Trotz der angespannten allgemeinen Wirtschaftslage verzeichnet die Stadt Offenbach den höchsten Beschäftigungsstand seit mehr als einem halben Jahrhundert. Im Jahr 2025 zählte das Stadtgebiet 53.710 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt des 13. Immobilienfrühstücks der städtischen Wirtschaftsförderung, zu dem rund 120 Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienbranche in das Quartier 4.0 im Offenbacher Osten kamen, um sich über aktuelle Bauprojekte und Standortperspektiven zu informieren.
Städtischer Masterplan bietet Investoren verlässliche Planungssicherheit
Das Branchentreffen fand in Kooperation mit dem Immobilienunternehmen Aurelis Real Estate statt, das Eigentümer des ehemaligen Güterbahnhofgeländes ist. Nach Einschätzung von Elmar Schütz, Leiter für Land Development bei Aurelis, ist die positive wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich auf den städtischen Masterplan zurückzuführen. Die Ausrichtung auf Wohn- und Gewerbeflächen biete Investoren die notwendige Planbarkeit. Schütz erklärte vor den Gästen in der ehemaligen Güterhalle: „Der Masterplan wirkt.“ Obwohl die verschiedenen Krisen auch die Projekte des Entwicklers beeinflusst hätten, sei nun eine Aufbruchsstimmung spürbar, auf deren Grundlage die Umsetzung weiterer Vorhaben schnell erfolgen könne. Um den aktuellen Kurs fortzusetzen, planen die Stadt und die Industrie- und Handelskammer Offenbach eine Fortschreibung des Masterplans bis zum Jahr 2045.
Oberbürgermeister Schwenke warnt vor wirtschaftlichen Rückschlägen
Oberbürgermeister Felix Schwenke betonte bei dem Treffen, dass es Offenbach gelungen sei, einen langjährigen Negativtrend zu stoppen. Die aktuelle Rekordzahl an Arbeitsplätzen beinhalte dabei noch nicht einmal die jüngsten Ansiedlungserfolge und Unternehmensentscheidungen von BYD, Lorenz Snacks, großen Teilen der Firma SAMSON oder den angekündigten Zuzug von Pan Dacom. Neben der Flächenplanung machte der Oberbürgermeister eine lösungsorientierte Bearbeitung bei den örtlichen baurechtlichen Verwaltungsverfahren als wichtigen Faktor für Investoren aus.
Zugleich warnte Schwenke vor einer zu großen Euphorie angesichts der bundesweiten Wirtschaftslage: „Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass die wirtschaftliche Krise spurlos an uns vorbeigeht. Auch wir werden Rückschläge erleben, wie wir gerade an Manroland Sheetfed sehen. Aber: Wir sind seit sehr langer Zeit erstmals wieder so gut aufgestellt, dass wir diese Rückschläge überstehen und daraus Chancen generieren können.“
Projektentwickler passt Flächen für kleinere Betriebe an
Im Offenbacher Osten schreitet der Wandel des ehemaligen Güterbahnhofgeländes derweil voran. Wie Sebastian Wittemaier von Aurelis ausführte, profitiere das Quartier 4.0 von der Lage an der Bundesstraße 43 sowie der Anbindung an den Nahverkehrsknotenpunkt Offenbach-Ost. Zudem sollen Synergieeffekte mit dem benachbarten Innovationscampus genutzt werden. Während die Stadt Offenbach auf dem Areal bereits mit dem Bau der neuen Emmy-Noether-Schule begonnen hat, bereitet der Eigentümer die Erschließung weiterer Teilbereiche vor.
Auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert der Entwickler im Quartier 4.0 mit einer Anpassung seiner Pläne. Zwei der gewerblichen Baufelder wurden neu strukturiert und sollen als kleinteilige Ateliers insbesondere Handwerksbetrieben, dem Kleingewerbe und Kreativen angeboten werden. In die sanierte Güterhalle sind bereits zwei Mieter eingezogen. Dazu gehört das Kaffeerösterei- und Café-Unternehmen BUNCA des Unternehmers Samson Habtom, das dort eine rund 650 Quadratmeter große Fläche nutzt. Habtom plant an dem Standort unter anderem eine eigene Backstube, eine über acht Meter lange Theke, einen Schulungsraum für Workshops sowie den Betrieb eines der weltweit größten elektrischen Trommelröster.
Stadtgebiet steht vor weiteren städtebaulichen Veränderungen
Neben dem Quartier 4.0 im Osten verwies die städtische Wirtschaftsförderung auf weitere städtebauliche Großprojekte im gesamten Stadtgebiet. Auf dem ehemaligen KWU-Gelände hat die Wohnungsbaugesellschaft ABG mit der Entwicklung des neuen Kaiserviertels begonnen. Dies soll in den kommenden Jahren den Lückenschluss des Alleen-Rings zwischen der Berliner Straße und der Hafenallee ermöglichen. Spätestens in fünf Jahren ist zudem die Realisierung des Parks am Nordkap vorgesehen, der die Aufenthaltsqualität im Kaiserlei-Viertel erhöhen soll. In der Innenstadt soll die künftige Station Mitte, die unter anderem die Stadtbibliothek, ein Ton- und Filmstudio, Lernbereiche sowie Gastronomie und Gewerbe bündeln wird, für zusätzliche Belebung sorgen. Weitere Angebote für das Zentrum werden derzeit im Rahmen des Projekts Testraum-Allee erprobt.















