Eine ungewöhnliche Biografie verbindet die beiden städtischen Mitarbeiter Abdul Shakoor und Celebi Kural. Nach einer gemeinsamen beruflichen Vergangenheit in Norddeutschland und einem jahrelangen Kontaktabbruch trafen sich die beiden Männer mehr als 500 Kilometer entfernt in Offenbach zufällig wieder. Heute teilen sie sich nicht nur ihre Erinnerungen, sondern auch den Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung.
Gefährlicher Berufsalltag schweißt in Norddeutschland zusammen
Die Ursprünge ihrer mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Verbundenheit liegen in einer Cuxhavener Taxizentrale. Shakoor arbeitete dort in der Vermittlung und teilte Kural regelmäßig lukrative Fahrten zu, wobei der berufliche Austausch oftmals über direkte Telefonate statt über den allgemeinen Funk stattfand. Neben einer Bekanntschaft über einen gemeinsamen Freund schweißte vor allem der von Angst geprägte Berufsalltag die Männer zusammen. Nachdem ein Kollege ermordet worden war, verließen sich die Fahrer bei eskalierenden Situationen stark aufeinander. Herbeigerufene Taxis trafen oftmals schneller am Ort des Geschehens ein als die Polizei. Der räumliche und persönliche Kontakt der beiden Kollegen riss schließlich ab, als Shakoor im Jahr 2004 aus Cuxhaven wegzog.
Zufällige Begegnung auf der Frankfurter Straße
Unabhängig voneinander verschlug es beide Männer später in das Rhein-Main-Gebiet. Kural zog 2007 nach Offenbach, da seine Kinder in der Umgebung studierten und er die flache Topografie sowie die gute Anbindung an das S-Bahn-Netz schätzte. Shakoor folgte im Jahr 2014, um seiner in Darmstadt studierenden Tochter bei der Wohnungssuche zu helfen.
Das eigentliche Wiedersehen ereignete sich Mitte 2015 auf der Frankfurter Straße in Offenbach. Shakoor, der zu dieser Zeit als Fahrer eines Müllwagens beim städtischen Betrieb ESO arbeitete, erkannte seinen alten Weggefährten im Vorbeifahren. Aus Unsicherheit verstrich die erste Begegnung noch wortlos. Erst als er Kural Wochen später mit dessen Ehefrau an derselben Stelle erneut sah, stieg er aus seinem Lastwagen aus und sprach ihn an. Nach der gegenseitigen Identifikation folgte eine emotionale Umarmung auf offener Straße.
Zweites Treffen führt zur beruflichen Zusammenarbeit
Eine zweite unerwartete Begegnung ergab sich einige Jahre später im direkten Arbeitsumfeld. Wegen gesundheitlicher Einschränkungen durch Herzprobleme und eines damit verbundenen Unfallrisikos untersagten Ärzte Shakoor im Jahr 2020 das Steuern von Lastkraftwagen. Er wechselte in das Gebäudemanagement des Offenbacher Rathauses. Dort trafen sich die beiden Männer an der Pförtnerloge wieder, als der eine zur Spätschicht antrat und der andere in den Feierabend ging.
Als später eine Stelle im städtischen Hauptamt frei wurde, bewarb sich Shakoor auf die Position, in der Kural bereits tätig war. Dieser setzte sich intern für seinen alten Bekannten ein. „Den Jungen kenne ich aus Cuxhaven, schon über 20 Jahre. Er ist gut“, argumentierte Kural bei seinen Kollegen. Sein Vertrauen untermauerte er mit den gemeinsamen Erfahrungen: „Abdul ist wie ein Bruder. Aus der Zeit in Cuxhaven wusste ich, dass dieser Mann sehr ehrlich ist.“
Vertrauen und Respekt als Basis der Freundschaft
Mittlerweile arbeiten beide im selben Amt der Offenbacher Stadtverwaltung und stimmen sich täglich in morgendlichen Besprechungen ab. Auch bei gemeinschaftlichen Aktivitäten der Belegschaft bleiben sie eng verbunden. „Bei Betriebsausflügen sitzen wir immer nebeneinander im Bus“, berichtet Shakoor.
Die Basis dieser langen Verbindung sehen beide in grundlegenden Werten. Shakoor nennt Vertrauen und Respekt als Fundament, aus dem sich eine familiäre Ebene entwickeln könne. Kural fasst das Wesen ihrer Bindung zusammen: „An guten und schlechten Tagen zusammen sein. Sich gegenseitig helfen und füreinander da sein.“















