Die am Dienstag in der Lise-Meitner-Straße in Hanau-Großauheim entdeckte 250-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Donnerstagmittag kontrolliert gesprengt worden. Um 12.02 Uhr meldete die Stadt Hanau die erfolgreiche Detonation. Eine Entschärfung war nach Angaben des Kampfmittelräumdienstes aufgrund der Lage des Blindgängers nicht möglich. Personenschäden gab es nicht.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadträtin Isabelle Hemsley erklärten nach dem Einsatz: „Das Wichtigste ist: Allen Menschen geht es gut.“
Rund 4.500 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen
Für die Sprengung war am Mittwoch ein Evakuierungsradius von rund 1.000 Metern festgelegt worden. Am Donnerstagmorgen ab 7 Uhr mussten etwa 4.500 Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser verlassen. Betreuungsstellen standen in der Mehrzweckhalle Lindenau und der Sporthalle Spitzenweg bereit, wo auch Haustiere untergebracht werden konnten.
Die Stadt schaltete ein Bürgertelefon, das Anfragen und Transportbedarfe koordinierte. Schulen, Kitas, der Wertstoffhof sowie der Wochenmarkt im betroffenen Bereich blieben geschlossen.
Auch der Verkehr war großflächig eingeschränkt:
Auf dem Main kamen Schiffe ab 9.30 Uhr zum Stillstand. Die B43a wurde zwischen Hanauer Kreuz und Anschlussstelle Steinheim gesperrt. Der Bahnverkehr im Evakuierungsgebiet ruhte ab 11 Uhr, die Bahnhöfe Großauheim und Klein-Auheim waren seit 7 Uhr geschlossen. Mehrere Buslinien der Hanauer Straßenbahn GmbH fuhren nur eingeschränkt oder wurden umgeleitet.
Sachschäden nach Druckwelle – Statiker prüfen Gebäude
Zum Schutz der umliegenden Bebauung hatte die Stadt eine Barriere aus 15 Übersee-Containern errichten lassen. Trotz der Schutzwand waren die Auswirkungen der Druckwelle in angrenzenden Straßen sichtbar: Mehrere Häuser wurden beschädigt. Nach Angaben der Stadt sind etwa 60 Anwohnerinnen und Anwohner direkt betroffen.
Zwei Statiker des Technischen Hilfswerks untersuchen seit dem frühen Nachmittag die Gebäude in unmittelbarer Nähe der Sprengstelle. Die Rückkehr der Bewohner erfolgt begleitet durch Feuerwehrkräfte und die psychosoziale Notfallversorgung, um die Lage in den einzelnen Wohnungen einzuschätzen.
Parallel führt die Feuerwehr Messungen durch, um mögliche Gefahrstofffreisetzungen auszuschließen. Hinweise darauf gibt es bislang nicht.
Evakuierung aufgehoben – Stadt unterstützt Betroffene
Nach der erfolgreichen Sprengung hob die Stadt die Evakuierung auf. In einigen Bereichen bleiben Sperrungen bestehen, da zunächst der Einbruchsschutz sichergestellt werden muss. Für Bewohnerinnen und Bewohner, deren Wohnungen vorübergehend nicht nutzbar sind, prüft die Stadt Unterbringungsmöglichkeiten in städtischen Wohnungen, Immobilien der Baugesellschaft Hanau oder Hotels.
„Wir haben mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Sicherheit der Menschen gesorgt und unterstützen sie jetzt schnell, professionell und unbürokratisch“, sagte Ordnungsdezernentin Isabelle Hemsley.
Das Bürgertelefon bleibt weiter erreichbar – am Donnerstag bis 22 Uhr, am Freitag von 8 bis 18 Uhr.
Hintergrund zum Fund
Der Blindgänger war bei einer Sondierung durch den Kampfmittelräumdienst am Dienstag entdeckt worden. Seitdem wurde der Bereich permanent gesichert und überwacht. Die umfangreichen Vorbereitungen für die Sprengung liefen bis Donnerstagmittag.
Die Stadt spricht von einem außergewöhnlichen Fund. Oberbürgermeister Kaminsky hatte bereits am Mittwoch erklärt: „Eine solche Bombe gab es in Hanau noch nicht.“
















