Ich muss aber ausdrücklich betonen, dass der Verbrauch nicht allein von Großverbrauchern abhängt, sondern auch die Bürgerinnen und Bürgern eine entscheidende Rolle einnehmen“. Auch Oberbürgermeister Schwenke strebt ein präziseres Lagebild an: „Unser Ziel ist es, die Daten des ZWO mit Daten des Deutschen Wetterdiensts zu verschneiden. Das gilt sowohl für die Daten früherer Hitzeperioden als auch zukünftig mit möglichst vielen Echtzeitdaten. Denn: Wir werden in Zukunft aller Voraussicht nach noch öfter solche extremen Hitzeperioden erleben – nicht nur häufiger, sondern sogar auch länger und heftiger. Mir ist es wichtig, dass sich die Stadt, aber auch die Menschen gut darauf vorbereiten, um künftig noch früher gegensteuern zu können.“
Anpassung der Stadtentwicklung an zunehmende Hitzeperioden und Extremwetter
Neben der rein technischen Überwachung des Wassernetzes rücken auch städtebauliche und klimatische Anpassungen in den Fokus der Verwaltung. Umwelt- und Klimadezernentin Helena Wolf wies auf die Notwendigkeit kurzfristiger Hilfsangebote hin: „Um mit solchen Lagen umzugehen, brauchen wir einerseits eine gute und ernsthafte Klimaschutzpolitik sowie Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Extremwetterlagen. Andererseits benötigen wir möglichst genaue Daten, um solche akuten Phasen dann gut steuern zu können. In dieser akuten Hitzephase hat die Stadt erstmals sehr kurzfristig Angebote für kühle Orte geschaffen. Solche und weitere Angebote werden wir auch in Zukunft machen und optimieren. In die jetzt folgende Ausarbeitung der Struktur dieses Angebots werden wir die Erfahrungen und Rückmeldungen der Bevölkerung von diesem ersten Mal einfließen lassen.“ Stadtkämmerer Martin Wilhelm lenkte den Blick abschließend auf die strukturelle Hitzevorsorge für vulnerable Personengruppen: „Viele Menschen unterschätzen, wie belastend eine solche Hitze für chronisch Kranke und Ältere ist. Deshalb enthalten alle Stadtentwicklungskonzepte auch Maßnahmen zum besseren Schutz vor Hitze. Beispielsweise mit dem Konzept der Grünen Mitte, um die Innenstadt abzukühlen, oder mit den Maßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip: Wir verringern die Versiegelung von Flächen und fördern die Entsiegelung auch von Privatgrundstücken. Es steht aber außer Frage: In den nächsten Jahren haben wir hier noch viele Aufgaben“.
















